Solidarität überdenken: Markt und Menschlichkeit schließen sich nicht aus

Papst Franziskus trifft die Stiftung Centesimus Annus Pro Pontifice

Rom, (ZENIT.org) Jan Bentz | 681 klicks

ROM, 27. Mai 2013 (ZENIT.org) - Solidarität als gesellschaftlichen Wert wieder richtig verstehen und marktwirtschaftliches Handeln nach der Soziallehre der Kirche ausrichten: Dies forderte Papst Franziskus bei einem Treffen mit Vertretern der Stiftung„Centesimus Annus Pro Pontifice“ am vergangenen Wochenende.

Die Stiftung wurde vor 20 Jahren von dem seligen Johannes Paul II. mit dem Ziel gegründet, die Soziallehre der Kirche in der Gesellschaft bekannt zu machen. Inhaltlich gründe sie auf den Enzykliken desselben Papstes „Rerum novarum“ und „Laborem exercens“. Dessen Nachfolger Benedikt XVI. habe die Gedanken in seiner Enzyklika „Caritas in veritate“ und vielen Ansprachen aufgenommen und weiterentwickelt, erläuterte Papst Franziskus in seiner Ansprache.

Der Begriff der Solidarität, der zentrales Thema des diesjährigen Treffens war, müsse neu überdacht werden. Überdenken heiße, die rasante sozio-ökonomische Entwicklung mit ihren neuen Aspekten unter den Gesichtspunkten der Soziallehre der Kirchezu betrachten und bewerten; überdenken heiße, einen tiefen Wert, nämlich den der Solidarität, auf seine Fruchtbarkeit und deren Quelle zu untersuchen: Die recht verstandene Solidarität speise sich aus der unerschöpflichen Quelle des Evangeliums.

Der Papst würdigte ausdrücklich die Bemühung der Laien, die in der Welt der Arbeit zu Hause sind, die Soziallehre der Kirche in die Gesellschaft zu tragen und dass sie diesen zentralen Begriff der „Solidarität“ als Thema ihres Treffens gewählt hatten.

Die aktuelle wirtschaftliche und soziale Krise fordere das Überdenken und bestätige einmal mehr die Wahrheit und Aktualität der kirchlichen Soziallehre, betonte Papst Franziskus. Sie basiere auf einer anthropologischen und ethischen Krise. Man folge den Götzen der Macht, des Geldes und des Gewinns und stelle diese über die Würde der menschlichen Person. Jeder Mensch müsse die Möglichkeit bekommen, würdig zu leben und sich aktiv am Gemeinwohl zu beteiligen.

Franziskus beklagte auch die sich über den ganzen Planeten - auch in weiten Teilen des Westens- ausbreitende Arbeitslosigkeit mit ihren Folgen von Armut und Entwürdigung des menschlichen Daseins. Es gebe keine schlimmere Form materieller Armut, als sich nicht einmal das tägliche Brot selber verdienen zu können und keine würdige Arbeit zu haben. Das gesamte Phänomen müsse dringend korrigiert und reformiert werden in einer Weise, die mit den grundlegenden Menschenrechten kompatibel sei. Auf dieser Basis dürfe der Begriff der Solidarität nicht als Haltung verstanden werden, nicht als soziales Almosen , sondern als gesellschaftlicher Wert.

Der Papst zitierte die Enzyklika „Caritas in veritate" seines Vorgängers, wo ebenfalls das Verlorengehen der ethischen Grundlage wirtschaftlichen Handelns thematisiert werde (Kap. II, 36)

„Wir müssen zurückkehren zu einer Zentralstellung des Menschen, zu einer mehr ethischen Sicht der menschlichen Aktivitäten und Beziehungen, ohne Angst davor, damit irgendetwas zu verlieren“, schloss der Papst.