Seligsprechung von Carl Lampert, Märtyrerpriester des Nationalsozialismus

Kardinal Amato leitet Zeremonie in Dornbirn, Österreich

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ROM, 14. November 2011 (ZENIT.org). – Die österreichische Kirche hat einen neuen Seligen: Es ist der Priester und Märtyrer Carl Lampert, ein Opfer der Nazi-Grausamkeiten. Er wurde der Spionage angeklagt, von der SS gefangengenommen und am 13. November 1944 in Halle/Saale enthauptet.

Während des Angelus hatte auch Papst Benedikt am Sonntag an die Figur Lamperts in seinem Gruß an die deutschsprachigen Pilger erinnert. Der Papst zitierte einen für den österreichischen Märtyrer charakteristischen Satz. In einem Verhör, das ihm die Freiheit hätte bringen können, sagte er mit Überzeugung: „Ich liebe meine Kirche. Ich bleibe meiner Kirche treu und auch dem Priestertum. Ich stehe auf der Seite Christi und liebe seine Kirche.“

Carl Lampert wurde am 9. Januar 1894 in Göfis, Vorarlberg, geboren. Er war Student des Seminars in Brixen, wo er 1918 zum Priester geweiht wurde. Nach zwölf Jahren pastoralen Dienstes in Dornbirn wurde er von seinem Bischof nach Rom geschickt, um kanonisches Recht zu studieren. Nach Innsbruck kehrte er im Jahr 1938 zurück, dem Jahr des Anschlusses von Österreich an Nazideutschland. Ein Jahr später übernahm Lampert die Aufgabe des Provikars des Bischofs von Innsbruck.

Nach Ausbruch des Krieges begann der österreichische Priester mutig die Unterdrückung der Kirche durch die Nazis anzuklagen. Es handelte sich dabei um die Annektierung eines Klosters in Innsbruck und um eine Beschwerde der Nuntiatur wegen staatlicher Einmischung in kirchliche Angelegenheiten.

Kurz nach Pater Lampert gab es die Gefangennahme und das Martyrium eines anderen Tiroler Priesters, Otto Neururer ( auch er wurde seliggesprochen, 1996 von Papst Johannes Paul II.). Carl Lampert wurde dreimal verhaftet und anschließend in den Konzentrationslagern Dachau sowie Sachsenhausen interniert, wo er auf der Liste der politisch Gefangenen verzeichnet war.

Im August 1940 erfolgte die Entlassung und die Verbannung des Provikars nach Pommern, wo er ständig vom Nazi-Geheimdienst überwacht wurde. Sein Schicksal wurde durch einen Umzug nach Zinnowitz nahe bei Stettin besiegelt. Die dortige Pfarrei befand sich in unmittelbarer Nähe der Produktionsstätte der V1- und V2-Raketen in Peenemünde, von wo aus es für die SS ein Leichtes war, ihn der antinazistischen Propaganda, die er unter seinen Gemeindemitgliedern verbreitete, anzuklagen.

Er wurde unter dem Vorwurf der Weitergabe aufschlussreicher Informationen rund um die Entwicklung von Waffen auf der Insel Usedom verhaftet und zum Tod durch Enthauptung verurteilt.

Kurz vor seinem Tod schrieb Lampert: „Meine Gedanken gehen hin und her, toben wütend und wollen gleichsam die erbärmliche Schale des Körpers eines elenden Gefangenen brechen. Es ist nicht immer leicht, mit diesen turbulenten Stimmungen voran zu gehen, besonders nicht an bestimmten Tagen der Erinnerung, und das menschliche Herz, verwurzelt und gewachsen mit tausend menschlichen Wurzeln, zittert und blutet immer wie zerrissen.“ Das Urteil wurde am 13. November 1944 vollstreckt.

Die Seligsprechung in Dornbirn erfolgte unter dem Vorsitz von Kardinal Angelo Amato, dem Präfekten der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen.

Zur Förderung des Kultes des neuen Seligen sind Bildtafeln erstellt worden, die ab nächsten September in die wichtigsten Gemeinden Vorarlbergs zur Ausstellung gebracht werden.