Sexueller Missbrauch an Minderjährigen ist immer ein abscheuliches Verbrechen

Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Bischofskonferenz: Ich bin zutiefst erschüttert

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FREIBURG, 23. Februar 2010 (ZENIT.org/dbk.de).- Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Bischofskonferenz, fand klare Worte: "Ich entschuldige mich im Namen der katholischen Kirche in Deutschland bei allen, die Opfer eines solchen Verbrechens geworden sind", sagte Zollitsch zum Auftakt der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischöfe in Freiburg, die gestern abend eröffnet wurde. "Wo immer nämlich ein Verdacht vorliegt, muss es eine lückenlose und absolut transparente Aufklärung geben," hatte er schon im Vorfeld des Treffens vor der Presse gefordert und versichert: "Mir ist das Thema so wichtig, dass ich unseren Papst Benedikt XVI. bei meinem Besuch im März von mir aus darauf ansprechen werde".

"Über die bekannt gewordenen Missbrauchsfälle bin ich zutiefst erschüttert. Sofort nach Bekanntwerden haben wir darauf reagiert", erklärte Zollitsch am Nachmittag vor Presevertretern.

"In aller Deutlichkeit unterstreiche ich: Sexueller Missbrauch an Minderjährigen ist immer ein abscheuliches Verbrechen. Ich mache mir diese Formulierung von Papst Benedikt aus tiefer Überzeugung zu eigen und entschuldige mich bei allen, die Opfer eines solchen Verbrechens wurden. Im Raum der Kirche wiegt der Missbrauch besonders schwer, weil es ein besonderes Vertrauen von Kindern und Jugendlichen in den Priester gibt. Es darf keinen Missbrauch geben - schon gar nicht im Raum der Kirche".

"Wir haben vor acht Jahren einen guten und entscheidenden Schritt nach vorne getan und Leitlinien zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger geschaffen. Wo immer nämlich ein Verdacht vorliegt, muss es eine lückenlose und absolut transparente Aufklärung geben".

"Ich begrüße, dass sich der Jesuitenorden seiner Verantwortung stellt und Konsequenzen aus den Verfehlungen einiger Patres zieht. Wir deutschen Bischöfe drängen darauf, dass die früheren und teils lange zurückliegenden wie natürlich alle neueren Fälle sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen aufgeklärt werden. Wir halten die Leitlinien von 2002 für unverändert wichtig. Sie stellen die Grundlage unseres Handelns dar. Diese Leitlinien bringen vor allem - und das ist wichtig - die Sorge um die Opfer zur Geltung".

Die Leitlinien hätten sich bewährt, so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. "Sie weisen uns selbst den Weg, wie wir Mitverantwortung übernehmen können", unterstrich der Freiburger Oberhirte. "Dabei wünschen wir, dass die staatlichen Behörden so schnell wie möglich eingeschaltet werden und die Staatsanwaltschaften alle möglichen Einblick erhalten. Ich betone das, weil es hierzu Falschmeldungen gab".


Was das Thementableau bei der Frühjahrskonferenz der Bischöfe anging, so würde man "die Leitlinien überprüfen und über mögliche Änderungen sprechen. Wir werden auch über Fragen der Prävention sprechen. Unsere künftigen Priester müssen menschlich und damit auch in sexueller Hinsicht über die Eignung und nötige Reife für ihr Amt verfügen", so der Erzbischof.

"Dasselbe gilt für alle pastoralen und pädagogischen Mitarbeiter. Außerdem wollen wir uns darüber unterhalten, wie wir in dieser schwierigen Lage den katholischen Schulen zur Wahrung des Ansehens verhelfen können".

Priorität hat für Zollitsch die Prävention: "Wir brauchen in unserer Gesellschaft - und das gilt für uns selbst ganz besonders - eine Kultur des aufmerksamen Hinschauens. Wir müssen wachsam sein, für das, was im Verborgenen passiert. Und wir müssen den Mut haben, Unrecht sofort beim Namen zu nennen, da wo es passiert".

"Ich gehe davon aus, dass die Bischofskonferenz zu diesem Thema am Donnerstag eine Erklärung abgibt, über die ich Sie dann in der Abschlusspressekonferenz informiere".

(AR)