"Seid ihr bereit, ihm euer Ja zu sagen?"

Ansprache von Papst Franziskus an die Jugendliche Asiens

Seoul, (ZENIT.org) Redaktion | 506 klicks

Wir übernehmen die offizielle Übersetzung der Ansprache von Papst Franziskus beim Treffen mit den Jugendlichen Asiens im Heiligtum von Solmoe, Geburtsort des ersten koreanischen Priesters.

***

Liebe junge Freunde,

„Es ist gut, dass wir hier sind!“ (Mt 17,4). Diese Worte sprach der heilige Petrus auf dem Berg Tabor, als er vor dem in Herrlichkeit verklärten Jesus stand. Wahrlich, es ist gut, dass wir hier sind, gemeinsam in diesem Heiligtum der koreanischen Märtyrer, in denen die Herrlichkeit des Herrn zu Beginn des Lebens der Kirche in diesem Land offenbart wurde. In dieser großen Versammlung, die junge Christen aus ganz Asien zusammenführt, können wir die Herrlichkeit Jesu gleichsam greifen – die Herrlichkeit Jesu, der gegenwärtig ist in unserer Mitte, gegenwärtig ist in seiner Kirche, die alle Nationen, Sprachen und Völker umfasst, gegenwärtig ist in der Kraft seines Heiligen Geistes, der alles neu, jung und lebendig macht!

Ich danke euch für euren herzlichen Empfang und für das Geschenk eurer Begeisterung, für eure freudigen Gesänge, eure Glaubenszeugnisse und eure schönen Darbietungen der Vielfalt und des Reichtums eurer unterschiedlichen Kulturen. In besonderer Weise sage ich den drei jungen Freunden Dank, die mich an euren Hoffnungen, euren Problemen und euren Sorgen haben teilhaben lassen. Ich habe ihnen aufmerksam zugehört und werde sie im Gedächtnis behalten. Ich danke Bischof Lazzaro You Heung-sik für seine einführenden Worte und begrüße euch alle von Herzen.

Heute Nachmittag möchte ich mit euch über einen Teil des Themas vom Sechsten Asiatischen Jugendtag nachdenken: „Die Herrlichkeit der Märtyrer erstrahlt über euch.“ Genauso wie der Herr seine Herrlichkeit im heroischen Zeugnis der Märtyrer weiterleuchten ließ, möchte er seine Herrlichkeit auch in eurem Leben und durch euch aufscheinen lassen, um das Leben dieses weiten Kontinents hell zu machen. Heute klopft Christus an die Tür eures Herzens. Er fordert euch auf, euch zu erheben, ganz wach und aufmerksam zu sein und die Dinge im Leben zu sehen, die wirklich von Bedeutung sind. Mehr noch: Er bittet euch, hinauszugehen auf die Straßen und Gassen dieser Welt und an die Türen der Herzen anderer zu klopfen mit der Einladung, ihn in ihrem Leben willkommen zu heißen.

Dieses große Treffen junger Asiaten ermöglicht uns ebenfalls, etwas von dem zu sehen, was die Kirche selbst in Gottes ewigem Plan sein soll. Gemeinsam mit jungen Menschen von überall her möchtet ihr dazu beitragen, eine Welt aufzubauen, wo wir alle in Frieden und Freundschaft zusammenleben, indem wir Barrieren überwinden, Zerwürfnisse heilen sowie Gewalt und Vorurteile zurückweisen. Und genau das ist es, was Gott uns wünscht. Die Kirche soll ein Same der Einheit für die gesamte Menschheitsfamilie sein. In Christus sind alle Nationen und Völker in eine Einheit gerufen, welche die Vielfalt nicht zerstört, sondern sie anerkennt, versöhnt und bereichert.

Wie weit entfernt erscheint der Geist der Welt von dieser wunderbaren Vorstellung und diesem großartigen Plan! Wie oft scheint der Same der Güte und Hoffnung, den wir zu säen versuchen, erstickt zu werden vom Unkraut des Egoismus, der Feindseligkeit und der Ungerechtigkeit nicht nur in unserer Umgebung, sondern auch in unserem eigenen Herzen! Wir sind beunruhigt durch die wachsende Kluft zwischen reich und arm in unseren Gesellschaften. Wir sehen Zeichen einer Vergötterung von Besitz, Macht und Vergnügen, was Menschen großen Schaden zufügt. In unserer näheren Umgebung gibt es so viele unserer eigenen Freunde und Altersgenossen, die sogar inmitten von immensem materiellen Reichtum unter geistlicher Armut, Einsamkeit und stiller Hoffnungslosigkeit leiden. Gott scheint von der Bildfläche verschwunden zu sein. Es ist beinahe, als beginne eine geistige Wüste, sich über unsere ganze Welt auszubreiten. Es wirkt sich auch auf die jungen Menschen aus, indem es ihnen ihre Hoffnung nimmt und in allzu vielen Fällen sogar ihr Leben selbst.

Doch das ist die Welt, in die ihr hinausgehen und Zeugnis bringen sollt für das Evangelium der Hoffnung, für das Evangelium Jesu Christi und die Verheißung seines Reiches. In den Gleichnissen sagt Jesus uns, dass das Reich friedlich in die Welt kommt, indem es still, aber sicher wächst, wo immer es von Herzen empfangen wird, die für seine Botschaft der Hoffnung und des Heils offen sind. Das Evangelium lehrt uns, dass der Geist Jesu jedem menschlichen Herzen neues Leben bringen und jede Situation – sogar die scheinbar hoffnungsloseste – verwandeln kann. Das ist die Botschaft, die ihr mit euren Altersgenossen teilen sollt: in der Schule, am Arbeitsplatz, in euren Familien, euren Universitäten und euren Gemeinden. Weil Jesus vom Tod erstanden ist, wissen wir, dass er „Worte des ewigen Lebens“ hat (Joh 6,68), dass sein Wort die Macht hat, jedes Herz zu berühren, Böses mit Gutem zu überwinden und die Welt zu verändern und zu erlösen.

Liebe junge Freunde, in dieser Generation zählt der Herr auf euch! Er kam in euer Herz am Tag eurer Taufe, schenkte euch seinen Geist am Tag eurer Firmung und stärkt euch ständig durch seine Gegenwart in der Eucharistie, so dass ihr seine Zeugen sein könnt vor der Welt. Seid ihr bereit, ihm euer „Ja“ zu sagen? Seid ihr bereit?

Lasst mich euch drei Vorschläge machen, wie ihr authentische und freudige Zeugen des Evangeliums sein könnt. Denkt über sie nach und versucht, sie euch zur Lebensregel zu machen.

Erstens: Vertraut auf die Kraft, die Christus euch gibt. Verliert nie die Hoffnung auf die Wahrheit seines Wortes und die Macht seiner Gnade! Ihr seid getauft auf seinen Übergang vom Tod zum Leben und gefirmt in der Kraft des Heiligen Geistes, der in unseren Herzen wohnt. Bezweifelt nie diese geistige Kraft!

Zweitens: Bleibt dem Herrn nahe im täglichen Gebet. Betet Gott an. Vergesst nicht, den Herrn anzubeten! Lasst den Geist eure Herzen erheben und euch helfen, den Willen des Vaters zu erkennen und zu erfüllen. Gewinnt Freude und Kraft aus der Eucharistie. Haltet eure Herzen rein und stellt sie immer wieder „scharf“ durch einen regelmäßigen Empfang des Bußsakraments. Ich möchte, dass ihr aktiv und großherzig am Leben eurer Pfarreien teilnehmt. Und vernachlässigt auch das Evangelium der Liebe nicht; versucht, so gut ihr könnt, euch in Werken der Nächstenliebe zu engagieren.

Und schließlich: Da ihr von so vielen Lichtern umgeben seid, die im Widerspruch zum Evangelium stehen, bitte ich, dass all eure Gedanken, Worte und Werke von der Weisheit des Wortes Christi und der Macht seiner Wahrheit geleitet seien. Er wird euch lehren, wie ihr alles prüfen und Tag für Tag erkennen könnt, welche Pläne er für euch hat. Falls er euch ruft, ihm im Priestertum oder im Ordensleben zu dienen, wird er euch die Gnade schenken, keine Angst zu haben, Ja zu sagen! Er wird euch den Weg zu wahrem Glück und wirklicher Erfüllung zeigen.

Nun ist es Zeit für mich, zu gehen. Ich freue mich darauf, euch in diesen Tagen zu sehen und wieder zu euch zu sprechen, wenn wir uns am Sonntag zur heiligen Messe versammeln. Für jetzt lasst uns dem Herrn danken für den Segen dieser gemeinsamen Zeit und ihn bitten um die Kraft, treue und frohe Zeugen seiner Liebe überall in Asien und in der ganzen Welt zu sein.

Möge Maria, unsere Mutter, über euch wachen und euch immer in der Nähe Jesu, ihres Sohnes bewahren. Und auch der heilige Johannes Paul II., der die Weltjugendtage eingeführt hat, sei euch vom Himmel aus ein ständiger Begleiter. In großer Liebe erteile ich euch meinen Segen.

© Copyright - Libreria Editrice Vaticana