Soziale Netzwerke: Segen oder Fluch?

Papst ruft zu verantwortlicher Präsenz im digitalen Raum auf

Rom, (ZENIT.org) Jan Bentz | 1138 klicks

Die Chancen und positiven Möglichkeiten der neuen sozialen Netzwerke standen im Vordergrund der Botschaft von Papst Benedikt zum 47. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel. Die Fähigkeit zur Nutzung dieser neuen Kommunikationsformen sei nicht deswegen geboten, um mit der Zeit zu gehen, sondern vielmehr, um es dem Reichtum des Evangeliums zu ermöglichen, Ausdrucksformen zu finden, die den Menschen von heute erreichen. Die digitale Umwelt sei keine parallele oder rein virtuelle Welt, sondern Teil der täglichen Lebenswelt vieler Menschen, insbesondere der jüngeren Generation.

Es gelte, diese neue Agora, diesen öffentlichen Marktplatz des Dialoges, mit wirklich authentischen Äußerungen zu füllen, die geprägt sind von Respekt, Rücksicht auf die private Sphäre und dem Bemühen um die Wahrheit. Die Authentizität der Gläubigen in den social networks trete deutlich zutage durch das Mitteilen der tiefen Quelle ihrer Hoffnung und Freude.

 „Wir müssen auf die Tatsache vertrauen, dass die Grundsehnsucht des Menschen, zu lieben und geliebt zu werden, Sinn und Wahrheit zu finden – die Gott selbst ins Herz des Menschen gelegt hat –, auch die Frauen und Männer unserer Zeit stets und in jeden Fall auf das hin offen hält, was der selige Kardinal Newman das „milde Licht“ des Glaubens nannte“, so der Papst. Soziale Netzwerke entstünden aus den tiefsten Herzenswünschen der Menschen. Die Frohe Botschaft müsse gerade in dieser digitalen Welt bekannt gemacht werden, dies spürten viele Gläubige in der heutigen Zeit als dringende Notwendigkeit. Ein Verstehen dieser Welt sei die Vorbedingung der signifikanten Präsenz in ihr.

Gleichzeitig warnte der Papst davor, zu Lasten von Wahrheit und Werten nur auf Popularität abzuzielen. Die Stimme der Vernunft werde zu oft von denen übertönt, die auf „verführerische Weise“ Aufmerksamkeit erregten. Leicht seien „hitzige und polemische Stimmen“ zu hören und es bestehe die Gefahr, dass „die Sensationslust die Oberhand“ behalte.

„Die social media brauchen also das Engagement all jener, die um den Wert des Dialogs, der Diskussion und der logischen Argumentation wissen; man braucht Menschen, die Diskurs- und Ausdrucksformen zu pflegen suchen, die die nobelsten Beweggründe der am Kommunikationsprozess Beteiligten ansprechen“, erklärte der Papst.

Wenn diese Voraussetzungen gegeben seien, könnten die sozialen Netzwerke dazu beitragen, Formen von Dialog zu unterstützen, die die Einheit und Harmonie der Menschheitsfamilie förderten.

„Wenn man sich unterhält und jene ernst nimmt, die andere Ideen haben als wir selbst, können Dialog und Diskussion wachsen..Angesichts der kulturellen Verschiedenheit muss dafür gesorgt werden, dass die Menschen nicht nur die Kultur der anderen akzeptieren, sondern auch danach trachten, sich von ihr bereichern zu lassen sowie umgekehrt ihr das anzubieten, was sie selbst an Gutem, Wahrem und Schönem besitzen“.

In der digitalen Welt werde das Wort oft von Bildern und Tönen begleitet. Die christliche Kunst biete hier unerschöpfliche Möglichkeiten, den Reichtum des Glaubens zur Verkündigung zu nutzen, da ein erheblicher Teil des künstlerischen Erbes der Menschheit von Künstlern und Komponisten geschaffen wurde, die danach strebten, die Wahrheit des Glaubens zum Ausdruck zu bringen.

Auch könnten die sozialen Netzwerke neben dem Instrument der Evangelisierung auch ein Faktor menschlicher Entwicklung sein, zum Beispiel in geographischen und kulturellen Kontexten, wo die Christen sich isoliert fühlten, das Bewusstsein ihrer wirklichen Einheit mit der weltweiten Gemeinschaft der Gläubigen stärken.

„Die Netzwerke machen es leichter, spirituelle und liturgische Ressourcen zu teilen, und ermöglichen es den Menschen, mit einem wieder gestärkten Bewusstsein von Nähe zu denen zu beten, die denselben Glauben bekennen.“