Solidarität in Krisenzeiten

Ein Interview mit Prof. Dr. Giovanni Marseguerra im Rahmen der Internationalen Konferenz der Stiftung Centesimus Annus Pro Pontefice (CAPP) in Rom (23.-24. Mai 2013)

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 351 klicks

Wie erklärt sich die Themenwahl der Internationalen Konferenz von „Centesimus Annus“ „Rethinking Solidarity for Employment: The Challenges of the Twenty-First-Century“?

Prof. Dr. Giovanni Marseguerra: Die Themenwahl begründet sich mit den aktuellen Problemen, die weltweit die Wirtschaft in Atem halten. Insbesondere die Arbeitslosigkeit der Jugendlichen bereitet Politik und Wirtschaft große Sorgen und stellt sie vor große Herausforderungen. Es bedarf einer internationalen sozialen Entwicklung. Besonderes Augenmerk muß dabei auf die Familie gerichtet werden. Die Soziallehre kann einen wichtigen Beitrag in Politik und Gesellschaft dahingehend leisten, dass das Solidaritätsprinzip bei der Erarbeitung von Problemlösungen konkret Anwendung findet. Die Soziallehre selbst kann natürlich keine Problemlösungen bieten, aber eine wichtige Hilfestellung bei ihrer Ausarbeitung.

Wie kann man vor allem der jungen Generation helfen?

Prof. Dr. Giovanni Marseguerra: Die Lage ist — besonders hier in Italien — sehr schwierig, und die harte Sparpolitik hat den Menschen manche Enttäuschung bereitet. Für die junge Generation bilden nach wie vor eine gute Ausbildung und entsprechende Bildungseinrichtungen die Grundlage für eine solide Zukunft. Deshalb muss der Staat in die Ausbildung der jungen Menschen und in die Forschung investieren. Die Garantie von Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten ist der strategische Knotenpunkt für die Entwicklung und damit die Zukunft einer Gesellschaft.

Wie beurteilen Sie die Haltung von Papst Franziskuszu diesen Fragen?

Prof. Dr. Giovanni Marseguerra: Papst Franziskus hat sich ausdrücklich mehrfach zur Solidarität geäußert. Er betonte dabei die Würde der Arbeit und stellte heraus, dass Arbeit ein bedeutender Wert sei. Solidarität und Vernunft schließen sich keineswegs aus. Papst Franziskus zeigte auf, dass die Soziallehre die Erneuerung in der Kontinuität sehe und sich konkreten und aktuellen Problemfragen stelle.

Das Interview führte Britta Dörre.

* Prof. Dr. Giovanni Marseguerra ist Professor an der Università Cattolica del Sacro Cuore in Mailand und Sekretär des wissenschaftlichen Komitees von CAPP.