Spitze der Vereinten Nationen bei Papst Franziskus

"Danke für alles, was ihr für den Weltfrieden tut"

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 509 klicks

Am Freitag empfing Papst Franziskus hohe Verantwortliche der Vereinten Nationen, unter anderen den UNO-Generalsekretär Ban ki-Moon, im Vatikan. Der Papst bedankte sich zunächst bei allen Anwesenden für ihre Arbeit und den Einsatz für „die integrale Entwicklung des Menschen und für die Völkerverständigung“.

„Ich danke euch allen, den Hauptverantwortlichen des internationalen Systems, für alle Anstrengungen für den Weltfrieden, für die Achtung der Menschenwürde, für die Armen und Schwachen, für wirtschaftliche und soziale Entwicklung. Die Ergebnisse der Millenniums-Entwicklungsziele, vor allem im Bereich der Schulbildung und der Verringerung der Armut, sind ein Beleg für den Wert eurer Arbeit. Man darf allerdings nicht aus den Augen verlieren, dass die Völker noch mehr erwarten und verdienen.“

Papst Franziskus appellierte an die UNO-Verantwortlichen, es nicht bei dem Erreichten zu belassen, sondern weiterhin mit vollem Einsatz zu arbeiten.

„In der politischen und wirtschaftlichen Weltordnung ist noch viel zu tun, denn ein wichtiger Teil der Menschheit bleibt von den Wohltaten des Fortschritts ausgeschlossen und wird wie Menschen zweiter Klasse behandelt. Die künftigen Entwicklungsziele sollten darum ambitioniert und mutig ausfallen, um wirklich an die strukturelle Wurzel von Armut und Hunger zu rühren, die Umwelt besser zu schützen, allen einen Arbeitsplatz zu garantieren und die Familie adäquat zu schützen. Sie ist ein entscheidendes Element für nachhaltige Wirtschafts- und Sozialentwicklung. Alle Formen von Ungerechtigkeit müssen bekämpft werden, die Wirtschaft der Ausschließung, die Wegwerf-Kultur, die Kultur des Todes, die leider zu einer allgemein hingenommenen Mentalität zu werden droht.“

Zur Veranschaulichung erinnerte er die UNO-Verantwortlichen an die Begegnung von Jesus mit Zachäus in Jericho: Zachäus habe durch den Blick Jesu, der ihn im Innersten angerührt habe, beschlossen, zu teilen und gerecht zu sein.

„Das ist der Geist, der am Anfang und am Ende eurer politischen und wirtschaftlichen Arbeit stehen sollte: der – oft wortlose – Blick dieses an den Rand gedrängten Teils der Menschheit. Er sollte an die Gewissen der Handelnden im politischen und wirtschaftlichen Bereich rühren und sie zu großzügigen, mutigen Entscheidungen bewegen, die sofortige Wirkungen zeigen – wie die Entscheidung des Zachäus. Leitet wirklich dieser Geist der Solidarität und des Teilens unser Denken und all unser Handeln?“

Der Papst unterstrich, dass jeder Mensch seine Würde habe, denn das Leben sei heilig und unverletzlich „von der Empfängnis bis zum natürlich Ende“. Er sagte, alle Menschen sollen teilen, denn es gehe um die Öffnung auf den anderen hin. Die Menschlichkeit habe Vorrang vor allen wirtschaftlichen und sozialen Theorien.

„Jesus bittet Zachäus nicht, seinen Arbeitsplatz zu wechseln, und er klagt ihn auch nicht wegen seiner Handelstätigkeit an; er bringt ihn einfach dazu, alles in den Dienst an den anderen zu stellen – frei, aber sofort und ohne lange Diskussion. Wirtschaftlicher und sozialer Fortschritt gelingt nur, wenn man die wissenschaftlichen und technischen Fähigkeiten mit ständiger Solidarität und Großzügigkeit verbindet. Das internationale Handeln sollte sich um eine umfassende menschliche Entwicklung für alle Bewohner des Planeten bemühen, der Staat sollte für die legitime Verteilung der wirtschaftlichen Erträge sorgen, und Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft müssen mitarbeiten!“

Abschließend sagte Papst Franziskus, es gebe jenseits aller Glaubens- und Politunterschiede „ein gemeinsames Ideal der Brüderlichkeit und Solidarität, vor allem gegenüber Ärmsten und den Ausgeschlossen.“