Schwarz-Weiß-Hommage an Monsterfilme der 30-er Jahre

Filmrezension: Frankenweenie

Berlin, (ZENIT.orgtextezumfilm) Dr. José García | 935 klicks

Der kleine Victor Frankenstein liebt selbstgedrehte Filme – eine kleine Kostprobe seiner Filmleidenschaft erlebt der Zuschauer in der Eingangssequenz, als Victor seinen Eltern einen hausgemachten Animationsfilm (in 3D!) vorführt. Aber ganz besonders liebt der junge Tüftler seinen Hund Sparky, der als großer Held im „Film im Film“ das Monster vertreibt. In der Schule ist Victor allerdings ein Einzelgänger. Seine Eltern zeigen sich deswegen besorgt, weshalb sein Vater Victor zum Baseballspiel animiert. Am Rande des Matches geschieht dann die Tragödie: Sparky wird von einem Auto überfahren und stirbt. Victor ist untröstlich, kommt aber bei einem Experiment im Biologieunterricht des skurrilen Mister Rzykruski auf eine zündende Idee: Durch Elektroschocks bewegt ein toter Frosch die Beine wieder. Victor gräbt Sparky wieder aus und näht ihn wieder zusammen. Durch eine besondere Konstruktion leitet der kleine Tüftler bei einem Gewitter die Elektrizität eines Blitzes durch den toten Hund. Und siehe da: Sparky wird wieder lebendig. Obwohl Victor seinen zum Leben wieder erweckten Liebling auf dem Dachboden versteckt, büchst Sparky aus. Victors buckliger Klassenkamerad Edgar entdeckt den Hund, lässt sich sein Schweigen mit der Wiederbelebung seines Goldfisches belohnen, verplappert sich aber wenig später, so dass weitere Schulkameraden von Victors Künsten erfahren. Bei der Wiederbelebung verschiedener Haustiere läuft jedoch einiges schief, so dass bald mehrere Monster durch die Kleinstadt ihr Unwesen treiben.

Regisseur Tim Burton realisiert „Frankenweenie“ mit derselben Stop-Motion-Technik, die er bereits in den Grusel-Animationsfilmen „Nightmare Before Christmas“ (1993) und „Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche“ (2005) angewandt hatte. Weil aber „Frankenweenie“ eine Hommage an die Horrorfilme aus den Dreißigerjahren darstellt, dreht ihn der kalifornische Regisseur in schwarz-weiß, allerdings verbunden mit 3D-Animation. Tim Burtons Hommage an die klassischen „Frankenstein“-Filme erschöpft sich jedoch nicht in der Handlung von „Frankenweenie“. Darüber hinaus zeigt sich dies auch in einer Reihe Details, etwa in der Anordnung von Tisch und Tuch bei Sparkys Wiederbelebung, in den Fackeln der gegen das Monster ausgerückten Stadtbewohner oder auch in der Frisur von „Frankensteins Braut“, als der unter Strom stehende Sparky Pudeldame Persephone küsst. Im Fernsehen läuft selbstverständlich ein Dracula-Film – eine weitere Verbeugung vor dem Horrorgenre. Bei den Figuren erinnert zwar Edgar an den buckligen Frankenstein-Gehilfen Igor. Aber die meisten Charaktere, etwa Persephones Frauchen Elsa Van Helsing, der bereits erwähnte Lehrer Rzykruski oder auch Victors Klassenkameraden sind eher an die Figuren anderer Tim-Burton-Filme angelehnt und werden mit viel Liebe zum Detail überzeichnet. Bei den Monstern lässt sich Regisseur Burton von bekannten Ungeheuern wie Godzilla oder den Gremlins inspirieren.

Tim Burtons Spiel mit dem Genre wird deutlich beim „Film im Film“, der außerdem in den 3D-Brillen, mit denen Victors Familie seinen selbstgemachten Film betrachtet, einen selbstironischen Bezug enthält. Im Vergleich zu seinen früheren Horror-Animationsfilmen „Nightmare Before Christmas“ und „Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche“, in denen ein makabrer, eher erwachsener Witz dominierte, zeichnet sich der schwarze Humor von „Frankenweenie“ durch eine familiengerechte Qualität aus. Nicht umsonst inszeniert Tim Burton seinen Film für Disney. Hatte er seine zwei letzten Regiearbeiten „Alice im Wunderland“ (2010) und „Dark Shadows“ (2012) bereits für das Mickey-Maus-Großstudio gedreht, so ist „Frankenweenie“ Tim Burtons erster Animationsfilm für Disney. Dennoch ist „Frankenweenie“ kein Kinderfilm. Seine gruselige und durch die Schwarz-Weiß-Optik noch gesteigerte düstere Anmutung machen die Freigabe ab 12 Jahren verständlich. Die Verknüpfung von 3D-Technik mit einem Schwarz-Weiss-Film gelingt freilich vollends.

Viel zum überzeugenden Gesamteindruck von „Frankenweenie“ tragen nicht nur die schönen weichen Übergänge, sondern insbesondere auch die atmosphärische Musik von Danny Elfman bei, der seit 1985 die Filmmusik für fast alle Tim-Burton-Filme komponiert hat. Je nach Victors Stimmung klingt sie manchmal traurig, manchmal unbeschwert wie in einem Kinderfilm. Dennoch weiß Danny Elfman ebenfalls, Spannung zu erzeugen, ohne seine Musik in den Vordergrund zu rücken.

„Frankenweenie“ erzählt vor allem die Geschichte einer wunderbaren Freundschaft zwischen einem Kind und seinem Hund. Dass Victor Sparky über alles liebt, verdeutlicht Tim Burton von Anfang an, so dass Victors Wunsch, seinen Liebling wieder zum Leben zu erwecken, glaubwürdig wirkt. Diese Disney-gerechte Familienstory verpackt aber Tim Burton in ein Ambiente, das seine eigene Handschrift in jedem Augenblick verrät, weshalb sich „Frankenweenie“ in sein Gesamtoeuvre bestens einreiht.