Simbabwe: Kirche wird als einzige Hilfe gesehen

Cholera, Hungersnot und Aids quälen die Bevölkerung

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HARARE, 5. März 2009 (ZENIT.org).- Im krisengeschüttelten Simbabwe sei die katholische Kirche der einzige Ansprechpartner für die Bevölkerung, erklärt der dortige Apostolische Nuntius, Erzbischof George Kocherry: „Simbabwe befindet sich in einem kritischen Zustand. Mittlerweile weiß die ganze Welt über unsere Situation Bescheid. Die öffentlichen Spitäler gehen zugrunde. Die einzigen Gesundheitsstrukturen, die in der Lage sind, Kranke und ihre Familien zu unterstützen, werden von Missionaren und Ordensfrauen geleitet."

Seit August 2008 breitet sich in Simbabwe eine Choleraepidemie aus, die am 4. Dezember 2008 zur Ausrufung des nationalen Notstands führte. Insgesamt forderte die Cholera bereits 75.000 Opfer. Das Fehlen von Medikamenten zur Senkung der Viren-Vermehrung verschlimmert auch die Beschwerden von Aids. Simbabwe ist eines der Länder mit der weltweit höchsten HIV-Infektionsrate - zwischen 24 und 35 Prozent der 12,7 Millionen Einwohner sind HIV-positiv. Darüber hinaus droht die Hälfte der Bevölkerung an der Hungersnot zu sterben. Gesundheits- und Schuleinrichtungen brachen zusammen, berichtet der Nuntius; Ärzte, Krankenschwestern und Lehrer werden schon seit Monaten nicht mehr für ihre berufliche Tätigkeit bezahlt.

In der jetzigen Situation ist die Kirche laut Erzbischof Kocherry die einzige Hilfe für Millionen von Menschen. Die Apostolische Nuntiatur arbeitet mit der Caritas zusammen, um Nahrungsmittel über Kirchengemeinden an Familien zu bringen. „Der Papst schickte 80.000 Dollar als Geste väterlicher Verbundenheit an die leidende Bevölkerung."

Ein Hilfsprojekt wurde auch in Kenia von der jesuitischen Schule für Theologie von Nairobi gestartet. An sieben aufeinander folgenden Freitagen wird in der Kapelle des Nairobi College eine Gebetsvigil stattfinden, in der Kerzen angezündet und Spenden für Simbabwe gesammelt werden. „Wir hoffen, für jede angezündete Kerze einen US-Dollar zu bekommen", berichtet ein Organisator. Die Kampagne verfolge drei Ziele: Aufmerksamkeit für die Situation der Bürger Simbabwes zu wecken, Solidarität mit der leidenden Bevölkerung auszudrücken und mit Spenden für lokale Behörden und humanitäre Organisationen beim Wiederaufbau des Landes zu helfen.

Die Internationale Gemeinschaft gibt sich zurzeit noch abwartend und beobachtet die Regierung. Zahlreiche Wirtschaftsprobleme hängen mit der Politik von Präsident Robert Mugabe zusammen. Die chaotische Enteignung der weißen Landbesitzer im Zuge der Landreform machte die Landarbeiter, die ohnehin zu den ärmsten Bevölkerungsgruppen zählten, zu Arbeitslosen. Mitglieder der Oppositionsparteien wurden zunehmend eingeschüchtert und getötet. Als das oppositionelle Movement for Democratic Change (MDC) an Popularität gewann, errichtete Mugabe eine Diktatur; Justiz und Medien wurden gleichgeschaltet. Mugabes Missachtung der internationalen Kritik führte zur Isolierung des Regimes, was die Wirtschaft Simbabwes an den Rand des Zusammenbruchs brachte.

Bei den Präsidentschaftswahlen am 29. März 2008 konnten laut offiziellen Wahlergebnissen weder  Präsident Mugabe noch Oppositionsführer Morgan Richard Tsvangirai von der MDC eine absolute Mehrheit erlangen. Im September 2008 einigten sich die beiden verfeindeten Politiker auf eine Machtteilung. Am 11. Februar 2009 wurde Tsvangirai als Ministerpräsident vereidigt. Das Land befindet sich seit den Wahlen noch immer in Unruhe. Die Internationale Gemeinschaft wartet ab, wie erfolgreich die beiden Politiker vorankommen.