Selektive Abtreibung: Der „Osservatore Romano“ zum Drama in Mailand

„Kein Mensch hat das Recht, sich an die Stelle Gottes zu setzen“

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ROM, 28. August 2007 (ZENIT.org).- Eine Nachricht erschreckte letztes Wochenende die italienische Öffentlichkeit und rief die Staatsanwaltschaft auf den Plan. Die tragischen Fakten des Dramas, das sich im Mailänder Krankenhaus San Paolo abspielte, sind mittlerweile bekannt: Eltern, die Zwillinge erwarteten, erhielten nach einer Furchtwasseruntersuchung die Diagnose, dass eines der beiden Mädchen unter dem Down-Syndrom litt. Auf Ultraschalluntersuchungen kann eine derartige Alteration des Fetus allerdings nicht festgestellt werden.



Das Down-Syndrom oder Trisomie 21stellt eine Genmutation dar, der spezifische körperliche Merkmale zugeordnet sind, aufgrund derer das Syndrom in früheren Zeiten auch „Mongolismus“ genannt wurde. Damit verbunden ist in der Regel eine Beeinträchtigung der kognitiven Fähigkeiten des betroffenen Kindes.

Die Eltern der beiden Zwillinge hatten sich dazu entschlossen, das Baby mit genetischer Anomalie in der 18. Schwangerschaftswoche aufgrund der medizinischen Indikation abzutreiben. Zur Durchführung der Abtreibung stützten sich die Ärzte auf die während der Amniozentese drei Wochen vor dem Eingriff festgestellte Position der Feten. In diesen drei Wochen zwischen der Amniozentese und der Abtreibung jedoch hatten die Feten ihre Lage vertauscht, so dass der gesunde Fetus abgetrieben wurde. Nachdem die Ärzte den Fehler bemerkt hatten, wurde dann auch der vom Down-Syndrom betroffene Fetus getötet.

In seiner Ausgabe vom 27./28. August brandmarkt der „Osservatore Romano“ unter dem Titel „Ihr habt kein Recht!“ das Geschehen dieser selektiven Abtreibung als Tragödie, die einer radikal falschen Praxis entspringe. „Kein Mensch hat das Recht, ein anderes Leben zu beseitigen. Kein Mensch hat das Recht, sich an die Stelle Gottes zu setzen. Aus keinem Grund“, so die Zeitung des Vatikanstaats.

„Ein Meer an Schmerz, an Leid, Ergebnis von Erwägungen, die oft ohne wirksame Hilfe zustande kommen, ohne die notwendige Vertiefung.“ Eltern würden gerade in solchen besonders schwierigen Momenten alleine gelassen.

„Die Eugenik auferlegt ihre Gesetze. Dies ist die Kultur der Perfektion, die es erfordert, all das auszuschließen, was nicht schön, hervorragend, positiv und anziehend ist. Und das, was sich auftut, ist die Leere, die Wüste eines Lebens ohne Sinn, auch wenn es ‚vollkommen‘ zubereitet ist.“

Die Zeitung merkt an, dass diese Ereignisse in Gesundheitswesen, Politik und Kultur Polemik verursacht hätten. Die Ärzte rechtfertigten sich mit dem Verweis auf ein fatales Unglück. Wie dem auch sei: Der „Osservatore“ erinnert daran, dass derartige Eingriffe eines selektiven Fetizids immer mit großen Risiken auch für den verbleibenden Fetus verbunden sind. „Und die Eltern sind sich dessen im Allgemeinen bewusst. Und dennoch akzeptieren sie oft das Risiko.“ Es handle sich dabei um keine Entscheidung, die ohne Schmerzen gefällt werde. Dennoch handle es sich, so die Zeitung weiter, um „eine unrechtmäßige Entscheidung, auch wenn diese wie in Italien vom Gesetz ermöglich wird“.

Gegenüber Aussagen der italienischen Gesundheitsministerin Livia Turco, die die Positivität der Abtreibungsgesetzgebung betonte, die sich auf die freie Entscheidung der Eltern stützt, bringt der „Osservatore“ die Befürchtung zum Ausdruck, dass „eine Politik, die zu sehr von Dummheiten eingenommen ist, dabei endet, … das als Dummheit zu definieren, was zur Verzweifelung bringende Tragödien sind oder zu solchen werden können“.