Sprechen und Stille gehören zusammen

Letzte Katechese über das Gebet des Herrn

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VATIKANSTADT, 7. März 2012 (ZENIT.org). – Das Schweigen Jesu war das Thema bei der Katechese während der heutigen Generalaudienz, mit der Papst Benedikt XVI. seine Betrachtungen über das Gebet Jesu abschließt. Sprechen und Schweigen gehörten beim Beten zusammen, bildeten eine innere Dynamik.

Der Heilige Vater zitierte den hl. Augustinus mit den Worten: „Wenn das Wort Gottes wächst, werden Menschenworte weniger und wir werden stiller“ (vgl. Sermo 288,5: PL 38,1307). Das Wort Gottes könne man nur hören, wenn man gesammelt und schweigend sei. So habe sich auch Jesus immer wieder zurückgezogen, um einsam und in der Stille zum Vater zu beten.

Damit das Wort Gottes in den Menschen eindringen könne, müsse er in seinem Inneren einen tiefen Raum für die Anwesenheit Gottes schaffen. Neben dieser fruchtbaren Stille gebe es aber auch das Schweigen Gottes, die dunkle und schwierige Stille:

„Der Herr selbst hat es dramatisch am Kreuz erfahren: ‚Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen‘ (Mk 15,34). Jesus lehrt uns damit, dass sich hinter diesem scheinbaren Schweigen Gottes seine große Weisheit und Güte verbirgt, auch wenn er uns nicht zu hören scheint. Wir hätten die Aufgabe, dieses Schweigen auszuhalten „und damit auch fähig zu werden, inwendig seine Antwort und seine Anwesenheit wahrzunehmen.“ Damit könne man auch wahrnehmen, dass Gott größer sei und unser Gebet ins Größere hineinführen wolle.

„So wollen wir den Herrn darum bitten, dass wir selber still werden können und damit fähig, einen Raum für Gottes Wort in uns zu haben, und dass wir das Schweigen Gottes ertragen können und wir uns immer öffnen, um ihn wahrzunehmen und sagen: ‚Ja, er ist da!‘“, so der Papst.[jb]

[Wir dokumentieren die offizielle deutsche Zusammenfassung der Katechese:]

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Liebe Brüder und Schwestern!

Die Betrachtungen über einige Aspekte des Betens Jesu wollen wir nicht beschließen, ohne vorher wenigstens kurz die Bedeutung der Stille in seiner Beziehung zu Gott bedacht zu haben. Bei Christus gehören Sprechen und Stille zusammen, ja sie bilden eine innere Dynamik, die für sein Beten charakteristisch ist. Das Wort Gottes können wir nur in der Stille, in der Sammlung hören. So sagt auch der heilige Augustinus: „Wo das Wort Gottes wächst, werden Menschenworte weniger" (vgl. Sermo 288,5: PL 38,1307). Ganz in diesem Sinne zieht sich Jesus immer wieder in die Einsamkeit zurück, um in der Stille zu beten. Denn die Stille schafft in uns einen tiefen und innerlichen Raum, damit Gott in uns wohnen kann, damit sein Wort in uns bleibt und wir ganz mit seinem Leben erfüllt werden. Dann gibt es aber noch eine zweite Stille: das Schweigen Gottes. Hier hat der Beter an der Verlassenheit der Seele Christi selbst teil, als dieser am Kreuz betete: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen" (Mk 15,34). Zugleich wußte Jesus, daß sein Vater auch in diesem Schweigen ganz bei ihm ist. Und in diesem Wissen fährt er in seinem Beten voller Vertrauen fort: „Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist" (Lk 23,46). Das Beispiel Jesu kann uns eine Anleitung für unser eigenes Beten werden: zunächst betrachten wir, wie Jesus betet; wir hören, was er uns zu beten lehrt, und wir erkennen, auf welche Weise er unser Gebet erhört (vgl. KKK 2598).

[Die deutschsprachigen Pilger grüßte der Papst mit folgenden Worten:]

Ganz herzlich grüße ich die deutschsprachigen Pilger und Besucher. Nehmen wir uns in dieser vorösterlichen Bußzeit immer wieder Zeiten der Stille, um auf dem Weg des vertrauensvollen Gebetes voranzuschreiten und um uns fest mit dem Leben Christi und seiner Liebe zu verbinden. Der Herr schenke euch dazu seine Gnade.

[© Copyright 2011 - Libreria Editrice Vaticana]