Sprecher der orthodoxen Kirche in Polen über den Besuch von Patriarch Kyrill I.

Gemeinsame Botschaft an das russische und das polnische Volk wird morgen in Warschau unterzeichnet

| 837 klicks

von Mariusz Frukacz

CZESTOCHOWA, 16. August 2012 (ZENIT.org). ‑ „Die Wiederversöhnung wird nicht in ein paar Tagen oder Monaten vollendet sein; es wird Jahre dauern. Sie nicht zu suchen, wäre jedoch ein Verrat am Evangelium.“ Diese Worte gebrauchte Henryk Paprocki, Sprecher der orthodoxen Kirche in Polen, bei einem Interview für die polnische katholische Nachrichtenagentur KAI.

Die Aussage des Sprechers der orthodoxen Kirche in Polen erfolgte im Rahmen der Ausfertigung einer gemeinsamen Botschaft an das russische und an das polnische Volk, die am 17. August im Warschauer Königsschloss vom Präsidenten der polnischen Bischofskonferenz, dem Erzbischof Jozef Michalik, und dem Patriarchen von Moskau und der ganzen Rus, Kyrill I., unterzeichnet werden soll. Kyrill I. befindet sich vom 16. zum 19. August auf einer Reise durch Polen.

Paprocki wies darauf hin, dass die Geschichten der beiden Völker „eng miteinander verwoben“ seien. „Wir haben die hellsten und die dunkelsten Seiten unserer Geschichte gemeinsam durchlebt“, so Paprocki. „Aus diesem Grund ist der Besuch des Patriarchen von großer Bedeutung für unsere beiden Länder.“

„Wir hoffen“, sagte Paprocki weiter, „dass dieser Besuch der Auftakt zu immer besseren Beziehungen zwischen unseren Ländern werde.“ Die gemeinsame Botschaft sei „keine Bitte um Vergebung, sondern ein Aufruf an beide Völker, sich um gegenseitige Aussöhnung zu bemühen.“

Für Katholiken und Orthodoxe, für Polen und Russen hänge „das Schicksal des Aussöhnungsprozesses“ stark von dieser Botschaft ab. „Erst jetzt können Russen und Polen mit ihre gemeinsame  Geschichte aufarbeiten und erkennen, wann beide Teile Schuld getragen haben“, erklärte Paprocki.

„Wenn man von Russland und von Polen spricht, spricht man von christlicher Geschichte“, erklärte der Geistliche. „Katholizismus und Orthodoxie sind zwei Formen des Christentums, die fast seit den Ursprüngen der Kirche bestehen; es sind die beiden Lungen der christlichen Religion.“

Deshalb dürften die beiden Konfessionen „sich nicht feindlich gegenüberstehen, denn die wichtigste Botschaft des Christentums ist die Liebe.“ Die Bestrebungen um eine gemeinsame Botschaft sollen daher dazu dienen, eine „liebevolle Beziehung“ zwischen Orthodoxie und der katholischen Kirche zu garantieren, mittels derer „die Botschaft der Evangelien verwirklicht werden“ könne.

Der Sprecher der polnischen orthodoxen Kirche glaubt, dass im Zusammenhang mit dieser russisch-polnischen Aussöhnung „Polen auch zu einer Brücke werden“ könne, „die Russland mit dem Westen verbindet.“ Gegenüber dem KAI erklärte Paprocki: „Russland und Polen sind christliche Länder, die vor allem das Evangelium vereint. Bedenken wir, dass wir tausend Jahre lang denselben Weg gegangen sind und Kirchenväter gemeinsam gehabt haben, auf denen die Doktrin sowohl der katholischen als auch der orthodoxen Kirche zurückgeht. Wir feiern die gleichen Feste und haben vieles gemeinsam.“

Die gemeinsame Botschaft der beiden Kirchen, der katholischen in Polen und der orthodoxen in Russland, sei auch „eine Verwirklichung des Willens unseres seligen Papstes Johannes Paul II.“, beendete Paprocki sein Interview. Und dieser Wille des seligen Karol Wojtyla sei „auch der Wille Jesu Christi, dem jeder Christ in seinem Leben nachstreben sollte.“

[Übersetzung des italienischen Originals von Alexander Wagensommer]