Spitzenvertreter des Judentums in Italien sehen im Auschwitzbesuch des Papstes eine Mahnung an die Menschheit

| 463 klicks

ROM, 30. Mai 2006 (ZENIT.org).- Ranghohe Vertreter der jüdischen Kultusgemeinde in Italien betrachten den Besuch von Papst Benedikt XVI. im ehemaligen NS-Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau als Mahnung, auf dass sich solche Verbrechen an der Menschheit niemals mehr wiederholten.



Giuseppe Lara, Vorsitzender der italienischen Rabbiner, würdigte gegenüber "Radio Vatikan" das historische Ereignis vom vergangenen Sonntag als Besuch von tiefer Bedeutung für die Menschheit. Die Ansprache des Heiligen Vaters sei für alle, die gelitten hätten, ein "Wort der Hoffnung und des Trostes" gewesen. "Aus den Worten Benedikts XVI. habe ich diesen Schmerz über das, was geschehen ist, über die Verantwortung des Nationalsozialismus und in gewisser Weise auch des ganzen deutschen Volkes herauslesen können", fuhr Lara fort.

Der Papst stellte im Konzentrationslager die Frage, warum Gott während dieser Tragödie geschwiegen habe (vgl. Ansprache). Oberrabbiner Lara ging auf diese Passage der Ansprache des Heiligen Vaters ein und erklärte, dass Benedikt XVI. darin klagestellt habe, "dass es vor jedem Fragen über das Schweigen Gottes notwendig ist, sich über das Schweigen der Menschen Gedanken zu machen, nämlich: Wo war der Mensch in Auschwitz?"

Im Grunde sei der Mensch ein Geschöpf, "in dem das Bild Gottes eingeprägt ist", so Lara. "Er ist ein Geschöpf, das mit Freiheit ausgestattet ist. Wir müssen bedenken, dass der Mensch die Macht der Freiheit, die ihm von Gott geschenkt wurde, sicherlich nicht angemessenen ausgeübt hat. Deshalb ist es doch wirklich angebracht, sich vor jeder theologischen Frage mit einer entsprechenden ethischen oder soziologischen Frage auseinanderzusetzen."

Nach Lara dient das Gedächtnis an die Gräueltaten der Nationalsozialisten dazu, "ein Bewusstsein für das zu entwickeln, was geschehen ist", sowie entschlossen "Nie mehr wieder" zu sagen.

Leone Paserman, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Rom, wies seinerseits darauf hin, dass der Besuch Benedikts XVI. in Auschwitz eine "Anerkennung der Schrecken des Holocausts" gewesen sei. Der Papst hatte am Sonntagnachmittag selbst hervorgehoben, dass es für ihn gewissermaßen eine Pflicht gewesen sei, nach Auschwitz zu kommen: "Ich konnte unmöglich nicht hierher kommen. Ich musste kommen. Es war und ist eine Pflicht der Wahrheit, dem Recht derer gegenüber, die gelitten haben; eine Pflicht vor Gott, als Nachfolger von Johannes Paul II. und als Kind des deutschen Volkes hier zu stehen – als Sohn des Volkes, über das eine Schar von Verbrechern mit lügnerischen Versprechungen, mit der Verheißung der Größe, des Wiedererstehens der Ehre der Nation und ihrer Bedeutung, mit der Verheißung des Wohlergehens und auch mit Terror und Einschüchterung Macht gewonnen hatte, so dass unser Volk zum Instrument ihrer Wut des Zerstörens und des Herrschens gebraucht und missbraucht werden konnte. Ja, ich konnte unmöglich nicht hierher kommen."