Sri Lanka: Der Tsunami vereint Buddhisten, Hindus, Christen und Moslems

Gemeinsamer Gedenkmarsch für die Opfer der Katastrophe am 5. Februar

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COLOMBO, 27. Januar 2005 (ZENIT.org).- Die Hauptstadt von Sri Lanka war diesen Mittwoch Schauplatz einer großen interreligiösen Gedenkfeier, an der Buddhisten, Hindus, Christen und Moslems der über 31.000 Opfer der Flutkatastrophe vom 26. Dezember 2004 gedachten und für sie und alle Betroffenen beteten.



Die Initiative ging von der ”Inter-religious Peace Foundation” aus, einer Organisation, die sich für den religiösen Dialog und für Frieden einsetzt. Eine zweite solche Begegnung ist für den kommenden 5. Februar vorgesehen. Von der Hauptstadt Colombo aus will man in die nördliche Stadt Jaffna marschieren und ein Gebiet durchschreiten, das von tamilischen Rebellen kontrolliert wird, den "Befreiungstigern von Tamil Eeelam“. An den von der Tragödie am meisten betroffenen Orten soll kurz angehalten werden, um sich die Nöte der Bevölkerung einprägen zu können. An den zerstörten Kultorten werde man beten und den dort stationierten Mönchen Hilfe bringen, erklärte der buddhistischen Mönch Madampagama Assagi gegenüber der Tageszeitung “Colombo News“.

Nach Angaben der ”Inter-religious Peace Foundation" sind mindestens 77 buddhistische Tempel und 67 christliche Kirchen durch die die Wassermassen zerstört oder ernsthaft beschädigt worden. Wie es mit den Hindutempeln und Moscheen steht, werde noch geprüft, heißt es.

”Ziel des Marsches ist es, den Menschen den besseren Werg zu zeigen", sagt Pater Damian Fernando, der Caritas-Direktor von Sri Lanka, "und das man zusammen leben und arbeiten kann".

Für die Religionsvertreter bietet die Ankündigung dieser Initiative eine Möglichkeit, auf die zögerliche Hilfeleistungen von Seiten der Regierungsbehörden hinzuweisen: Der zuvor zitierte Mönch Assagi erklärte zum Beispiel, dass die versprochene Finanzhilfen der Regierung – 3 Euro pro Person, 20 pro Familie – noch nicht bereitgestellt worden sei.

Vergangenen Mittwoch, am Staatstrauertag für die Opfer des Seebebens, wurden in ganz Sri Lanka unzählige religiöse Feierlichkeiten abgehalten.

Msgr. Thomas Savundaranayagam, der Bischof von Jaffna, feierte in der Kathedrale eine Messe für die katholische Minderheit in Sri Lanka. In seiner Predigt lud er zum Gebet “für alle, die ihr Leben beim Seebeben verloren haben" ein, sowie "für alle Überlebende, dass sie die Hoffnung nicht aufgeben und den Mut zum Neuanfang finden", meldete die Nachrichtenagentur "Misna“.

Der Bischof wies darauf hin, dass die Mehrheit der Bevölkerung in den betroffenen Gebieten tamilischer Abstammung und somit Hindus seien, die ihrer Verstorbenen in den verschiedenen Tempeln der Region gedacht hätten. Aus diesen Gebieten des Südens und Westens von Sri Lanka aus, ihren Bastionen, haben die tamilischen Rebellen eine Botschaft verschickt, in der sie alle Menschen einladen, “den Schmerz und die Trauer unserer Geschwister zu teilen, die ihre Lieben verloren haben”.

Die katholische Gedenkfeier im südlichen Mullaitivu, einer Region mit den größten Zerstörungen, sei überaus beeindruckend gewesen, erinnert sich Bischof Savundaranayagam im Nachhinein: “Eine große Zahl von Menschen versammelte sich, um an der heiligen Messe unter freiem Himmel teilzunehmen. In der Mitte stand ein symbolischer Sarg, mit den Fotos und Namen vieler Opfer. Am Ende der Feier wurde der Sarg in einer Prozession dorthin getragen, wo vor dem Unglück eine Kirche gestanden war. Sie wurde vom Seebeben zerstört."

Die Zahl der Todesopfer der Flutkatastrophe mit seinem Epizentrum im indonesischen Nordosten beläuft sich mittlerweile auf 300.000.