Sich der Kultur des Wohlstandes entledigen

Papst-Predigt im päpstlichen Gästehaus "Domus Sanctae Marthae"

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 684 klicks

Wohlstand, Reiz und Reichtum. Diese Begriffe übten im täglichen Leben eine derartige Anziehungskraft aus, dass sie als Werte gälten. Im christlichen Leben seien sie jedoch ein Hindernis für die Erfüllung des fundamentalen Auftrags der Nachfolge Jesu Christi. Die Worte der gestrigen Predigt von Papst Franziskus bereichern die vor mehr als zwei Monaten begonnene Katechese im päpstlichen Gästehaus um einen neuen Gedanken: die Identifizierung dessen, was uns an der Nachfolge Jesu hindert, und die Befreiung von diesen Hindernissen. Dazu zählen vor allem die „Kultur des Wohlstandes“ und der „Reiz des Provisorischen“.

Diese beiden Begriffe bildeten den Kern der gestern Vormittag gehaltenen Predigt des Heiligen Vaters. An dem Gottesdienst, bei dem der Erzbischof von Lyon, Philippe Kardinal Barbarin, konzelebrierte, nahmen unter anderem eine Gruppe von Mitarbeitern des Päpstlichen Rates für die Pastoral im Krankendienst unter der Leitung des Präsidenten, Erzbischof Zygmunt Zimowski, und eine weitere Gruppe von Mitarbeitern des Amtes für wirtschaftliche Dienste des Governatorates der Vatikanstadt teil.

Der Papst nahm eine Betrachtung zum Evangelium des Tages vor. Darin fordert Jesus einen jungen Mann auf der Suche nach dem ewigen Leben dazu auf, all seine Reichtümer hinter sich zu lassen und ihm nachzufolgen. An späterer Stelle wirsteht im Markusevangelium dazu Folgendes: „Der Mann aber war betrübt, als er das hörte, und ging traurig weg“ (Mk 10, 17-27). Papst Franziskus kommentierte diesen Umstand mit den Worten Christi zu seinen Jüngern: „Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen!“ Er fügte hinzu: „Reichtümer sind ein Hindernis, die den Weg in das Reich Gottes nicht einfach machen.“

Laut dem Heiligen Vater handle es sich dabei nicht nur um materielle Güter: „Jeder von uns hat seine eigenen Reichtümer; etwas, das uns daran hindert, uns Jesus zu nähern.“ Vor diesem Hintergrund betonte der Papst die Notwendigkeit einer Gewissenserforschung bezüglich der persönlichen Reichtümer, da diese daran hinderten, Jesus auf dem Weg des Lebens nahe zu kommen.

Papst Franziskus wies in diesem Zusammenhang insbesondere auf zwei „zivilisatorische Reichtümer“ hin. Beim ersten handle es sich um die „Kultur des Wohlstandes“, die betäube und zu mangelndem Mut, Trägheit und Egoismus führe. Diese Eigenschaften seien wiederum der Nährboden für Überlegungen wie: „Nein, nein, nicht mehr als ein Kind! Denn dann können wir nicht mehr auf Urlaub fahren, dann können wir nicht da und dort hingehen, dann können wir uns kein Haus kaufen. Es ist in Ordnung dem Herrn zu folgen, aber nur bis zu einem gewissen Punkt.“

Dazu bemerkt Franziskus: „Dazu führt der Wohlstand. Wir alle wissen, wie der Wohlstand ist, doch das wirft uns nach unten, es nimmt uns jenen Mut, jenen starken Mut, um uns Jesus anzunähern.“

Anschließend ging der Heilige Vater zum „Reiz des Provisorischen“ über. Diesen bezeichnete er als „weiteren Reichtum unserer Kultur“ und betonte, dass alle Menschen in ihn „verliebt“ seien, während sie vor Gottes „endgültigen Vorschlägen“ Angst hätten.

Papst Franziskus stellte daraufhin folgende Frage in den Raum: „Warum ist er der Herr der Zeit und wir die Herren des Augenblicks?“ Er beantwortete sie folgendermaßen: „Weil wir im Augenblick Herren sind: Bis hierhin folge ich dem Herrn, dann werde ich sehen. Ich habe von einem gehört, der Priester werden wollte, aber nur für zehn Jahre, nicht länger.... Wie viele Paare, wie viele Paare heiraten, ohne dies zu sagen, doch mit der Einschränkung im Herzen: ‚solange die Liebe dauert, dann werden wir sehen‘….“

Christen seien jedoch nicht so. Sie seien „Herren der Zeit“, so der Papst. „Ich denke an die vielen Männer und Frauen, die ihr Land verlassen haben, um ihr ganzes Leben lang als Missionare zu wirken. Ebenso denke ich an viele Männer und Frauen, die ihr Zuhause verlassen haben, um eine Ehe für das Leben einzugehen. Das heißt es, Jesus aus der Nähe nachzufolgen! Das ist endgültig!“

Den „Reiz des Provisorischen“ und die „Kultur des Wohlstandes“ bezeichnete der Papst daher als die beiden Hindernisse, die „das Vorankommen gegenwärtig behindern.“ Auch die Jünger hätten sich mit der Einladung Jesu konfrontiert gesehen, diese beiden kulturellen Reichtümer aufzugeben. Ebenso wie die Menschen heute seien auch sie aufgrund der Rede Jesu „bestürzt und von noch größerer Verwunderung erfüllt“ gewesen.

Abschließend wandte sich der Papst mit folgender Bitte an den Herrn: „ Gib uns den Mut, voranzugehen und uns dieser Wohlstandskultur zu entledigen; in der wahren Hoffnung auf die Zeit, da er uns am Ende des Weges erwartet; nicht in der kleinen Hoffnung des Augenblicks, der nichts mehr nützt.“