Sehnsucht nach Gott kann nicht zum Schweigen gebracht werden

Papst: Sehnsucht nach dem Unendlichen ist das Siegel des Schöpfers auf Seele und Leib des Menschen

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von Kathleen Naab

CASTEL GANDOLFO, Italien, 22. August, 2012 (ZENIT.org). ‑ Benedikt XVI. zufolge sehnt sich nicht nur unsere Seele, sondern auch unser Leib danach, in Gott seine Erfüllung zu finden. Ganz gleich, wie sehr ein Mensch auch versuche, den Schöpfer abzulehnen, könne diese Sehnsucht nie verschwinden.

So äußerte sich der Papst in einer Botschaft an die Teilnehmer des von der katholischen Laienbewegung „Comunione e Liberazione“ organisierten „Treffens der Freundschaft unter den Menschen“, das in diesen Tagen in Rimini (Italien) stattfindet. Die Veranstaltung zieht jedes Jahr hunderttausende von Menschen an, die die Vorträge und Ansprachen wichtiger Personen aus Religion und Sozialwesen hören wollen, die sowohl der katholischen als auch der nicht katholischen Welt angehören.

Der Papst widmete seine diesjährige Botschaft einer Meditation über die Sehnsucht des Menschen nach dem Unendlichen. Die Botschaft beginnt mit der Feststellung, dass diese Sehnsucht nach etwas Höherem voraussetzt, dass die Beziehung zum Schöpfer untrennbar mit der menschlichen Natur verbunden ist.

„Der Mensch ist ein Geschöpf Gottes. Dieses Wort ‑ Geschöpf ‑ erscheint uns heute als etwas Überholtes: wir ziehen es vor, uns den Menschen als ein Wesen vorzustellen, das sich selbst genügt und sein eigenes Schicksal prägt“, so die Überlegung des Papstes.

Den Menschen als Geschöpf zu betrachten, sei „unbehaglich“, schreibt der Papst, weil „wir damit die Existenz von etwas anderem, oder besser von jemand anderem voraussetzen, der sich der Kontrolle des Menschen entzieht und zu uns in eine Beziehung tritt, die auch eine Abhängigkeit von ihm, der uns gewollt und erschaffen hat, voraussetzt.“

Doch diese Abhängigkeit sei alles andere als eine Einschränkung und Minderung der menschlichen Freiheit. In Wirklichkeit zeige erst sie „die Größe und hohe Würde des Menschen“, auch wenn die Menschen von heute dazu neigten, diese Beziehung zu verdrängen.

Jeder Mensch sei dazu erschaffen, „mit dem Unendlichen in Dialog zu treten“, so der Heilige Vater. Das Leben Adams und Evas sei im Ursprung ganz von ihrer Beziehung zu Gott geprägt gewesen, und der Sündenfall sei letztlich nichts anderes gewesen als der Versuch unserer Urahnen, „dieser ursprünglichen Beziehung auszuweichen.“

Weiter bemerkte der Papst, dass auch nach dem Sündenfall „der verzehrende Wunsch nach diesem Dialog im Menschen bleibt; wie ein Siegel, das vom Schöpfer selbst in unsere Seelen und Körper eingebrannt wurde.“

Mit einem Zitat aus den Psalmen wies Benedikt XVI. darauf hin, dass diese Sehnsucht nicht nur die Seele des Menschen betreffe, sondern auch seinen Leib: „Jede Faser meines Fleisches ist dazu geschaffen, ihren Frieden, ihre Erfüllung in Gott zu finden. Diese Spannung im menschlichen Herzen kann man nicht auslöschen. Selbst wenn ein Mensch Gott ablehnt oder leugnet, verschwindet die Sehnsucht nach dem Unendlichen, die in ihm wohnt, nicht aus seinem Herzen.“

Ein Mensch, der versuche, diese Sehnsucht anders zu stillen als mit der Suche nach Gott, sei irregeleitet und suche seine Erfüllung in unfruchtbaren Dingen. „Auch gute Dinge, die Gott erschaffen hat, damit sie Wege seien, die zu ihm führen, laufen oft Gefahr, als Selbstzweck betrachtet und damit zu Götzen zu werden, die an die Stelle des Schöpfers treten“, warnte der Papst. „Um wirklich sich selbst zu finden und die Fülle seines Lebens zu erlangen, muss der Mensch umkehren und erkennen, dass er ein Geschöpf ist, das von Gott abhängt.“

Der Heilige Vater sprach vom Leben als Berufung. „Alles, jede Beziehung, jede Freude, auch jede Schwierigkeit, bekommt ihren tiefsten Sinn dann, wenn wir darin eine Gelegenheit erkennen, unsere Beziehung zum Unendlichen zu vertiefen; eine Stimme Gottes, die uns ohne Unterbrechung ruft und uns einlädt, unseren Blick zu erheben und zu erkennen, dass die Erfüllung unserer Menschlichkeit darin liegt, dass wir ihm angehören.“

Es gebe keinen Grund, sich vor dem Ruf Gottes zu fürchten, sagte der Papst. „Gott will unser Bestes, und das ist unser vollkommenes Erfülltsein als Menschen.“

[Übersetzung des italienischen Originals von Alexander Wagensommer]