Sri Lanka: Mutter-Theresa-Schwestern Opfer falscher Anklagen

Erzbischof von Colombo, Malcom Ranjith, verteidigt Werk der Missionarinnen

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Von Anne Kurian

ROM, 13. Dezember 2011 (ZENIT.org). – Kardinal Ranjith hat die nationale Presse Sri Lankas dazu aufgefordert, „so schnell wie möglich“ die „unbegründeten Anklagen“ gegen die Mutter-Theresa-Schwestern von Kalkutta und das Heim „Prem Nivasa di Morutwa“ zurückzuziehen.

Von einem anonymen Anrufer wurden die Missionarinnen der Nächstenliebe, die in Morutwa in der Nähe der Hauptstadt Colombo ein Haus für Kinder und junge Mütter betreuen, beschuldigt, „Kinderhandel“ zu betreiben.

Wie die Agentur AsiaNews berichtet, rief der Erzbischof von Colombo, Malcom Kardinal Ranjith, am vergangenen Montag in einer Pressekonferenz dazu auf, vor Weihnachten keinerlei offiziellen Erklärungen abzugeben, bis nicht die ganze Wahrheit über den Fall aufgeklärt sei.

„Die Missionarinnen von Prem Nivasa haben niemals ein Kind verkauft noch haben sie ein Kind ausländischen Paaren zur Adoption freigegeben, ohne die vom Gesetz vorgesehenen Vorschriften der ‚Probation Offices‘ (Bewährungsämter) zu befolgen“, hob der Kardinal hervor.

Das „Probation Office“, ein Bereich des Amts für Sozialwesen von Colombo, arbeite „in engem Kontakt“ mit der religiösen Kongregation zusammen, erklärte Ranjith.

„Die Mitarbeiter dieses Büros besuchen Prem Nivasa regelmäßig und helfen den Ordensschwestern bei ihrem Dienst an den Waisen und Mädchen in Not. Der Leiter des ‚Probation Office‘ hat in einem Interview die Arbeit der Missionare von Prem Nivasa als ‚regeltreu‘ beschrieben“, präzisierte Kardinal Ranjjith.

Während der Pressekonferenz kritisierte der Kardinal die lokalen Medien, die den Ruf der Mutter Theresa-Schwestern besudelt hätten. „Einige Journalisten sprechen von Kindern, die entweder für 700 Rupien (ca. 4500 Euro) oder für 35 Rupien (ca. 230 Euro) verkauft würden. Das ist alles Schwindel.“

Der Kardinal zitierte als „Irreführung“ beispielsweise den Titel der Tageszeitung „Lankadeepa“, der lautete: „Man kann darüber diskutieren, warum die ausländischen Eltern Kinder mit Behinderung adoptieren“.

Wie Ranjith erklärte, impliziere der besagte Titel, dass die behinderten Kinder aus niederen Beweggründen wie dem Organschmuggel ins Ausland vermittelt würden. „Es bleibt immer Raum für Spekulationen, und in diesem Falle handelt es sich um schwere und gefährliche Anklagen“, so der Erzbischof von Colombo.

Der Erzbischof erklärte auch sein anfängliches Schweigen: „Anfangs hatte ich  entschieden, mich nicht in diese Anschuldigungen einzumischen. Aber die Kritiken einiger ausländischer Medien haben mich veranlasst, die Positionen der Kirche und Sri Lankas zu klären.“

Auf Anordnung der „National Child Protection Authority“ (NCPA [„Nationalen Autorität zum Kinderschutz“]), einer Gesellschaft, die eng mit Präsident Mahinda Rajapaksa zusammenarbeitet, wurde die Oberin des Hauses, Mary Eliza, von der Polizei in der Nacht des 25. November in Prem Nivasa verhaftet und in das Frauengefängnis Welikada gebracht, aus dem sie am 28. November gegeb eine Kaution freigelassen wurde.

Prem Nivasa ist ein bedeutender Bezugspunkt für Gesellschaften, die in den Bereichen Kinderadoption in Sri Lanka arbeiten; nach der Verhaftung Schwester Elizas kamen aber alle Vorgänge zum Erliegen.

Auch wenn bis jetzt die Polizei keinen einzigen Hinweis gefunden hat, der die Anschuldigungen des Kinderhandels belegen würde, wirft die NCPA den Ordensschwestern weiterhin Gesetzesbruch vor. Für den Präsidenten dieser Gesellschaft, Anoma Dissanayake, ist das Heim als Kinderhilfszentrum registriert und nicht als ein Zentrum für junge Mütter.

[Übersetzung aus dem Italienischen von Jan Bentz]