So eilten sie hin und fanden Maria und Joseph und das Kind, das in der Krippe lag

Mit Eile ist nicht die Hektik gemeint

Rom, (ZENIT.org) | 1276 klicks

Betrachtung zum Weihnachtsevangelium von Papst Benedikt XVI.:

„So eilten sie hin und fanden Maria und Joseph und das Kind, das in der Krippe lag“ (Lk 2, 16)

Noch ein Zweites wird im Weihnachtsevangelium von den Hirten gesagt, das wichtig ist. Es heißt da: Sie eilten hinüber nach Bethlehem und sie erzählten von allem, was sie gehört hatten – sie, diese eher gewiss wortkargen Menschen rühmten und lobten Gott, der Mund ging ihnen über von dem, wovon das Herz voll war. Sie eilten. In der Heiligen Schrift kommt noch mehrmals diese Eile vor: Maria macht sich eilends nach der Verkündigung auf den Weg zu ihrer Verwandten Elisabeth, die Hirten eilen zur Krippe, Petrus und Johannes laufen zum Auferstandenen hin.

Diese Eile hat nichts zu tun mit der Hektik der von Terminen Geplagten. Sie ist das Gegenteil davon. Sie bedeutet, dass all diese falsche Eile abfällt, wo das eigentlich Wichtige und Große in Erscheinung tritt. Es ist die Freude, die dem Menschen Flügel gibt. Die Gnade des Heiligen Geistes kennt keine hemmenden Bleigewichte, sagt der heilige Ambrosius. Sie bedeutet, dass von uns abfällt, was uns das Herz und die Füße bleischwer macht auf dem Weg zu Gott. Sie bedeutet, dass von uns die Zweifel, das Besserwissen, die falsche Aufgeklärtheit weichen, die es uns so schwer machen, zu ihm zu gehen. Sie bedeutet, dass wir auf den Schwingen der Freude gehen lernen.

Diese Eile kommt nicht aus Hast, sondern aus dem Verschwinden der Hast, sie kommt aus der Leichtigkeit des Herzens. Die Engel können fliegen, weil sie sich leicht nehmen, hat Chesterton einmal geistvoll gesagt. Und damit klingt ein Wort von Richard Dehmel zusammen: Nichts ist schwer, wenn wir uns leicht nehmen, und ein Wort von Papst Johannes XXIII., aus tiefer Erfahrung eigenen Lebens und Ringens geschöpft: Alles wird leicht, wenn wir uns von uns selbst trennen, wenn wir uns loslassen.

Loslassen, das wäre die Antwort, das Schwergewicht nicht mehr in uns selbst setzen, sondern in Gott. Dann wird das Herz leicht, dann wird es frei, dann kann es hören und dann kann es fühlen.

[Weihnachtspredigt 1980, in: Benedikt XVI., Weihnachtspredigten, Wewel 2005]