Sozialer Zusammenhalt in Europa: Vorschlag der Kirche

Tagung des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE)

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ROM, 4. September 2012 (ZENIT.org/CCEE). - Die Krise, die derzeit Europa heimsucht, stellt die soziale Kohäsion des Kontinents auf eine harte Probe. Drei Tage lang (vom 3. bis zum 5. September 2012) werden die zuständigen Bischöfe und Delegierten für soziale Angelegenheiten in Nikosia auf Zypern zusammenkommen und im Lichte des kirchlichen Lehramtes und der Europapolitik das Thema der sozialen Kohäsion und der Rolle der Kirche bei ihrer Förderung erörtern.

Die Tagung wird von Kardinal Angelo Bagnasco, Erzbischof von Genua und Vize-Präsident des CCEE eröffnet werden. Im Laufe der drei Konferenztage sind dann folgende Beiträge vorgesehen: Mgr. Diarmuid Martin, Erzbischof von Dublin wir über das Thema Von der Krise zur Hoffnung referieren; Vincenzo Buonomo, Professor and er Päpstlichen Lateranuniversität sowie Rechtsberater des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen, der FAO, dem IFAD, der OSZE und dem Europarat wird über das Thema „Die Politik des sozialen Zusammenhalts in der Europäischen Union“ berichten und zwei weitere Hochschulprofessoren sowie Abgeordneten im zyprischen Parlament, Andreas Pitsillides und Marios Mavrides, werden jeweils das Thema „Das Zusammenleben als Volk Gottes“ und „Eine gerechte Gesellschaft aufbauen: Wirtschaftliche Perspektiven“ erörtern.

An dem Treffen, das von der CCEE-Kommission für soziale Angelegenheiten „Caritas in veritate“ unter dem Vorsitz von Mgr. Giampaolo Crepaldi, Bischof von Triest, einberufen wurde, werden sich rund dreißig Teilnehmer beteiligen.

„In einer Zeit wie der unsrigen, die von Krisen geprägt ist, sind alte Ängste wieder aktuell: Die Angst einer unsicheren Zukunft, die Angst vor dem Fremden und davor, in Armut zu leben - all diese Befürchtungen führen viele Menschen zur Verzweiflung“, so Mgr. Giampaolo Crepaldi. „Das Risiko dabei ist, dass der Egoismus die Oberhand über die persönliche und gemeinschaftliche Solidarität gewinnt. Somit wird der soziale Zusammenhalt auf eine harte Probe gestellt, vor allem in Europa, wo nicht nur die Wiedergeburt des National-Populismus das Subsidiaritätsprinzip infrage stellt, sondern auch rechtlich-wirtschaftliche Mechanismen einen Anschlag gegen die Souveränität der Staaten verüben. Der soziale Friede wird auch auf lokaler Ebene gefährdet, nachdem eine allzu kurzfristige und nur auf den Gewinn ausgerichtete Wirtschaft den Generationspakt geschwächt hat zugunsten einer extrem individualistischen Kultur, die die Familie als einengend und veraltet verachtet. Eine Zeit wie die unsrige fordert uns auf, den sozialen Zusammenhalt nicht nur im Wirtschaftsleben, sondern auch in der Liebe und der Zuvorkommenheit vor Gott zu suchen, denn er ist derjenige, der uns alle mit Liebe betrachtet. Christus richtet an alle sein Wort der Hoffnung und fordert uns auf, offen und solidarisch einander zu begegnen. Aufgabe der Kirche ist es, diese Botschaft des sozialen Zusammenhalts überall zu verbreiten“.

„Die katholische Kirche hat mehrmals wiederholt, dass die derzeitige Krise nicht nur wirtschaftlicher und finanzieller Art ist, sondern an erster Stelle eine Vertrauenskrise ist, gar anthropologischer Art, die die Moral und die allgemein geteilten Werte schwächt. Dies beweisen insbesondere die sozialen Beziehungen, die heute ganz besonders verfallen sind“, stellt Msgr. Duarte da Cunha, Generalsekretär des CCEE fest. „Ich denke aber, dass diese Krise auch als Gelegenheit aufgefasst werden kann, nicht nur für diejenigen, die die wirtschaftlichen und finanziellen Systeme ändern können, sondern auch alle Bürgerinnen und Bürger, die den Mut haben sollen, sich wieder auf den Weg zu machen, den Sinn des Lebens überdenken und das richtige Gleichgewicht im Zusammenleben wiederfinden sollen. Der Glaube der katholischen Kirche lehrt uns, dass der Mensch ein soziales Wesen ist, das sich nur in der Kommunion mit Gott und im Zusammenleben mit allen anderen Menschen wirklich frei entfalten kann. Die Kirche hat heute die Aufgabe, mit ihrem Wort und ihren Werken zu zeigen, dass nur die Liebe, die Christus verkündete, das einzige Heilmittel gegen die Krise sein kann“.

Am Dienstag, dem 4. September 2012, werden die Teilnehmer Dimitris Christofias, Präsident der Republik Zypern, treffen. Am Mittwoch, dem 5. September, werden die Teilnehmer Seine Seligkeit Chrysostomos II, Erzbischof von Zypern und Nea Justiniana treffen sowie bedeutende Orte der christlichen Präsenz wie Klöster, religiöse und kulturelle Orte auf Zypern besichtigen. Vorgesehen ist auch ein Besuch der maronitisch-katholischen Ortschaften von Agia Marina, Assomatos, Karpasia und Kormakitis im nördlichen Teil der Insel.

Das Treffen findet auf Einladung des Erzbischofs der Maroniten auf Zypern, Mgr. Youssef Soueif, statt und wird im Rahmen der Maßnahmen der zyprischen Regierung für die zyprische EU-Ratspräsidentschaft ausgerichtet.