SENEGAL: „Von Marx zu Moses“

Die Kirche in Afrika ist jung und lebendig

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WIEN, 8. Oktober 2009 (ZENIT.org).- Jedes Jahr wählt Missio ein Beispielland aus, um der Weltkirche ein konkretes Gesicht zu geben. In den kommenden Tagen bis zum Weltmissions-Sonntag am 18.10. touren die Missio-Gäste Frère Thomas Pickandieu Gomis und sein Mitbruder Frère Stanislas Diouf aus dem auch für seine außergewöhnliche Musik berühmten Kloster Keur Moussa aus dem Senegal durch Österreich. Sie besuchen Schulen und Pfarrgemeinden, um Einblicke in die Gesellschaft und Kirche ihres Landes zu geben.

Das Kloster Keur Moussa liegt nur 50 km von Dakar entfernt und ist ein Anziehungspunkt für tausende Gäste. Neben christlichen Pilgern zieht das Kloster auch zahlreiche Muslime an und auch für Staatsgäste ist der Besuch von Keur Moussa ein Fixpunkt. Die Kirche ist im Senegal in einer Minderheitensituation. An die 90 Prozent der Bevölkerung sind Muslime, nur sieben Prozent Christen. Das gute Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen im Land, das „Modell Senegal“, hat Vorbildcharakter.

Eine Berufung mit Vorgeschichte

Es war nicht immer abzusehen, dass Thomas Pickandieu Gomis eines Tages Mönch sein würde: Er wuchs zwar in einer gläubigen Familie auf, doch nach seiner Firmung begann er sich für Philosophie zu interessieren und beschäftigte sich intensiv mit Karl Marx. In Folge rebellierte er gegen alles, was mit dem Glauben zu tun hatte. Fr. Thomas: „Nach meiner Firmung entfernte ich mich immer mehr von der Kirche bis ich schließlich meinen Glauben an Gott verlor. Ich bin de facto Atheist geworden, führte ein chaotisches Leben und begeisterte mich für kirchenfeindliche Philosophien. Karl Marx schreibt ja ‚Religion ist Opium für das Volk’. Es war eine ‚Begegnung mit Jesus’, die mich zum Glauben zurückführte. Ich sah, dass ich mich ändern musste. Das war der Beginn eines religiösen Abenteuers, das mich schließlich nach Keur Moussa (Haus des Moses) führte und Mönch werden ließ!“

Ein katholischer Ort des Friedens in einem muslimischen Land

Frère Stanislas Diouf wuchs ebenfalls in einer gläubigen Familie auf und trat im Alter von 18 Jahren ins Kloster ein, weil er die Spiritualität der Mönche sehr verlockend und anziehend fand. Fr. Stanislas: „Ihr Lebensstil war in Schwarzafrika relativ neu und schien mir auch ziemlich streng und gegen den Hintergrund meines bisherigen sozialen Umfelds ein wenig fremd.  Hinter diesem äußerlichen Erscheinungsbild fand ich im Kloster aber ein wirklich familiäres Leben.“

Die Benediktinermönche von Keur Moussa sind kontemplativ und ihre Arbeit dient im Wesentlichen zum Erhalt des Klosters. Fr. Stanislas: „Angesichts der kulturellen und sozialen Gegebenheiten in Afrika und im Senegal könnte man sich fragen, ob ein Klosterleben nicht ungewöhnlich ist. Der Nutzen, den Mönche für unsere afrikanischen Gesellschaften haben, ist aber leicht erkennbar, auch für Nichtchristen. Die Großzügigkeit der Gläubigen gegenüber den Klöstern ist ein Zeichen dafür, ebenso wie der Respekt, den Nichtchristen uns zollen. Sie sehen in den Klöstern Orte und Quellen des Friedens für alle und vorbildliche Zentren der Kultur und der Entwicklung.“

Gelungene Inkulturation

Monsignore Dr. Leo-M. Maasburg, Nationaldirektor von Missio und langjähriger Begleiter von Mutter Teresa: „Die Mönche von Keur Moussa sind ein großartiges Beispiel für eine gelungene Inkulturation. Sie zeigen, dass das Christentum in der afrikanischen Kultur Fuß gefasst hat. Die Kirche im Sengal ist jung und lebendig und ein Zeichen der Hoffnung für Afrika. Ihr Missionszeugnis sollte uns Christen in Europa ermutigen, die Botschaft Christi neu in die Welt hinaus zu tragen!“

Traditionelle senegalesische Musik und gregorianischer Choral

Die senegalesische Abtei Keur Moussa wurde 1963 von der französischen Abtei Solesmes gegründet. Neun französische Mönche bildeten die Gründergemeinschaft. Heute besteht der Konvent aus 46 Mönchen, davon zehn Franzosen und 34 Afrikaner aus verschiedenen Ländern. Weltweit bekannt sind die Benediktiner von Keur Moussa durch ihre unverwechselbaren Gesänge, eine spannende Mischung aus Gregorianischem Choral und traditionellen senegalesischen Melodien und Instrumenten wie der Kora, der „afrikanischen Harfe“. Die aus 21 Saiten bestehende Kora hat als Klangkörper eine Kalebasse, über die mittels Lederringen eine Kuhhaut gespannt ist. Die Töne erinnern an die Musik des Mittelalters. Sie harmonisieren perfekt mit dem Gregorianischen Gesang. Die Mönche von Keur Moussa haben die Kora technisch weiterentwickelt. Heute kommt dieses Instrument dank dieser Neuerungen in verschiedenen Musikrichtungen zum Einsatz.

Informationen zum Weltmissions-Sonntag

Der Weltmissions-Sonntag ist die größte Solidaritätsaktion der Welt. An diesem Tag wird weltweit in allen Pfarrkirchen für die Bedürftigen gebetet und gesammelt. Mehr als 1 Milliarde Katholiken unterstützen gemeinsam die Allerärmsten. Die „Missio-Sammlung“ am Weltmissions-Sonntag sichert die materielle Grundversorgung und die Existenz der 1.100 ärmsten Diözesen. Sie stellt der Kirche vor Ort die nötigsten Mittel für ihre pastoralen und sozialen Aufgaben zur Verfügung. Sie macht die Gemeinschaft der Weltkirche deutlich und sorgt für eine gerechte Verteilung der finanziellen Mittel.

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