Sri Lanka: Vorrangige Hilfe für Fischer

Starke Regen verschlimmert die Lage, sagt der Erzbischof von Colombo

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ROM, 11. Januar, 2005 (Zenit.org).- Hilfeleistungen in Sri Lanka kommen nach den tödlichen Flutwellen vor zwei Wochen vorrangig den schwer verwüsteten Fischergemeinden zugute. Ihre Lage ist nach jüngsten Einschätzungen der Diözesanen Caritasstelle in der schwer verwüsteten Region um Galle, einer an der Südküste gelegenen Stadt, dramatisch.



Rund 80% der Fischereiflotte an Sri Lankas Küste sind am 26. Dezember von den ungeheuren Fluten weggespült worden – an die 23.000 Schiffe. Jeder Fischer benötige, so die Fischerleute, mindestens 2.000 US-Dollar (1.525,44 Euro) für ein neues Boot und nötiges Zubehör. Damit wäre die Existenz einer ganzen Familie vorläufig gesichert.

Sri Lankas Caritas entwickelt unterdessen spezielle Hilfsprogramme zur Ersetzung der zerstörten Fischereiflotte. In den betroffenen Gebieten dienen Kirchen als Auffanglager für ganze Fischereigemeinden, deren Wohnstätten ausradiert worden sind. Vergangenen Montag hat für die Kinder der Schulalltag wieder begonnen. Weggeschwemmte Schulbücher und alles sonst Notwendige wird von Caritas zur Verfügung gestellt.
Oswald Gomis, Erzbischof von Colombo, hat vergangene Woche in einem Hilferuf an alle Welt um Spenden für den von ihm eigens eingerichteten Flutkatastrophen-Hilfsfond gebeten.
Im Gespräch mit Zenit betonte er unter anderem, dass das Ausmaß der Tragödie alle Kategorien des menschlichen Denkens sprenge.
"Ich sah das Desaster mit eigenen Augen. Was sich in einigen Gebieten, etwa in Berula, abspielte, war an diesem ersten Tag [der Flutkatastrophe] einfach unglaublich.

In der größten Diözese des Landes, die ungefähr die Hälfte der katholischen Bevölkerung Sri Lankas ausmacht, haben wir ein Noteinsatzteam mit neun Priestern und Laien organisiert", erklärte Gomis. "Auch die östliche Provinz, dort wohnen die meisten Katholiken, habe ich besucht. Dort hat es eine riesige Zerstörung gegeben, die in dieser Regenzeit noch schlimmer wird. Wenn diese starken Regengüsse niedergehen, können sich vielleicht einfach keinen Weg durch die Fluten bahnen, die auch ohne Tsunami schlimm genug sein können", so der Bischof.

Um den vielen Obdachlosen helfen zu können, gibt es in der Diözese von Colombo bereits eine Strategie: "In der ersten Phase haben wir im Grundstück des St. Vincent's Home einen großen Campingplatz errichtet. Die Kirche kümmert sich in diesem Camp um alles, was die Menschen benötigen. Dann planen wir für diese Menschen, die ja keine Wohnungen mehr haben, Wohnstätten zu bekommen. Wir müssen ihnen Herbergen geben, Zelte etwa, damit sie dann wieder langsam damit beginnen, zur Fischerei oder anderen Beschäftigungen zurückzukehren und ihre Familien erhalten können.

Daneben werden wir im geplanten Hausbauprogramm mithelfen. Das ist von großer Dringlichkeit und eine zweite Phase. Die Regierung hat bereits beschlossen, dass sich diese Leute nicht mehr in den sehr gefährlichen Küstenlandstrichen ansiedeln dürfen. Sie ist dabei, Wohnprojekte auszuarbeiten. Uns wird dabei eine bedeutende Koordinationsrolle zufallen, damit man sieht, wie man am besten vorgehen kann."
Rund 40% der Toten des 26. Dezember sind Kinder, und viele derer, die überleben durften, haben ihre Eltern verloren. Um ihnen zu helfen, werde man zunächst die genaue Zahl der Waisenkinder ermitteln, erklärte Erzbischof Gomis. Diese Aufgabe sei den Mutter Teresa-Schwestern anvertraut, "die nach ihnen sehen und für sie in den Notfallcamps sorgen". Mit Hilfe von Spezialisten wolle man sie auch psychologisch betreuen, fügte Gomis hinzu.

Abschließend bemerkte Erzbischof Gomis, die Menschen seien sich nun ganz klar dessen bewusst, "dass wir einer solchen Situation gleichermaßen hilflos gegenüberstehen. Dies ist für uns eine klare Botschaft, dass wir uns zusammentun sollen, um unser Land mit vereinten Kräften wieder herzustellen."