Sô wê mir tumber - Weh mir Toren

von Konrad von Würzburg (um 1225-1287)

Rom, (ZENIT.org) | 404 klicks

Sô wê mir tumber daz mich iemer langer tage verdriuzet,
und mîner jâre frist enwec sô rehte balde schiuzet,
daz ein bach niht fliuzet
sô drâte ûz hage!
ich wünsche dicke daz diu stunde werde mir gekürzet;
und ist si doch ûf einen gaehen louf alsô geschürzet,
daz darinne erstürzet
geswinde sich mîn lebetage.
jâ clag ich mîn gelt daz ich verzer, und clage niht mîn zît,
die mir nieman wider gît,
swenn ich sie gar verliure.
vertret ich verne guot, ich mag gewinnen anderz hiure,
verswende ich aber mîniu jâr, diu sint mir iemer tiure:
von dekeiner stiure
verlorne zît ich wider bejage.

Weh mir Toren, dass es mich immer der langen Tage verdrießt,
obwohl die Frist meiner Jahre so schrecklich schnell dahinschießt,
dass ein Bach nicht mit gleicher Eile
aus dem Felsen oder dem Wald fließt!
Ich wünsche oft, dass mir die Stunden kürzer werden,
obwohl sie doch auf einen so jähen Gang eingerichtet sind,
dass in ihnen meine Lebenstage
eilends herabstürzen.
Ich beklage doch tatsächlich mein Geld, das ich verbrauche, und beklage nicht meine Zeit,
die mir niemand zurückgibt,
wenn ich sie gänzlich verliere.
Vertat ich letztes Jahr mein Gut, so kann ich dieses Jahr anders wieder gewinnen,
verschwende ich aber meine Jahre, die sind mir für immer verloren:
Mit keinem Mittel
erlange ich verlorene Zeit wieder zurück.