Simbabwe: Priester glaubt an baldigen Regierungswechsel

Jeder ist gefordert, sich am Wiederaufbau zu beteiligen

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KÖNIGSTEIN, 28. September 2007 (ZENIT.org).- Ein Priester aus Simbabwe, dessen Name aus Sicherheitsgründen nicht genannt wird, hat gegenüber dem internationalen katholischen Hilfswerk Kirche in Not erklärt, er glaube an einen baldigen Regierungswechsel in Simbabwe. Auch die Anhänger von Präsident Mugabe hätten „die Nase voll“ von der Situation. Das System werde seiner Meinung nach auf die Dauer „implodieren“.



Den Konflikt zwischen dem Präsidenten und dem ehemaligen Erzbischof von Bulawayo, Pius Ncube, betrachtet der Geistliche als „eine Art Stammeskrieg“. Der Präsident gehöre einem Stamm an, der traditionell mit dem Stamm, dem Ncube angehöre, verfeindet sei. Es sei „ein bisschen so wie mit Kain und Abel“. Der Präsident sei zudem stark beeinflusst von der afrikanischen Auffassung, dass der „Stammeshäuptling der Chef ist, den jeder, aber auch wirklich jeder zu respektieren“ habe.

Wer Präsident Mugabe kritisiere, lande im Gefängnis. Kritiker würden niedergeknüppelt, ihre Häuser in Brand gesetzt. Der Priester bewundert Ncube für das, was er für das Volk getan habe. Die Kirche sei noch immer die einzige unabhängige Stimme im Land.

Trotz der dramatischen Lage in Simbabwe äußerte der Priester die Überzeugung, dass man nicht nur das momentane politische Geschehen in den Blick nehmen müsse, sondern auch die allgemeine Situation der Kirche und der Gesellschaft. „In einigen Jahren wird das alles vergessen sein. Auch der Präsident wird vergessen werden, und schließlich kann er nicht ewig auf dieser Welt leben.“ Dann müsse das Land wiederaufgebaut werden.

Es dürfe „nicht alles den Politikern überlassen“ werden, denn für den spirituellen Wiederaufbau des Landes sei die Kirche verantwortlich. Es gebe zahlreiche drängende Probleme, die eine Lösung erforderten, und es genüge nicht, „mit dem Finger auf die Politiker zu zeigen“. Vielmehr müsse jeder bei sich selbst anfangen, betonte der Priester.

Ein drängendes Problem für die Kirche im Lande bestehe in der Ausbreitung von Sekten, die „ein Evangelium des Erfolgs“ predigten und schnelle Wunder versprächen. Die Botschaft vom Kreuz sei etwas, was viele nicht hören wollten, und oft bedürfe es lediglich einer geringen Überzeugungsarbeit, um Menschen mit den einfachen Heilsbotschaften zu gewinnen.

Viele Sektengründer hätten jedoch vor allem drei Ziele: Geld, Macht und Sex. Die Kirche stehe vor der Herausforderung, die Menschen zu evangelisieren und ihren Glauben zu stärken. Dazu werde beispielsweise ein Katechismus benötigt, der auch speziell afrikanische Probleme wie beispielsweise Magie behandle. Diesbezüglich erklärte der Priester: „Die afrikanischen Kulturen haben viel Positives, aber wir sollten sie nicht romantisieren. Das Leben ist dieser Weltanschauung zufolge voll von dämonischen Einflüssen. Das Evangelium bringt den Menschen eine wahre Befreiung.“

Ein weiteres Problem besteht nach Worten des Geistlichen in dem weit verbreiteten Alkoholismus. Darin liege die Ursache für zahlreiche andere Probleme wie beispielsweise Armut, Aids und Konflikte in der Gesellschaft. Er erkläre sich die hohe Alkoholabhängigkeit durch die traditionelle Erziehung der Söhne in den Familien. Die Töchter müssten von Anfang an hart arbeiten, während die Jungen ein Leben führten, das an „immerwährende Ferien“ erinnere. Sie hätten das Gefühl, der „Boss“ zu sein. Wüchsen sie jedoch heran, so trete oft eine Krise ein. Dann komme den Jungen alles langweilig vor, und sie fingen mit dem Trinken an. Damit gehe auch die Aufnahme von sexuellen Kontakten einher, so dass sich Aids ausbreite. Auch in der Ehe seien die meisten Männer untreu. Manche Ehefrauen müssten sich prostituieren, um ihre Kinder zu ernähren, wenn „der Mann das Geld nicht nach Hause bringt, sondern es in eine Bar trägt“. Es sei eine große Herausforderung für die Kirche, sich insbesondere für die christliche Ehe einzusetzen.

Für die Zeit nach dem Mugabe-Regime wünscht sich der Geistliche ein großes Treffen aller Kirchenvertreter Simbabwes, um die Zukunft des Landes zu besprechen und Lösungen für die Probleme zu finden, mit denen die Kirche sich konfrontiert sehe. Es gebe jedoch nicht nur Schwierigkeiten in Simbabwe, sondern die Kirche sei „sehr lebendig“ und die Menschen könnten „noch immer lächeln“. Für die geistliche Zukunft des Landes setzt der Priester besonders auf eine Stärkung der neuen geistlichen Bewegungen. Auch eine verstärkte Verbreitung von Marienwallfahrten, wie sie bereits in mehreren Diözesen bestehen, ist in seinen Augen wünschenswert.

Von den rund 15 Millionen Einwohnern Simbabwes sind neun Prozent Katholiken, während sich fünfzehn Prozent zu anderen christlichen Konfessionen bekennen. 76 Prozent der Bevölkerung gehören traditionellen afrikanischen Religionen an.