Sri Lanka: Bischof reist inkognito ins Kriegsgebiet

Sein Appel an den Staatspräsidenten bleibt ungehört

| 1273 klicks

COLOMBO, 20. Januar 2009 (ZENIT.org).- Ein Bischof im nördlichen Sri Lanka hat nach einer geheimen Erkundungsfahrt zu den im Kriegsgebiet eingeschlossenen Menschen an den Präsidenten seines Landes appelliert, die Bombardierung unschuldiger Zivilisten einzustellen.

Obwohl es ihm offiziell verboten war, den nördlichen Vanni-Bezirk, der vom Kampf zwischen Regierungstruppen und Rebellen betroffen ist, zu betreten, reiste Bischof Savundaranayagam von Jaffna inkognito in das Gebiet, um die Lage selbst in Augenschein zu nehmen und sich über die Not der Menschen zu informieren. Während seiner Reise, die im Dezember stattfand, verteilte er Notfallhilfe, die er vom pastoralen Hilfswerk Kirche in Not erhalten hatte. Sein Besuch fiel mit dem Wiederaufflammen der Auseinandersetzungen zusammen, nachdem die von der Regierung in Colombo ausgesandten Truppen nach der Eroberung der Bezirke von Kilinochy und Paranathan auch die Kontrolle über Vanni gewonnen hatten.

In einer Botschaft an „Kirche in Not", in der er die Verteilung der Hilfe ankündigte, beschrieb der Bischof, dass er eine große Anzahl von Flüchtlingen in sehr bedrängten Verhältnissen gesehen habe. Die Menschen waren aus Dörfern geflohen, die in den Konflikt zwischen der Armee und den Tamil-Tiger-Rebellen geraten waren. Bischof Savundaranayagam, dessen Diözese der nördlichen Teile Sri Lankas einschließlich der Halbinsel  Jaffna umfasst, berichtete, dass Priester und Ordensfrauen in Vanni zusammen mit den Menschen in deren kleinen Hütten wohnten. Er erklärte, dass die Hilfe von „Kirche in Not" über den Klerus verteilt werde, der verzweifelt versuche, den Menschen in jeder nur möglichen Weise zu helfen.

Der Bischof appellierte inständig an Staatspräsident Mahinda Rajapakse, die Zivilisten von weiteren militärischen Aktionen zu verschonen. In seinem Brief an den Präsidenten beschrieb er, wie „aufgrund des ständigen Beschusses und der Bombardierung aus der Luft durch die Sicherheitskräfte von Sri Lanka ... Menschen getötet und verwundet werden".

Bischof Savundaranayagam bat die Regierung, keine Kirchen und Tempel anzugreifen, in die sich Menschen zu ihrem Schutz geflüchtet hätten. In seinem Brief heißt es diesbezüglich: „Kirchen und Tempel sind traditionell Plätze der Flucht in Zeiten der Gefahr. Deshalb flehe ich die Regierung an, damit aufzuhören, Mörsergranaten auf Stätten des Gebets abzufeuern und Luftangriffe auf zivile Ziele zu beenden." Zudem unterstrich er, dass es Pflicht der Regierung sei, einen offenen und sicheren Korridor für Menschen zu öffnen, die dem Beschuss entgehen wollten. Der Bischof kritisierte auch die Rebellen dafür, dass sie keine sicheren Passagen schafften.

In einem Gespräch mit „Kirche in Not" von Jaffna aus beklagte der Bischof am 13. Januar, dass die Regierung den Beschuss trotz seines Appells nicht eingestellt habe. Er beklagte die zivilen Todesopfer durch die Bombardements und sagte: „Es ist schwer, Zivilisten und Tiger aus 6.000 Metern Höhe voneinander zu unterscheiden." Er bedauerte, dass „nichts geschieht, weil die Regierung ständig sagt, dass sie das Gebiet zu befreien habe; aber das Leid der Menschen geht weiter". Die Binnenflüchtlinge und die örtlichen Zivilisten haben entlang der Paranthan-Mulaithivu-Straße (A35) Zuflucht genommen und sind besonders zwischen Dharmapuram und Puthukudiyiruppu konzentriert.

Nach Worten von Bischof Savundaranayagam versorgt die Regierung durch das Rote Kreuz die Bevölkerung mit Lebensmitteln und medizinischer Hilfe. Allerdings seien viele Krankenhäuser verlegt worden, und medizinische Betreuung gebe es deshalb häufig nur in Behelfseinrichtungen.

„Eine militärische Lösung kann keine Dauerlösung für das gegenwärtige Problem sein", so Bischof  Savundaranayagam.

Die Regierung beendete im Jahre 2006 einen sechsjährigen Waffenstillstand mit den Rebellen, um im 26 Jahre alten Konflikt, der bis jetzt mindestens 70.000 Menschen das Leben gekostet hat, den Sieg davonzutragen. Noch Ende des letzten Jahres sah es so aus, als ob das Ziel der Tamil-Tiger eines eigenen separaten Staates in weite Ferne gerückt sei, nachdem die Armee sie weit in den Norden des Landes getrieben hatte.