Simbabwe leidet unter der schlimmsten Hungersnot seit zehn Jahren

Caritas Internationalis fordert Soforthilfe der Internationalen Gemeinschaft

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ROM, 8. November 2007 (ZENIT.org).- Simbabwe wird von der schlimmsten Hungersnot seit zehn Jahren heimgesucht: Mehr als vier Millionen Einwohner, rund ein Drittel der Gesamtbevölkerung, stehen vor dem Nichts. Caritas Internationalis hat angesichts der dramatischen Situation an die internationale Gemeinschaft appelliert, sofortige Hilfsmaßnahmen einzuleiten. Zugleich ist eine große Spendenkampagne angelaufen.



Die politische Situation in Simbabwe ist angespannt, die Menschen leben in bitterster Armut. Erwachsene und Kinder leben auf der Straße und sind durch Krankheiten geschwächt. Viele von ihnen leiden an Aids. Nahrungsmittel wie Mais, Brot, Zucker und Öl sind kaum mehr erhältlich. Die Gründe dafür sind nach Angaben des in Rom ansässigen Caritas-Dachverbands vielfältig. Ungünstige klimatische Verhältnisse sollen demnach genauso dazu beigetragen haben wie die umstrittene Landreform von Präsident Robert Mugabe.

Nach ersten Einschätzungen wird Simbabwe mindestens ein weiteres Jahr lang auf Nahrungsmittellieferungen angewiesen sein. Wie die Engländerin Lesley Anne Knight (51), Generalsekretärin des internationalen Caritas-Dachverbands, ankündigte, werden bis April 2008 rund 100.000 Bedürftige in Simbabwe mit Lebensmitteln versorgt werden. Entwicklungsprogramme in der Landwirtschaft sollen dazu beitragen, rund 16.500 Familien mit ausreichendem Wasser und neuen Samen zu versorgen.

Die Zahl derer, die angesichts der katastrophalen Zukunftsperspektiven auswandern, sei sehr hoch, erklärte Knight. Die Entscheidung von Präsident Mugabe, sämtliche weiße Farmer aus dem Land zu vertreiben, habe zu einer Flucht von Kapital und fachlich hoch qualifizierten Arbeitskräften ins Ausland geführt. Die Arbeitslosenrate liege gegenwärtig bei 80 Prozent, die Inflationsrate bei 8000 Prozent.

Die unsichere politische Lage hat das Land an den Rand des Abgrunds geführt. Grundnahrungsmittel wie Maismehl, Zucker und Öl sind Mangelware und überteuert. 30 Prozent aller Kinder bis zum fünften Lebensjahr sind unterernährt. Auch die Gesundheitsversorgung ist nach Angaben von Caritas Internationalis unzureichend: 20 Prozent der Bevölkerung zwischen 19 und 29 Jahren leiden an Aids/HIV, Waisenkindern begegnet man auf Schritt und Tritt. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung beträgt mittlerweile 40 Jahre.

Caritas besteht darauf, dass seitens der Regierung Mugabes eine gerechte Verteilung der Hilfsgüter garantiert wird, um der Bevölkerung tatsächlich wieder ein menschenwürdigeres Leben zu ermöglichen. Ebenso sei die Umsetzung notwendiger politischer Reformen notwendig, damit Simbabwe, das für seine großen Maisernten bekannt war, in den kommenden Jahren wieder in der Lage ist, die eigene Bevölkerung selbst zu ernähren und ihre Zukunft neu zu gestalten.

Von den rund 15 Millionen Einwohnern Simbabwes sind neun Prozent Katholiken, während sich 15 Prozent zu anderen christlichen Konfessionen bekennen. 76 Prozent der Gesamtbevölkerung gehören traditionellen afrikanischen Religionen an.

Caritas Internationalis ist der Dachverband von mehr als 150 nationalen Caritas-Teilorganisationen, die sich in nahezu 200 Ländern und Regionen dieser Erde in der Katastrophenhilfe, der Entwicklungshilfe und in sozialen Projekten engagieren. Die erste Caritas-Organisation wurde 1897 im deutschen Freiburg gegründet. In der Folge entstanden weitere nationale Caritas-Organisationen in der Schweiz (1901), in Österreich (1903) und in den USA (Catholic Charities, 1910). Die Caritas ist somit das größte humanitäre Netzwerk der Welt.