Spanien: Bischöfe warnen vor Gesetzentwurf über das Ende des Lebens

„Es könnte eine heimliche Legalisierung von Euthanasiepraktiken sein“

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MADRID, Montag, 27. Juni 2011 (ZENIT.org).- Der Gesetzesentwurf zur Regelung der Rechte der Person im letzten Lebensstadium könnte eine heimliche Legalisierung von Euthanasiepraktiken darstellen, warnten die Bischöfe der ständigen Kommission der Spanischen Bischofskonferenz (CEE).

In ihrer Abschlussmitteilung der letzten Versammlung, die am 21. und 22. Juni abgehalten worden war, zeigen sie auf, dass „derselbe Begriff der menschlichen Würde“ in dem Gesetzesvorschlag „negativ betrachtet wird“.

„Eine Auffassung von Autonomie, die praktisch losgelöst von der Person ist, und das Gewicht, das dieser Autonomie bei der Entwicklung des Gesetzes zugesprochen wird, führen dazu, die erklärten Absichten zu entstellen und die vorgeschlagene Grenze, der Euthanasie keinen Raum einzuräumen, zu überschreiten“, unterstreichen die Bischöfe.

Der Gesetztext betone seine Absicht, die Würde der Person am Ende ihres Lebens zu verteidigen, ohne die Euthanasie für straffrei zu erklären.

Jedoch stellen die Bischöfe fest, dass „es scheint implizit gesagt zu werden, dass einem menschlichen Leben die schützenswerte Würde fehlen würde, wenn es geschieht, dass eine daran interessierte oder dritte Person eigenständig über dieses Leben entscheiden würde“.

Die Bischöfe haben diesen Gesetzesentwurf eingehend untersucht und eine Erklärung abgegeben, die am heutigen  Montag, dem 27. Juni, veröffentlicht werden wird.

Der bischöfliche Text mit dem Titel „Erklärung anlässlich des Gesetzesentwurfs zur Regelung der Rechte der Person im finalen Lebensstadium“ stellt fest, dass der Gesetzesentwurf eine reduzierte Definition des Konzepts von Euthanasie anwendet.

Mit dieser, warnen die Bischöfe, werde gewissen willentlichen Unterlassungen, die den Tod verursachen könnten oder auf direkte Weise seine Beschleunigung suchten, die Tür geöffnet.

Unter den verschiedenen Praktiken der Sterbehilfe, die gesetzlich geschützt seien, zählten die Bischöfe folgende auf: Die mögliche unverhältnismässige Beruhigung, die therapeutische Vernachlässigung oder die Unterlassung nötiger Pflegedienste.

Die Erklärung der Bischöfe zeigt sich kritisch gegenüber der Behandlung, die dem grundlegenden Menschenrecht auf Religionsfreiheit widerfährt, denn die Angestellten im Gesundheitsbereich würden praktisch zu Ausführenden des Patientenwillens herabgestuft, und es werde kein Recht zur Verweigerung aus Gewissensgründen eingeräumt.

Die Bischöfe stellten wiederum ein Modell des „Lebenstestaments“ vor, das mit der katholischen Lehre übereinstimmt und eine aktualisierte Version desjenigen ist, das seinerzeit von der spanischen Bischofskonferenz angeboten wurde.

Sie bekräftigen außerdem, dass das Leben jedes Menschen heilig sei, „auch wenn er schwach oder leidend ist oder sich am Ende seiner irdischen Lebenszeit befindet“ und dass „die Gesetze immer seine Würde schützen und seine Pflege gewährleisten müssen“.

Ferner begann die ständige Kommission mit der Ausarbeitung eines neuen Pastoralplans der Bischofskonferenz, der sich voraussichtlich im Kontext der Neuevangelisierung bewegen wird.

Seine Redaktion ist für den kommenden Herbst geplant, damit die Lehren des Papstes während des Weltjugendtages mit einbezogen werden können.

Die ständige Kommission genehmigte auch eine Spende von 500.000 Euro mit der Möglichkeit eines weiteren Zuschusses im Herbst für die Diözese von Cartagena als Hilfe zur Wiedererrichtung der Kirchen von Lorca, die bei dem Erdbeben am 11. Mai schwer beschädigt worden waren.

[Übersetzung aus dem Italienischen von Josef Stolz]