Selbstzerstörung der Kirche?

Impuls zum 4. Adventssonntag, 22.12.2013

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 418 klicks

Es kam, wie es kommen musste. Rom fragte, im Hinblick auf die Bischofssynode im kommenden Jahr, wie das katholische Kirchenvolk über Dinge des Glaubens und der Moral denkt. Nachdem die ersten Ergebnisse veröffentlicht wurden, wissen wir es nun genau. Die große Mehrheit (beim BDKJ 90 Prozent) sieht die Lehre der Kirche bzgl. Ehe und Familie “kritisch und befolgt sie deshalb nicht. Sex vor der Ehe und Verhütung gehören zu ihrem Beziehungsleben selbstverständlich dazu“, so der Vorsitzende der katholischen Jugendorgani-sation, Dirk Tänzler.

Die neuesten Umfragen des Allensbach-Instituts kommen zu dem gleichen Ergebnis.

Und wie steht es mit der katholischen Glaubenslehre allgemein? Auf die Frage: „Kennst du die Lehre, magst du sie, richtest du dich nach ihr?“ antwortet eine Mehrheit der befragten Jugendlichen sinngemäß „Ich kenne die Lehre, aber ich richte mich nicht nach ihr.“

Hier endet die Befragung.

Aber man sollte sie unbedingt weiterführen, z.B. so:

„Wenn du die Lehre nicht anerkennst, warum bist du in der Kirche? Ist das nicht Heuchelei?“

Darauf könnte es zwei Antworten geben.

Erste Antwort: „Es ist mir egal, die Religion bedeutet mir nichts, ich schätze an der Kirche nur das Drum und Dran, wie z.B. Geselligkeit, soziale Einrichtungen etc.“

Zweite Antwort: „Ich warte darauf, dass die Lehre verändert wird.“

So weit die vermutete BDKJ-Denkweise.

Sie deckt sich ganz mit der von einflussreichen Kreisen seit langem verfolgten Politik, aus der katholischen Kirche eine andere Kirche zu machen. Denn in grundlegenden Fragen die Lehre ändern ist gleichbedeutend damit, eine neue Kirche zu schaffen. Das aber als Erneuerung der Kirche auszugeben, ist dann absolut unredlich.

So weit – so schlecht.

Diese Diskussion wird seit mehr als fünfzig Jahren geführt und hat nicht zu dem erhofften Ergebnis geführt, hat aber der Kirche unglaublichen Schaden zugefügt.

Daher hier der Vorschlag zu einem anderen Ansatz:

Immer wenn man in der Kirche nicht weiter wusste, hat man sich auf die ersten Christen besonnen, in der nachvollziehbaren Annahme, dass sie die Dinge richtig sahen.

Die ersten Christen waren, etwa zur Zeit der Apostel, durchschnittliche Menschen mit ihren Fehlern,  nicht anders als wir. Aber eines war ihnen klar: die Erlösung durch den Mensch gewordenen Gott war ihnen heilig. So sehr, dass viele von ihnen dafür sogar Verfolgung und Martyrium auf sich nahmen.

Es wäre ein reizvolles Sujet für einen Roman oder ein Theaterstück, die frühchristlichen Märtyrer, die meistens junge Leute waren, mit den Jungen und Mädchen vom BDKJ zusammen zu bringen. Beide Gruppen sind ja Christen, aber wie würden sie aufeinander reagieren?

Die jungen Mädchen Cäcilia, Agatha, Lucia oder Katharina (und viele andere) „kannten die Lehre, mochten sie und richteten sich danach“. Und nicht nur die Glaubenslehre über Menschwerdung, Tod und Auferstehung Christi, Sakramente etc., sondern auch die Moralvorstellungen der Kirche, die damals die gleichen waren wie (noch) heute. Sie und auch die jungen Männer, Pantaleon, Laurentius, Pankratius, Florian und die vielen anderen standen durchaus in der Blüte ihrer Jugend und kannten, genau wie die jungen Menschen heute, die natürlichen Neigungen und Triebe. Aber sie wussten auch, dass man diesen nicht unbedingt nachgeben muss. Cäcilia oder Agatha waren sicher attraktive junge Mädchen. Würden sie sich mit Jungen und Mädchen der Katholischen Jugend heute unterhalten, hätten sie diesen sicher viel Überraschendes zum Thema Reinheit oder gar Jungfräulichkeit zu sagen.

Im einzelnen Fall sind diese Probleme, wenn man sie denn als Probleme erkennt, lösbar. Gott sei Dank gibt es immer noch das Sakrament der Beichte. Nur global gesehen ist die Situation fatal. Im allgemeinen Bewusstsein der Menschen, auch der Christen, ist nämlich die von Nietzsche geforderte „Umwertung der Werte“ längst verwirklicht.

War die Jungfräulichkeit früher ein Wert, so wird sie heute lächerlich gemacht.

War die Enthaltsamkeit vor der Ehe etwas Schönes, so ist es heute etwas, das Neurosen hervorbringt.

War damals das Leben heilig und immer schützenswert, so steht es heute vielfach zur Disposition, bisher nur am Anfang (Abtreibung) und am Ende (Euthanasie). Aber keine Sorge: die Tötungsmentalität ist auf dem Vormarsch. Man fordert das „Recht auf Abtreibung“, in Belgien tötet man sogar Kinder „auf Verlangen“.

Gebe Gott, dass in dieser Zeit der Verwirrung die Worte des Apostels Paulus, die wir am heutigen 4. Adventssonntag hören, den Christen wieder Orientierung, Mut und Freude vermitteln:

„Durch Ihn (Christus) haben wir Gnade und Apostelamt empfangen, um in seinem Namen alle Heiden zum Gehorsam des Glaubens zu führen“ (Röm 1,6).

Das wird die Kirche vor dem Untergang bewahren: nicht selbstbewusstes Auftrumpfen, sondern Gehorsam, Glaube, Demut und vor allem Gottesliebe.

All das sehen wir verkörpert in Maria, der Mutter der Kirche.

Es gibt auch bei den Jugendlichen die Stillen im Lande. Sie kommen auf der homepage des BDKJ nicht vor. Sie beten den Rosenkranz.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich).