Sri Lanka: Dialog statt Anti-Bekehrungsgesetz

Stellungnahme von Erzbischof Joseph Vianney Fernando von Kandy

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ROM, 10. Mai 2005 (ZENIT.org).- Für Erzbischof Vianney Fernando von Kandy, Vorsitzender der Bischofskonferenz von Sri Lanka, ist das in seinem Land heftig debattierte Anti-Bekehrungsgesetz eine überaus heikle Angelegenheit, die die nationale Eintracht zu gefährden drohe.



Anlässlich des alle fünf Jahre stattfindenden Besuchs der Bischöfe von Sri Lanka beim Heiligen Stuhl in Rom erklärte Erzbischof Vianney im Gespräch mit der Nachrichtenagentur "Fides", weshalb ein solcher Gesetzesentwurf überhaupt entstanden sei.

"In den letzten 30 Jahren haben sich in Sri Lanka viele fundamentalistische christliche Sekten ausgebreitet und Unmut bei der buddhistischen Bevölkerungsmehrheit hervorgerufen." Diese Sekten würden oft fragwürdige Methoden anwenden, um zu neuen Mitglieder zu kommen, gab der Erzbischof zu bedenken. So sei es schließlich dazu gekommen, dass einige Buddhisten "allen Christen pauschal vorwerfen, Proselytismus zu betreiben und mit ethisch nicht vertretbaren Mitteln Zwangsbekehrungen vorzunehmen".

Bereits im Vorjahr hatte der Oberste Gerichtshof Sri Lankas den Entwurf zum Anti-Bekehrungsgesetz zurückgewiesen und festgestellt, dass es gegen die "fundamentalen Rechte und Freiheiten" des Menschen verstoße.

Sollte die Regierung weiterhin auf diesem Gesetz bestehen, "werden wir energisch protestieren", sagte Erzbischof Vianney diese Tage in Rom. "Gemeinsam mit den anderen christlichen Gemeinschaften Sri Lankas werden wir in einer noch zu veröffentlichten Erklärung festhalten, dass auch wir gegen 'unethische Bekehrungen' sind. Jede echte Bekehrung des Herzens ist eine Sache, die allein zwischen Mensch und Gott stattfindet", erläuterte er. "Und die Kirche wird die Freiheit des Gewissens stets verteidigen und auch fördern."

Der Erzbischof von Kandy und die übrigen Bischöfe von Sri Lanka "sind vollkommen davon überzeugt, dass solche Probleme nicht durch ein Gesetz gelöst werden können, mit dem Freiheiten eingeschränkt werden, sondern durch Dialog und die Anwendung der bereits bestehenden Gesetze."

Als Lösung schlägt die Kirche die Schaffung eines interreligiösen Rats vor. Dessen Mitglieder, die vom Parlament ernannt werden sollen, könnten dann gemeinsam eine wirksame Lösung erarbeiten. Diese Idee werde von den einflussreichsten Buddhisten Sri Lankas unterstützt, fügte Erzbischof Vianney an.

"Das Thema Bekehrung ist sicher eines der heikelsten Themen für die Kirche in der heutigen Zeit. In unserem Land herrscht der Pluralismus, und wir dürfen nicht zulassen, dass die nationale Eintracht zerstört wird." Der Erzbischof von Kandy verstehe auch die Haltung jener Buddhisten, die für das Anti-Bekehrungsgesetz eintreten würden, aber es sei dennoch "notwendig, Brücken des Dialogs zu errichten. Und dieses Gesetz ist ein Angriff auf die nationale Eintracht."