Schwester Lucia, Fatima und der Papst

Brief des Heiligen Vaters erreichte die Seherin an ihrem Todstag

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ROM, 15. Februar 2005 (ZENIT.org).- "Sehr traurig" ist Papst Johannes Paul II. über den Tod der letzten Zeugin der Marienerscheinungen im portugiesischen Fatima. Schwester Lucia ist diesen Sonntag im Alter von 97 Jahren im Kloster von Coimbra gestorben. Ihr Cousin Francisco Marto und dessen Schwester Jacinta, mit denen sie 1917 das erste Mal die Jungfrau Maria schauen durfte, starben bereits in sehr jungen Jahren in den Jahren 1920 bzw. 1919. Am 13. Mai 2000 wurden sie vom Heiligen Vater selig gesprochen.



"Wir wissen, dass sie sehr befreundet waren", sagte der portugiesische Kardinal José Saraiva Martins, Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, über die Beziehung zwischen der verstorbenen Klosterschwester Sr. Maria Lucia de Jesus vom Unbefleckten Herzen und dem Papst, der sich diese Woche mit seinen Mitarbeitern zu geistlichen Exerzitien zurückgezogen hat.

"Sie trafen mehrmals zusammen. Für Johannes Paul II. waren das immer sehr spirituelle Momente gewesen", so der Kardinal gegenüber der katholischen Nachrichtenagentur "Ecclesia". "Der Papst hat immer gesagt, dass die Jungfrau Maria ihm beim Mordanschlag auf dem Petersplatz am 13. Mai 1981 das Leben gerettet hat. Und Fatima und die kleinen Hirten nehmen in seinem Herzen einen besonderen Platz ein."

Beim Attentat von Mehmet Ali Agca im Jahre 1981 war der Heilige Vater mit dem Leben davongekommen. Diese Tatsache hat er immer als besonderen Gnadenerweis empfunden und sie der Hilfe der Jungfrau von Fatima zugeschrieben. Als er zum Erntedankfest am 13. Mai1982 nach Fatima kam, schmückte er deshalb voller Dankbarkeit die Krone der Jungfrau mit der Pistolenkugel, die man aus ihm herausoperiert hatte.

Bischof Albino Cleto von Coimbra bestätigte gegenüber "Ecclesia", dass Schwester Lucia noch vor ihrem Tod am ersten Fastensonntag einen Brief des Papstes erhalten hatte. "Tief ergriffen" von den Worten, die man ihr vorlas, habe sie anschließend darum gebeten, die Nachricht selbst lesen zu dürfen. "Vielleicht war das die letzte Reaktion, die sie mit Bezug auf die Außenwelt gezeigt hat", ergänzte der Bischof.

In der kurzen Mitteilung, in der er der kranken Seherin seinen päpstlichen Segen übermittelt, schreibt der Heilige Vater, er bete zu Gott, dass die Ordensleute dazu fähig sind, den "Moment des Schmerzes und des Leidens" in einem "österlichen Geist" zu durchleben.

Lucia dos Santos starb aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters am 13. Februar eines natürlichen Todes in ihrer Klosterzelle, umgeben von ihren Schwestern im Glauben, vom Bischof von Coimbra, von Ärzten und der Krankenschwester, die sich um sie gekümmert hatte. Am 22. März wäre die Portugiesin 98 Jahre alt geworden.

Johannes Paul II. traf mit Schwester Lucia drei Mal in Fatima zusammen: 1982, 1991 und zuletzt am 13. Mai 2000, jenem Tag, an dem er die anderen beiden Hirtenkinder von Fatima, Francisco and Jacinta, selig sprach.