Sind die Christen zu leise? Papst Benedikt beendet Gebetswoche für die Einheit der Christen 2007

Das Hören auf das Wort Gottes hat Vorrang

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ROM, 26. Januar 2007 (ZENIT.org).- Mit der Feier der Vesper am Grab des heiligen Paulus beschloss Benedikt XVI. am Donnerstagnachmittag in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern die diesjährige Weltgebetswoche für die Einheit der Christen. Hochrangige Vertreter von anderen christlichen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften nahmen am Vespergottesdienst teil.



Der Heilige Vater erinnerte die Anwesenden in seiner Predigt daran, dass das Motto der Gebetswoche – „Er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen!“ (Mk 7,37) – von südafrikanischen christlichen Gemeinschaften vorgeschlagen worden sei, die durch Ausbeutung, Rassismus und Armut zum Schweigen verurteilt seien und deshalb den großen Wunsch verspürten, das Wort Gottes zu hören und mutig das Wort zu ergreifen.

Der Papst verwies darauf, dass „taubstumm sein“ gerade ein Zeichen fehlender Gemeinschaft und ein Symptom für Trennung sei. Trennung und die Unfähigkeit zu kommunizieren sind nach Worten des Bischofs von Rom „Folgen der Sünde“ und stehen im Gegensatz zum Willen Gottes. „Sprechen“ und „Hinhören“ dagegen seien grundsätzliche Voraussetzungen dafür, „eine Zivilisation der Liebe“ zu errichten.

Die Heilung des Taubstummen durch Jesus vollziehe sich an einem emblematischen Ort, der gerade für uns heute von Bedeutung sei; sie geschehe nämlich in einem „multiethnischen und multireligiösen Gebiet“, so der Papst.

Die erste Lehre, die der Heilige Vater aus dieser biblischen Erzählung zog, ist, dass das Hinhören in einer christlichen Perspektive von besonderer Bedeutung ist. Das Evangelium lehre die Notwenigkeit des Hörens des Wortes Gottes. Gerade dies sei „von herausragender Bedeutung für unseren ökumenischen Einsatz: Nicht wir sind es, die die Einheit der Kirche schaffen und organisieren.“ Die Kirche mache sich nicht selbst, sondern lebe aus dem Wort, „das aus dem Mund Gottes“ komme.

Benedikt XVI. rief die Christen aller Konfessionen dazu auf, das Wort Gottes gemeinsam zu hören: „Lassen wir uns von der Neuheit des Wortes Gottes überraschen“; dieses erschöpfe sich nie und werde auch niemals alt. Wir müssten, so der Papst, „unsere Taubheit für jene Worte überwinden, die nicht mit unseren Vorurteilen und unseren Meinungen übereinstimmen“. Wir müssten lernen, „auch auf diejenigen zu hören und sie zu studieren, die das Wort Gottes vor uns gehört haben, um von ihnen zu lernen und so die Bibel in dieser langen und reichen Tradition des Hinhörens zu lesen“. Dies sei der Weg, um die Einheit im Glauben zu erreichen, „als Antwort auf das Hören des Wortes“.

Das Wort Gottes treibe denjenigen, der es höre, dazu an, es an die anderen weiterzugeben; an jene, die es einfach vergessen oder aufgrund der Sorgen und der Täuschungen der Welt begraben hätten.

Benedikt XVI. warf in diesem Zusammenhang die Frage auf, ob die Christen nicht vielleicht zu taub und zu mutlos geworden seien, und betonte, dass die heutige Welt das gemeinsame Zeugnis der Christen dringend nötig habe: „Die Einheit lässt sich sicher nicht erzwingen; sie wird miteinander geteilt und auf der gemeinsamen Teilhabe an dem einen Glauben gegründet. Hinhören und reden, die anderen verstehen und ihnen den eigenen Glauben mitteilen, dies sind die wesentlichen Dimensionen der ökumenischen Praxis. Der ehrliche und redliche Dialog stellt das typische und unentbehrliche Werkzeug für die Suche nach Einheit dar.“ Papst Benedikt wies zudem darauf hin, dass es unerlässlich sei, mit Klarheit die ganze Lehre darzustellen und sich dabei einer korrekten und verständlichen Sprache zu bedienen.

Der ökumenische Dialog schließe die dem Evangelium entsprechende „correctio fraterna“ („brüderliche Zurechtweisung“) ein, unterstrich der Papst anschließend. Diese Gewohnheit führe zu einer gegenseitigen geistlichen Bereicherung, wenn authentische Erfahrungen des Glaubens und des christlichen Lebens miteinander geteilt würden. Dazu bedürfe es der Gnade Gottes und der Erleuchtung durch den Heiligen Geist.