Seligpreisungen sind die neuen Gebote

Papst Franziskus: die Freiheit des Heiligen Geistes erfordert eine Öffnung des Herzens

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Luca Marcolivio | 410 klicks

Einmal mehr verweilte Papst Franziskus bei der wahren Bedeutung der Freiheit für Christen. Den Ausgangspunkt der Predigt des Papstes im Rahmen der hl. Messe vom Vormittag des 10. Juni 2013 im „Domus Sanktae Marthae“ bildeten die Worte des hl. Paulus aus der ersten Lesung vom Tag (2 Kor 1,1-7). Der Apostel thematisiert darin den „Trost“ für die Christen seiner Zeit, die in einem Klima der Verfolgung zur Evangelisierung aufgerufen waren.

Der Heilige Vater bezeichnete den Trost als die „Gegenwart Gottes in unserem Herzen“, zu dem der Herr nur Zugang habe, wenn ihm die Tür geöffnet werde, d.h., es bedürfe unserer Umkehr. Die Begegnung Jesu und seine Nachfolge impliziere eine „Veränderung des Lebens“ von einer Art, die eine besondere Kraft Gottes erfordere.

Ein Leben „im Trost des Heiligen Geistes“ sei eine der notwendigen Voraussetzungen für das „Heil“, so der Papst anschließend. Ein Leben „in der Tröstung des Geistes der Welt“ führe hingegen unweigerlich zur „Sünde“.

Der Heilige Vater stellte fest, dass ein „Verhandeln“ zwischen dem Heil und der Sünde unmöglich sei. Nicht zufällig erinnere das Evangelium daran, dass man „nicht zwei Herren zugleich dienen kann.“ Die Öffnung für den „Geist des Herrn“ führe uns zu den Seligpreisungen, von denen das Tagesevangelium berichte (vgl. Mt 5,1-12a).

Zu den Seligpreisungen fand Franziskus folgende Worte: „Zu ihrem Verständnis reicht die menschliche Intelligenz allein nicht aus“: Ein „offenes Herz“ für den „Trost des Heiligen Geistes“ sei dazu nötig. Ohne diese geistige Voraussetzung könnten Seligpreisungen als „Unsinn“ erscheinen. Sie seien jedoch die „neuen Gebote“.

Der menschliche Instinkt sei eher dazu geneigt, die Eigenschaften „arm“, „sanftmütig“ und „barmherzig“ als nicht „zum Erfolg“ führende Eigenschaften zu betrachten. Dennoch seien die Seligpreisungen das „Gesetz für jene, die gerettet worden sind und ihr Herz dem Heil geöffnet haben.“ Letztlich handle es sich um das „Gesetz der Freien“ mit der Freiheit des Heiligen Geistes.

Laut dem Papst ist es möglich, sein Leben zu regeln, indem es rein menschlich „nach einem Verzeichnis von Geboten und Verfahrensweisen“ eingerichtet werde. Dies sei jedoch nicht der Weg zum Heil, da dies allein mit einem „offenen Herzen“ zu erlangen sei. Die gegenteilige Haltung, das Verschließen des Herzens, sei jenen Eigen gewesen, die sich auf eine „Überprüfung“ der „neuen Lehre“ Jesu beschränkt hätten, um dann mit ihm zu streiten.

Viele Menschen hätten dem Papst zufolge ein „für das Heil verschlossenes Herz.“ Dies sei ganz einfach auf ihre „Angst vor dem Heil“ an sich zurückzuführen. Dieses Heil hätten wir jedoch alle nötig. Für unsere Rettung müssten wir dem Herrn „alles geben“, auch wenn wir unserem Instinkt nach „selbst kommandieren“ wollen.

Daher sei es von grundlegender Bedeutung, „vom Herrn die Gnade zu erbitten, ihm nachzufolgen“, wobei dies jedoch in der Freiheit des Heiligen Geistes geschehen solle: mit der „menschlichen Freiheit“ allein liefen wir Gefahr, „wie Pharisäer und Sadduzäer zu werden, die mit Jesus stritten.“ Die Heuchelei bestehe gerade darin, „es nicht zuzulassen, dass der Geist das Herz mit seinem Heil ändert.“

Die rein menschliche Freiheit sei daher eine Täuschung, und „nicht mehr als eine Knechtschaft“, so der Papst. Der Herr hingegen schenke uns das höchste und erhabene Paradoxon einer „Knechtschaft, die uns frei macht.“

Der Heilige Vater beendete die hl. Messe mit dem folgenden Gebet: „Bitten wir um die Gnade, unser Herz dem Trost des Heiligen Geistes zu öffnen, damit uns dieser Trost, der das Heil ist, jene Gebote gut verstehen lasse.“

Die Konzelebranten des Papstes bei der hl. Messe waren der Präsident und Sekretär des Dikasteriums Stanisław Kardinal Ryłko und Msgr. Joseph Clemens, sowie der Erzbischof von Tellicherry (Indien) Msgr. George Valiamattam. Zu den Teilnehmern zählte eine Gruppe von Priestern und Mitarbeiter des Päpstlichen Laienrates.