„Sind wir, bin ich auf einen so plötzlichen Tod vorbereitet?“ Requiem für die österreichische Innenministerin Liese Prokop

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SANKT PÖLTEN, 9. Januar 2007 (ZENIT.org).- Der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn feierte am Dienstagnachmittag im Sankt Pöltner Dom das Requiem für die österreichische Innenministerin Liese Prokop, die in der Sylvesternacht vollkommen unerwartet an einem Aorta-Riss in der Nähe des Herzens gestorben war. Die Spitzenpolitikerin und frühere Leichtathletin war 65 Jahre alt.



Alle Mitglieder der österreichischen Bundesregierung und der niederösterreichischen Landesregierungen sowie Regierungsvertreter aus neun Nationen nahmen neben den Angehörigen an den Trauerfeierlichkeiten teil.

Der Leichnam von Liese Prokop war bis zur Überführung in den Dom in der Leopoldkapelle des Landhauses aufgebahrt Bis 12.00 Uhr Mittag konnte die Bevölkerung Abschied nehmen, ab 13.00 Uhr die offiziellen Repräsentanten des niederösterreichischen Landhauses. Um 14.30 Uhr zog der Kondukt unter der Leitung von Diözesanbischof Klaus Küng und begleitet von einer Ehrenkompanie der Sicherheitsexekutive über die neue Herrengasse, den Kardinal-König-Platz, den Neugebäudeplatz und die Wienerstraße zum Dom.

Die Wiener Sängerknaben waren an der musikalischen Gestaltung des Requiems beteiligt, bei dem unter anderem der Sankt Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng und der Wiener Caritasdirektor Michael Landau konzelebrierten. Nach dem Gottesdienst hielten Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, der niederösterreichisches Landeshauptmann Erwin Pröll und der Präsident der Bundessportorganisation, Franz Löschnak, Worte des Gedenkens.

In seiner Predigt würdigte Kardinal Schönborn die verstorbene Innenministerin als „lieben, überzeugenden Menschen“, der „vollem allem mit einer 'herrlichen' Menschlichkeit“ gekrönt gewesen sei. Liese Prokop habe sich als Politikerin darum bemüht, dem christlichen Menschenbild gemäß zu leben und zu handeln, „und es ist ihr mit großer Glaubwürdigkeit gelungen“.

Der plötzliche Tod Prokops habe viele wichtig erscheinende Dinge relativiert, fuhr Kardinal Schönborn fort. „Wie sehr werden wir daran erinnert, dass vieles in unserem Leben wichtig und dringend, aber nicht wesentlich ist? Wurden wir nicht alle daran erinnert, in dieses neue Jahr mit dem Gedanken an das eigene Sterben einzutreten? Sind wir, bin ich auf einen so plötzlichen Tod vorbereitet?“

Bischof Klaus Küng hatte Liese Prokop unmittelbar nach deren Ableben als „eine beeindruckende Persönlichkeit“ bezeichnet. „Ich habe ihre unkomplizierte, freundliche Art, ihre Geradlinigkeit und Klugheit im Auftreten, vor allem ihr großes Engagement in den wichtigen Anliegen unserer Gesellschaft sehr geschätzt. Sie wird uns sehr fehlen.“

Bevor sie in der Politik Karriere machte, war Liese Prokop eine gefeierte Spitzensportlerin: Bei den Olympischen Spielen in Mexiko-Stadt erreichte sie 1968 im Fünfkampf hinter der Deutschen Ingrid Mickler-Becker die Silbermedaille; ein Jahr später stellte sie mit 5.352 Punkten einen Weltrekord auf und wurde in Athen Europameisterin. In diesem Jahr wurde sie auch zur Österreichischen Sportlerin des Jahres gewählt. Die Landesrekorde der 50-fachen österreichischen Meisterin hielten zum Teil sehr lange. So wurden ihre Bestmarken im Weitsprung erst 1998, im Kugelstoßen erst 1999 gebrochen.

Das Begräbnis im engsten Familienkreis am morgigen Mittwoch wird Bischof Küng in Annaberg halten, dem Heimatort der Verstorbenen. Auch der Abt des Stiftes Lilienfeld, P. Matthäus Nimmervoll, der Pfarrer von Annaberg, P. Pirmin Pingruber, und Olympia-Seelsorger P. Bernhard Maier werden anwesend sein.