Seligsprechung von Rolando Rivi

Erst 14 Jahre alt, wurde der Seminarist im 1945 "aus Hass gegen den Glauben" ermordet

Rom, (ZENIT.org) Federico Cenci | 507 klicks

„Morgen werden wir einen Priester weniger haben.“ Mit diesen von frappierendem Zynismus erfüllten Worten kommentierten die Partisanen die von ihnen ausgeführte Tötung des jungen Seminaristen Rolando Rivi im April 1945. Rolando Rivi war zu diesem Zeitpunkt erst 14 Jahre alt; ein Seminarist am Beginn seines Weges zur ersehnten Priesterschaft und Missionstätigkeit. Dieser Traum fand jedoch in einem Wald des so genannten „Todesdreiecks“ ein jähes Ende, ein während des Zweiten Weltkriegs von der Brutalität der kommunistischen partisanen blutgetränkter Landstrich der Emilia Romagna.

Am 10. April 1945 wurde Rivi von einer Patrouille der Partisanen, die einer Bataillon innerhalb der Abteilung Modena Montagna angehörte, festgenommen und dazu gezwungen, ihnen in ein Gehölz nahe San Valentino zu folgen, jener Fraktion Castellaranos, in der der junge Mann wohnte. Die Eltern erhielten eine Nachricht, in der folgendes zu lesen war: „Sucht ihn nicht. Wir Partisanen haben ihn für kurze Zeit mitgenommen.“ Erst vier Tage später wurde die Leiche Rolando Rivis von seinem Vater Roberto Rivi und Don Alberto Camellini, dem Pfarrer von San Valentino, in einem entsetzlichen Zustand aufgefunden: Das Gesicht des Seminaristen war mit blauen Flecken übersät, sein Oberkörper zeigte die Spuren brutaler Gewalt und zwei Schusswunden an der linken Schläfe und auf der Höhe des Herzens ließen die Todesursache erkennen.

Sein Mut zur Zugehörigkeit zum Herrn hatte dem jungen Mann das Leben gekostet. Den vielen Angehörigen, die ihm angesichts des abgrundtiefen antiklerikalen Hasses der Partisanen dazu aufgerufen hatten, die Robe aus Sicherheitsgründen abzulegen, hatte Rolando Rivi folgendermaßen geantwortet: „Ich kann und darf mein Gewand nicht ablegen. Ich habe keine Angst und trage es mit Stolz. Ich kann mich nicht verstecken, denn ich gehöre dem Herrn.“ Daher wurde ihm das Kleidungsstück vom Leib gerissen und als Kriegstrophäe einer Schar erbarmungsloser Vollstrecker einer atheistischen und blutrünstigen Ideologie zur Schau gestellt.

Diese mit Grausamkeit und Feigheit verschaffte Genugtuung war jedoch nicht von Bestand. War das Ziel der Verbrecher die Auslöschung des Glaubens und der Erinnerung an die vielen ermordeten Männer Gottes aus dem Volk, so lässt sich feststellen, dass dieser törichte Plan erbärmlich scheiterte.

Dies belegt der Ruhm der Heiligkeit des jungen Rivi, der zunächst an seinem Todesort entstand und im Laufe der Jahre ein derartiges Wachstum erfuhr, dass er über die Grenzen Italiens hinausgelangte. Der erste Antrag für die Einleitung des Seligsprechungsprozesses wurde 1989 gestellt, im Jahr des Falls der Berliner Mauer. Im Jahre 2001 verbreitete sich die Nachricht von einem der Fürsprache Rolando Rivis zugeschriebenen Wunder. In diesem Jahr wurde ein englisches Kind namens James auf unerklärliche Weise von einer schweren Form der Leukämie geheilt, nachdem seine Eltern eine Reliquie von Rolando Rivi unter das Kopfkissen gelegt hatten. Dabei handelte es sich um mit dem Blut des Martyriums getränkte Haarsträhnen, die ein Freund der Familie des Kindes über Pater Giovanni Battista Colusso, den Pfarrer von San Valentino, dem Aufbewahrungsort der sterblichen Überreste des Seminaristen, erhalten hatte.

Am 4. April 2001, wenige Tage vor dem Jahrestag des Martyriums von Ronaldo Rivi, attestierten die Ärzte dem kleinen James die Symptomfreiheit von der Leukämie. Im Jahre 2006 wurde eine Reihe von Rivi zugeschriebenen Heilungen von der Kirche als Wunder anerkannt und der Seligsprechungsprozess eingeleitet. Ferner anerkannte Papst Franziskus am vergangenen 27. März die Ermordung Rolando Rivis als Martyrium, d.h., als „aus Hass gegen den Glauben“ verübtes Verbrechen. Daher wurde der 5. Oktober als Tag der Heiligsprechung Rolando Rivis angesetzt.

Die für 16.00 Uhr im „Palazzetto dello Sport“ in Modena vorgesehene Feier steht nun unmittelbar bevor, und die Vorbereitungen sind an ihrem Höhepunkt angelangt. Aufgrund des erwarteten großen Zustroms von Gläubigen in die Stadt der „Ghirlandina“[1] wurde die Anbringung von Großbildschirmen und mehr als 6.000 Stühlen außerhalb des Gebäudes beschossen. Nach der Seligsprechung wird die Urne mit den sterblichen Überresten Rolandos von der Krypta der Kirche „Pieve di San Valentino“ in den Bereich unterhalb des Altares überführt werden. Dies wird den in großer Zahl für einen letzten Gruß und ein Gebet für den aus Glaubenshass ermordeten jungen Seminaristen zuströmenden Gläubigen dessen Identifizierung erleichtern. Zu diesem Anlass wird in einer Räumlichkeit nahe der Kirche ein Museum im Gedenken an Ronaldo Rivi eröffnet werden, um den zahlreichen Pilgern ein tieferes Verständnis dessen Glaubenszeugnisses zu ermöglichen.

Dieses Glaubenszeugnisses führte beinahe 70 Jahre nach seinem Tod zur Aufnahme Ronaldo Rivis in den himmlischen Kreis der Seligen in Christus. Ewig währt sein Friede, so wie die Erinnerung seiner Kirche.

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FUSSNOTE

[1] Der Glockenturm am Dom von Modena, dem Wahrzeichen der Stadt