Schweizer Bischöfe fordern Verbot von gewerbsmäßig betriebener Beihilfe zum Selbstmord

Der Suizidwunsch entspringt selten einem freien Willensentscheid

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FRIBOURG, 8. Juli 2008 (ZENIT.org).- „Wer das Leben und die Menschenwürde achtet, kann die Selbsttötung weder billigen noch fördern“, betonen die Schweizer Bischöfe im Hinblick auf die Akzeptanz, die Suizid-Organisationen in breiten Kreisen zu gewinnen trachten. Den Bemühungen, organisierte und gewerbsmässig betriebene Beihilfe zum Selbstmord gesetzlich zu etablieren, treten sie entschieden entgegen.



„Organisierte Suizidbeihilfe widerspricht nicht nur dem christlichen Menschenbild, sondern auch dem Menschenbild der Bundesverfassung. Der Bundesrat sieht deshalb Handlungsbedarf für den Gesetzgeber. Die in Aussicht gestellte Einführung von 'minimalen Sorgfalts- und Beratungspflichten' für Suizid-Organisationen ist jedoch für die Schweizer Bischöfe untragbar“, heißt es in einer heute veröffentlichten Presseerklärung der Bischofskonferenz.

„Mit der Einhaltung und Kontrolle dieser Pflichten würde den Suizid-Organisationen außer der staatlichen Duldung unweigerlich auch eine staatliche Legitimation zugebilligt. Das ist das Gegenteil von dem, was anzustreben ist. Die Bischöfe erinnern daran, dass nur ein Verbot der organisierten und gewerbsmässigen Beihilfe zum Selbstmord die angemessene Lösung sein kann.“

Beihilfe zur Selbsttötung sei in Wahrheit keine Hilfe, sondern widerspreche der grundlegenden Pflicht zum Schutz allen menschlichen Lebens. „Es ist ein Fehlurteil zu meinen, man dürfe oder müsse sogar dem ausdrücklichen Selbsttötungs-Wunsch eines Menschen entsprechen. Der Suizidwunsch entspringt selten einem freien Willensentscheid, sondern ist praktisch immer vom Druck der Umstände erzwungen: vom Druck der Schmerzen, vom Gefühl der Sinn- und Aussichtslosigkeit oder von der Rücksicht auf die Belastung der Angehörigen.“

Wer mit dem Leidenden Mitleid habe, dürfe nicht die Tötung ins Auge fassen, sondern die menschliche Zuwendung. Das sei wesentlich, so die Hirten.

„Zu dieser Zuwendung gehört auch die Sterbebegleitung, die auf zahlreiche ehrenamtlich Tätige angewiesen ist. Denn diese kann weder vom medizinischen Personal allein noch von nahestehenden Personen geleistet werden.“ In diesem Zusammenhang danken die Schwiezer Bischöfe allen, die in diesem Bereich tätig sind.

„Es ist Aufgabe der Kirche selbst, den Leidenden und Sterbenden Kraft des Gebetes und der Sakramente sowie durch die Präsenz von Seelsorgern beizustehen. Vom Staat ist zu fordern, dass er sich deutlich stärker für den Ausbau der Palliativmedizin engagiert.“

Am Freitag beschloss der Bundesrat in Deutschland einen Entschließungsantrag zum Verbot gewerblicher Sterbehilfe (vgl. ZENIT berichtete).