Somalia: Ermordete Ordensschwester verzieh ihren Feinden

Schwester Leonella Sgorbati wird in Kenia beigesetzt

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MOGADISCHU, 19. September 2006 (ZENIT.org).- Die letzen Worte der italienischen Ordensschwester, die am Sonntag in Mogadischu (Somalia) erschossen worden ist, lauteten: "Ich verzeihe, ich verzeihe."



Schwester Leonella Sgorbati (65), Missionarin des italienischen Ordens der "Consolata-Missionschwestern", wurde zur Mittagszeit beim Überqueren einer Straße durch vier Schüsse in den Rücken getötet. Auch ihr Leibwächter kam beim Anschlag ums Leben. Zwei Verdächtige wurden festgenommen.

Die Ordensschwester hatte sich zum Krankenhaus der österreichischen Hilfsorganisation "SOS-Kinderdorf" im Norden Mogadischus aufgemacht, wo sie seit vier Jahren zusammen mit ihrer Kommunität arbeitete. Dort wurde sie sofort nach dem Attentat eingeliefert und starb kurz darauf.

"Sie wusste genau, dass sie starb, weil sie andauernd sagte: 'Ich kann nicht atmen'", berichtete eine Mitschwestern von Sr. Leonella gegenüber CISA, dem Katholischen Informationsdienst für Afrika. "Ihre letzten Worte waren: 'Ich verzeihe, ich verzeihe.'"

Der Leichnam der Missionarin wurde in der Nacht vom Sonntag in Begleitung von drei Consolata-Schwestern nach Nairobi (Kenia) ausgeflogen. Laut Schwester Josephine Barbero, Provinzoberin der Consolata-Schwestern in Kenia, sei bereits eine Autopsie beantragt worden.

Das Requiem findet übermorgen, Donnerstag, im Consolata-Schrein der Pfarrgemeinde Westlands in Nairobi statt. Der Leichnam von Schwester Leonella wird ab 9.00 Uhr aufgebahrt sein. Das Begräbnis, an dem auch der Apostolische Vikar von Somalia, Bischof Giorgio Bertin von Dschibuti, teilnehmen wird, findet auf dem Nazareth-Krankenhauskirchhof in Kiambu statt. "Ich bin sicher, dass sie gerne in Kenia begraben werden wollte, weil sie Kenia so sehr liebte", erklärte Schwester Josephine.

Kurzbiographie

Leonella Sgorbati wurde in Gazzola (Piacenza, Italien) am 9. Dezember 1940 geboren. Im Mai 1963 trat sie bei den Consolata-Missionsschwestern in San Fre bei Cuneo (Piemont) ein. Die Ewigen Gelübde legte sie im November 1972 ab.

Nach dem Besuch einer Krankenpflegeschule in England (1966-1968) wurde sie nach Kenia entsandt. Von 1970 bis 1983 wirkte sie dort abwechselnd im Ordenskrankenhaus Mathari in Nyeri sowie im Nazareth-Krankenhaus in Kiambu, einem Gebiet an der Peripherie im Norden Nairobis.

Mitte 1983 begann Schwester Leonella mit ihrer Fortbildung in der Krankenpflege und wurde 1985 zur Haupttutorin an der Schule für Krankenpflege im Nkubu-Krankenhaus von Meru. Im November 1993 wurde sie zur Provinzoberen der Consolata-Missionsschwestern in Kenia gewählt, eine Aufgabe, der sie sich sechs Jahre lang widmete.

Nach einem Sabbatjahr im Jahr 2001 verbrachte die Ordensschwester einige Monate in Mogadischu und suchte nach einer Möglichkeit, in einem Krankenhaus, das dort von "SOS-Kinderdorf" betrieben wird, eine Krankenpflegeschule zu gründen.

Die Hermann-Gneimer-Schule für gesetzliche anerkannte Krankenpflege öffnete schon 2002, und Schwester Leonella war die Leiterin. Die ersten 34 Krankenschwestern konnten in diesem ersten Jahr ihren Abschluss machen. Ihre Diplome kommen von der Weltgesundheitsorganisation, weil Somalia seit 1991 keine Regierung hat.

Schwester Leonella lag es daran, Kursleiterinnen für die Krankenpflegeschule auszubilden. Deshalb kehrte sie mit drei eben graduierten Krankenschwestern nach Kenia zurück, um sie für eine Fortbildung an einer medizinischen Hochschule anzumelden.

Aufgrund der Bestimmungen des islamischen Rechts, die heute in Mogadischu und Umgebung gelten, hatte sie große Schwierigkeiten, ein Visum für die Rückreise nach Somalia zu erhalten. Erst am 13. September dieses Jahres war es ihr gelungen, nach Mogadischu zurückzukehren.