Schwere Vorwürfe nach Ausschreitungen in Kairo

Polizei hat Angreifer geschützt

Rom, (ZENIT.orgKIN) | 523 klicks

Nach Angriffen auf eine christliche Trauerfeier in der Kairoer Markus-Kathedrale erheben Vertreter der katholischen Kirche in Ägypten schwere Vorwürfe gegen die Behörden. Gegenüber dem internationalen katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ erklärte jetzt Pater Rafik Greiche, Medienverantwortlicher der ägyptischen katholischen Bischofskonferenz: „Als es am 6. April in Khusus zu schweren konfessionellen Unruhen gekommen war und vier Christen ums Leben kamen, drohten islamische Fundamentalisten, man werde die Kirche in Khusus angreifen, sollte es dort für die Toten eine Trauerfeier geben. Man hat sie deshalb in die Kathedrale nach Kairo verlegt. Die Polizei hätte also gewarnt sein müssen. Warum also war die Polizei nicht vor der Kathedrale? Sie kam erst zwei Stunden später an, um dann die Angreifer zu schützen.“

Am 7. April war es am Sitz des koptisch-orthodoxen Patriarchen zu Übergriffen auf koptische Christen gekommen, die ihre tags zuvor in Khasus nahe Kairo ums Leben gekommenen Glaubensbrüder zu Grabe trugen. Unbekannte hatten die Trauernden mit Steinen und Molotow-Cocktails angegriffen. Zwei Menschen waren getötet und mehr als 90 verletzt worden. Gegenüber „Kirche in Not“ verurteilte der koptisch-katholische Bischof von Asiut, Kyrillos Samaan, die Angriffe: „Niemand hätte sich jemals vorstellen können, dass man ein für alle Ägypter derart wichtiges Symbol, wie die Markuskathedrale in Kairo angreifen würde. Das ist schockierend. Wir werden aber das wahre Ziel dieser Angriffe nicht erfahren.“

Wenige Stunden nach den Angriffen hatte sich Staatspräsident Muhammad Mursi, der der Muslimbruderschaft angehört, dem koptisch-orthodoxen Patriarchen Tawadros II. gegenüber telefonisch solidarisch erklärt. Dazu Pater Greiche: „Was hat der Präsident denn getan, um die Christen zu schützen?“ Ermutigend ist nach den Worten von Pater Greiche die Solidarität und Anteilnahme moderater Muslime: „Alle unsere muslimischen Freunde sagten uns, dass sie angesichts der Ereignisse beschämt seien. Ich war kürzlich an der Azhar-Universität, der wichtigsten sunnitischen Institution. Scheichs, mit denen wir dort in Kontakt sind, versicherten uns, dass solche Übergriffe nicht mit dem Islam vereinbar sind.“ Weiter erklärte Pater Greiche: „Wir stehen permanent im Kontakt mit den protestantischen und orthodoxen Kirchen. Wir finden viel Übereinstimmung. Das ist ein Segen.“

Vor allem bedeutsam ist nach Darstellung von Pater Greiche die Annäherung zwischen der koptisch-orthodoxen und der koptisch-katholischen Kirche seit der Wahl Tawadros II. zum neuen koptisch-orthodoxen Patriarchen Anfang November 2012: „Die Atmosphäre zwischen Katholiken und orthodoxen Kopten hat sich völlig geändert. Tawadros ist sehr offen. Er hat etwa an der Inthronisation des neuen koptisch-katholischen Patriarchen Ibrahim Isaak teilgenommen. Das hat es noch nie gegeben. Vor allem aber will der koptische Papst den römischen Papst besuchen.Hier hat sich wirklich etwas geändert.“