Schweiz: Bischöfe würdigen unerschrockenen Förderer der jüdisch-christlichen Verständigung

Professor Ernst Ludwig Ehrlich starb am Sonntag im 87. Lebensjahr

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BASEL, 24. Oktober 2007 (ZENIT.org).- Professor Ernst Ludwig Ehrlich, Ehrenpräsident der internationalen jüdischen Vereinigung „B’nai B’rith“ und Co-Präsident der Jüdisch/Römisch-katholischen Gesprächskommission (JRGK) des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG) und der Schweizer Bischofskonferenz (SBK), ist am Sonntag nach schwerer Krankheit gestorben. Er war 86 Jahre alt.



Professor Ehrlich war ein „unermüdlicher wie unerschrockener Engagé in der jüdisch-christlichen Verständigung“, heißt es in einem heute veröffentlichten Kommuniqué der katholischen Co-Präsidentin der JRGK, Professor Dr. Verena Lenzen, und des Informationsbeauftragten der Schweizer Bischofskonferenz, Walter Müller. Ehrlich selbst habe bekräftigt: „Bis heute vergeht kein Tag, ohne dass ich mich damit beschäftige.“

Die Mitglieder der Schweizer Bischofskonferenz und der Gesprächskommission würdigen die „kostbare und konstruktive Zusammenarbeit in der JRGK, die er viele Jahre förderte und leitete“.

Ernst Ludwig Ehrlich wurde 1921 in Berlin geboren. Von 1940 bis 1942 studierte er bei Rabbiner Leo Baeck an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. Nach einem Jahr Zwangsarbeit gelang ihm 1943 die Flucht in die Schweiz, wo er bis zu seinem Tode in Riehen bei Basel wohnte. 1950 wurde er zum Dr. phil. der Universität Basel promoviert. Seit 1972 lehrte er als Honorarprofessor Neuere Jüdische Geschichte und Religion/Literatur an der Universität Bern. Während des Zweiten Vatikanischen Konzils war er als Konzilsberater tätig und hat die Entstehung der Konzilserklärung Nostra aetate. Das Verhältnis der katholischen Kirche zum Judentum (1965) unmittelbar miterlebt und begleitet.

Ehrlich war Träger mehrerer Ehrendoktorate. 2005 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Luzern. Zahlreiche hohe Auszeichnungen wurden ihm verliehen, so 1956 der Leo Baeck-Preis, 1976 die Buber-Rosenzweig-Medaille und 2007 der Israel-Jacobson-Preis, mit dem die liberalen jüdischen Gemeinden in Deutschland „Meilensteine des liberalen Judentums“ würdigen.

Beim Empfang einer Delegation der 1843 entstandenen jüdischen Organisation „B’nai B’rith“, die in 60 Ländern vertreten ist und nach eigenen Angaben Toleranz, Humanität und Wohlfahrt sowie die Aufklärung über das Judentum und die jüdische Erziehung fördert, wies Papst Benedikt XVI. auf den jüdisch-christlichen Auftrag hin.

„Juden und Christen sind berufen, sich gemeinsam für die Heilung der Welt einzusetzen durch die Förderung der geistlichen und sittlichen Werte, die auf unseren Glaubensüberzeugungen gründen. Wenn wir ein klares Beispiel fruchtbarer Zusammenarbeit geben, dann wird unsere Stimme bei der Antwort auf die Nöte der Menschheitsfamilie umso überzeugender sein“ (vgl. (Ansprache).