Sri Lanka: "Unsere Hauptaufgabe ist die Aussöhnung"

Msgr. Thomas Emmanuel, Bischof von Jaffna, am Rande des "Ad limina"- Besuchs im Vatikan

Rom, (ZENIT.org) | 231 klicks

„In Sri Lanka besteht die Hauptaufgabe der Bischöfe und der christlichen Laiengläubigen vor allem in der Aussöhnung, die in unserem Land dringend notwendig ist“, so Bischof Thomas Emmanuel von Jaffna am Rande des Ad limina Besuchs der Bischofskonferenz im Vatikan. Das Land, in dem fast 30 Jahre lang Bürgerkrieg herrschte, ist auch heute noch gespalten zwischen Singhalesen (75% der Bevölkerung) und Tamilen (11%), die vorwiegend im Norden und Osten der Insel leben. Fünf Jahre nach Ende des Konflikts (1983-2009) betont der Bischof, dessen Diözese sich in einer von Tamilen bewohnten Region befindet: „Als Kirche sind wir der Ansicht, dass nach dem Ende des Krieges eine politische Lösung dringend notwendig ist: dies erwarten und wünschen wir uns von der Regierung, für die Region und die tamilische Bevölkerung“. Die Lösung könnte zum Beispiel eine Autonomie im Rahmen einer Föderation sein, wobei einige Verwaltungskompetenzen an die Region abgegeben werden.

„Bei den Treffen mit den verschiedenen Dikasterien des Heiligen Landes, stellten wir Bischöfe die Situation in unserem jeweiligen Bistum vor“, so der Bischof weiter, „wobei natürlich auch über die Schwierigkeiten gesprochen wird, auf die wir bei unserer pastoralen Arbeit stoßen. In Jaffna sind die Zeichen der drei Kriegsjahrzehnte noch sichtbar: meine Diözese Jaffna war Kriegsschauplatz. Der Krieg hat uns körperliche und moralische Kraft geraubt. Es war nicht einfach, als Instrument der Gewaltlosigkeit in einem blutigen bewaffneten Konflikt aktiv zu werden, der Tausende Menschen das Leben kostete.“

„Die größte Herausforderung für meine Diözese ist heute die Flüchtlingsarbeit“, so der Bischof, weiter, „bei Kriegsende gab es 300.000 Vertriebene. Es wurden Rückführungsprogramme in die Wege geleitet, doch es wurden noch nicht alle Wohnungen wieder aufgebaut. Die Menschen brauchen wieder ein würdiges Leben. Neben materiellen Bedürfnissen muss auch das emotionale und geistige Gewebe wieder hergestellt werden. Die Menschen sind traumatisiert von Gewalt, Morden, Trauer. Heute arbeiten wir für die Aussöhnung und versuchen die Menschen in dieser Phase zu begleiten, damit sie wieder Vertrauen in Gott und die Vorsehung haben.“

„Damit dies gelingt“, so Bischof Emmanuel, „müssen Singhalesen und Tamilen sich gegenseitig akzeptieren und einander zuhören. Die Regierung stimmt triumphierende Töne gegen den Terrorismus an und hält an der militärischen Präsenz im Norden fest. Es gibt kein Verständnis für den Schmerz der zivilen Opfer: dies wäre jedoch angebracht, da wir Bürger desselben Landes sind. Solidarität und gegenseitige Annahme muss es an der Basis geben: wir müssen zusammenleben in diesem kleinen Land und uns von Spaltung und Hass befreien, damit es wieder Harmonie gibt. Dies ist die einzige Hoffnung für Sri Lanka. Die Kirche spielt dabei eine prophetische Rolle in diesem Prozess, da sie sowohl singhalesisch als auch tamilisch ist.“ 

„Wir haben den Papst gebeten, seine Autorität und seinen moralischen Einfluss zu nutzen und die Regierung um eine politische Lösung zu bitten, die Harmonie und Gleichberechtigung in der Gesellschaft herstellt. Papst Franziskus hat uns gebeten, unserem Amt treu zu bleiben und uns um unsere Priester und Gläubigen zu kümmern. Wir sollen die Hoffnung nicht aufgeben“, so der Bischof, „Ein Besuch in Rom ist stets eine tiefe Glaubenserfahrung. Wir sind von der Einfachheit des Papstes beeindruckt und von seiner Liebe zur Mission. Wir würden uns über seinen Besuch in Sri Lanka freuen.“ (PA)

(Quelle: Fides 7/5/2014)