Spielend das Leben gewinnen - Was Menschen stark macht

Vorstellung des Erfolgsratgebers von Rainer Schmidt

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PEKING/GÜTERSLOH, 20. August 2008 (ZENIT.org).- „Siegerin der Herzen“, „Mit der Kraft des Handicaps“, ...: Es sind überraschende Schlagzeilen, die wir derzeit voll Achtung und Respekt formuliert finden. Im Geist der Olympischen Spiele in Peking geht es um Sportler, die sich mit ihrer Behinderung den Wettkämpfen stellen.

„Im Wasser bin ich nicht behindert“, erklärte jetzt Natalie du Toit, die gestern beim jüngsten Schwimmmarathon als 16. ins Ziel kam.

Die Südafrikanerin hatte im Jahr 2001 einen schweren Unfall. Damals war sie noch ein Teenager, die Qualifikation für Sydney hatte die Lagenschwimmerin nur knapp verpasst. Sie war mit dem Motorroller unterwegs, als das Auto sie traf. Die Ärzte konnten ihr linkes Bein nicht mehr retten, und so wurde der Unterschenkel der damals Siebzehnjährigen amputiert.

Drei Monate später ging sie wieder zum Training, versuchte sich für die Spiele der Nichtbehinderten in Athen zu qualifizieren. Doch mit nur einem Bein kann sie mit der Konkurrenz im Becken nicht mehr mithalten. Dafür reist sie zu den Paralympics, und kommt mit fünf Gold- und einer Silbermedaille aus Griechenland zurück.

Welche Geisteshaltung ist notwendig, um mit einer Behinderung das „Unmögliche“ zu wagen? Rainer Schmidt hat das in seinem eben erschienenen Buch Spielend das Leben gewinnen - Was Menschen stark macht“ auf 240 Seiten eindrucksvoll beschrieben. Mehr noch: Dieses persönliche Erfahrungsbuch eines Mannes, dem beide Unterarme fehlen, überzeugt durch gesunden Menschenverstand jeden, der den Blockaden der eigenen Lebenswünsche und Potentiale auf die Schliche kommen möchte.

Der Mann, der von Geburt an unter dem Amniotischen Bandsyndrom (ABS) leidet, wird als Kind vom Zutrauen seiner Mitmenschen getragen und lässt sich auf das Wagnis Sport ein.

Mit 39 Jahren nimmt der mehrfache Europameister in den Tischtennisspielen 2004 an den Paralympics in Athen teil. Dort wird ihm die Whan-Youn-Dai-Overcome-Medaille verleihen, die bei den Weltspielen der Behinderten jener Athlet bekommt, der durch den Sport einen positiven Umgang mit seinem Handikap gefunden hat. Sein Buch ist ein Ratgeber, das jeder, der mitten im Leben steht, zur Hand nehmen kann, um mit seiner je eigenen körperlichen oder seelischen „Behinderung“ besser klar zu kommen.

Die Lektionen des Lebens eines Mannes, die durchdrungen sind von biographischen Elementen, stehen auch als Zeugnis eines engagierten Christen, der das Gnadenpotential der angenommenen Schwachheit als Impuls für einen gesunden Ehrgeiz zu nutzen vermag; eines Menschen, der durch diesen Weg der Entdeckung der Fülle seiner Potentiale auch seine späte Berufung als Seelsorger findet und mit 26 Jahren seinen Beruf als städtischer Beamter aufgibt, um Theologie zu studieren. „Was ein Mensch auch kann oder nicht kann, Gott nimmt sich seiner an. Das ist meine Hoffnung für mich und alle Menschen“, schreibt Schmidt auf Seite 235.

Schon in seinem Band Lieber Arm ab als arm dran machte Schmidt klar: „Wenn ich die Wahl hätte zwischen fehlenden Armen und ‚Arm-dran-Sein’, ich würde zweifelsohne die fehlenden Arme vorziehen. Meine Behinderung hat längst ihre Schrecken verloren, und sie belastet mich weit weniger, als allgemein angenommen wird. Es heißt übrigens bewusst ‚lieber’ und nicht ‚besser’ Arm ab.“

Rainer Schmidt bereitet sich derzeit für die Teilnahme an den Paralympics in Peking vor. Über Jahre schon hält er Vorträge und motiviert Menschen, Ja zum Leben zu sagen, dem blockierenden Konkurrenzkampf zu trotzen und Vertrauen zu Gott, sich selbst und den Menschen zu haben.

Natalie du Toit sah in der Aufnahme der Disziplin des „Schwimmmarathon“ in das olympische Programm von Peking 2008 die Chance, doch noch zu den Spielen zu kommen. „Auf der langen Strecke ist der Beinschlag nur im Schlussspurt wichtig. Es gibt keine Wenden, und der Startsprung ist unbedeutend“, erklären die Sportberichterstatter.

„Sie hat einfach weitergemacht“, sagte ihre Mutter in Peking. „Sie hat sich nie wie eine Behinderte gefühlt.“

Wenn nicht gerade Olympische Spiele sind, dann gibt Natalie du Toit in ihrer Heimat Südafrika Motivationskurse. „Ich habe eine Botschaft an alle", so die 24-Jährige: „Du kannst alles schaffen. Gib alles für das Ziel, an das du glaubst. Und stehe auf, wenn du hinfällst.“

Von Angela Reddemann