„So stelle ich mir die vereinte Kirche vor“

Fokolare-Präsidentin Maria Voce zum ersten Deutschland-Besuch

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EISLEBEN, 10. September 2009 (ZENIT.org).- „Wie ich mir die Einheit der Kirchen vorstelle? So, wie ich sie hier vor mit sehe!“ Das war die spontane Antwort der Fokolare-Präsidentin Maria Voce auf die Frage eines indischen Bischofs nach ihrer Vision der einen Kirche. Sie saß im Kreis von 35 Bischöfen aus verschiedenen Teilen der Welt, die unterschiedliche Kirchen vertreten und der Fokolar-Bewegung nahe stehen. Die Italienerin ist seit einem Jahr im Amt und war heute zu ihrem ersten Besuch in der Lutherstadt Eisleben zum ökumenischen Bischofstreffen nach Deutschland gekommen(ZENIT berichtete). 

In ihrem Referat am Nachmittag stellte sich die Juristin den Teilnehmern vor und gab Einblick in die Erfahrungen der christlichen Laienbewegung ein Jahr nach dem Tod der Gründerin Chiara Lubich. Sie machte deutlich, dass die vielen Aspekte und charakteristischen Gaben der Gründerfigur durch keine Nachfolgerin abgedeckt werden können und unterstrich, dass die Leitung der Bewegung mehr denn je auf die Lenkung durch den Heiligen Geist angewiesen sei. Und der sei dort wirksam, wo Menschen einander im Geist der gegenseitigen Liebe begegneten.

Das sei im Übrigen auch die Voraussetzung dafür, dass das Image der Kirche wieder Sympathien gewinne. „Jesus hat uns in seinem Testament den Schlüssel gegeben, wie die Menschen den Glauben finden können: Alle sollen eins sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Wenn die Kirche abgelehnt wird, dann liegt das daran, dass das Wesentliche fehlt: die gegenseitige Liebe.“

Im anschließenden offenen Dialog mit den Teilnehmern unterstrich sie immer wieder die Bedeutung des persönlichen Zeugnisses: „Wenn die Menschen den Weg in unsere Kirchen nicht mehr finden, dann müssen wir uns auf den Weg zu ihnen machen. Nur wenn sie in uns lebendige Zeugen für ein erfülltes und glückliches Leben finden, sind sie offen für die Botschaft des Evangeliums, die wir weitergeben wollen.“

Indem sie die große Bedeutung der Schrift in der Fokolar-Spiritualität unterstrich, knüpfte sie an das Einführungsreferat von Bischof Christian Krause an. Er hatte den Teilnehmern aus aller Welt einen Überblick über die wichtigsten Grundlinien der Reformation gegeben und die historischen und kirchenpolitischen Hintergründe dargestellt. In der Rückbindung an die Schrift sieht der ehemalige Präsident des Lutherischen Weltbundes eine enge Verbindung zur Fokolar-Spiritualität. „Es wäre Sache der Christen heute, am Ende der Lutherdekade im Jahr 2017 unsere nunmehr gemeinsamen ökumenischen Thesen an die Tore der Schlosskirche von Wittenberg zu heften. Das wäre ein echtes Zeichen der Hoffnung für die Kirche von morgen.“

Die Fokolar-Bewegung gehört zu den neuen geistlichen Aufbrüchen, die in den letzten 60 Jahren in den christlichen Kirchen entstanden sind. Ihre Ursprünge gehen auf das Jahr 1943 in Trient zurück. Mittlerweile ist sie in mehr als 180 Ländern der Welt vertreten. Ihr Ziel ist, den Geist der Einheit und Geschwisterlichkeit verstärkt in Kirche und Gesellschaft und in alle Bereiche des menschlichen Lebens hinein zu tragen. Seit 30 Jahren treffen sich auch Bischöfe der verschiedenen Kirchen und tragen diesen Geist der Einheit und der Geschwisterlichkeit vor allem durch ihr gelebtes Zeugnis des Miteinanders in ihre Kirchen und Länder hinein. Initiator der Bischofstreffen war der damalige Bischof von Aachen Klaus Hemmerle.