Spanien: Bischöfe rufen zur Opposition gegen "ungerechte Gesetze" auf

"Anthropologische und gesellschaftliche Realität der Verbindung zwischen Mann und Frau" nicht mehr gesetzlich anerkannt

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MADRID, 1. Juli 2005 (ZENIT.org).- Nach der Einführung der umstrittenen Gesetze über die "Ehe" unter Homosexuellen, die Adoption von Kindern und die so genannte "Express-Ehescheidung" ruft die spanische Bischofskonferenz die spanische Bevölkerung dazu auf, sich den neuen Regelungen mit allen zur Verfügung stehenden legalen Mitteln zu widersetzen.



Die gestern, Donnerstag, im spanischen Parlament gefällte Entscheidung führt zur rechtlichen Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare mit Eheleuten und räumt Homosexuellen das Recht ein, Kinder zu adoptieren. Somit wird Spanien nach den Niederlanden und Belgien das dritte Land sein, in dem eine solche Gleichstellung vollzogen wird. Auch in Kanada steht eine derartige Gleichstellung bevor: Noch in diesem Monat Juli wird der mehrheitlich liberale Senat einem diesbezüglichen Gesetzesentwurf aller Voraussicht nach zustimmen.

"Am heutigen Tagen sind die Worte 'Ehemann' und 'Ehefrau' systematisch aus dem Gesetzbuch eliminiert worden, wodurch die Ehe von unseren Gesetzen nicht länger als Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau betrachtet wird", heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Presseerklärung der spanischen Bischofskonferenz.

Bereits am Mittwoch hatte das spanische Parlament einer Änderung im bürgerlichen Gesetzbuch zugestimmt, die die Ehescheidung ohne vorangehende Trennung und ohne Angabe eines Trennungsgrunds möglich macht.

Künftig wird es für eine Scheidung ausreichend sein, dass ein Ehepartner die Ehe nicht mehr weiterführen möchte. Eine derartige Entscheidung kann innerhalb der ersten drei Monate nach der Eheschließung getroffen werden. In den spanischen Medien erhielt diese Neuerung den Namen "Express-Scheidung".

In ihrer gemeinsamen Erklärung kritisieren die spanischen Bischöfe den Verlust der "gesetzlich gesicherten Stabilität" der Ehe und ihre Reduzierung "auf einen oberflächlichen Vertrag, den jeder der Beteiligten einfach kraft seines Willens innerhalb von drei Monaten nach Vertragsschluss aufheben" könne.

"Dadurch sind die spanischen Ehegesetze völlig ungerecht geworden", schreiben die Bischöfe. "Sie erkennen die anthropologische und gesellschaftliche Realität der Verbindung zwischen Mann und Frau in der ihr eigenen Ausprägung und in ihrem unersetzbaren Wert für das Gemeinwohl nicht an, nämlich konkret ihren Wert für die personale Erfüllung der Eheleute sowie für die Zeugung und Erziehung von Kindern."

Somit "haben unsere spanischen Gesetze aufgehört, die Rechte der Eltern, Kinder und Erzieher gebührend zu schützen". Indem man die Fortführung des Ehebunds in der Praxis "dem Gutdünken individueller Freiheit" überlasse, ließen die spanischen Gesetze überdies den Ehebund ohne jeden Schutz und "ebnen den Weg für die Verletzung der Rechte des anderen Ehepartners und der Rechte der Kinder. Man muss diese ungerechten Gesetze mit allen zur Verfügung stehenden gesetzlichen Mitteln, die der Staat den Bürgern bereitstellt, bekämpfen."