Stammzellforschung: Chancen, Grenzen, Konsequenzen

Wissenschaftstagung der Unitas betont Menschenwürde von Anfang an

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ESSEN, 25. November 2008 (ZENIT.org).-Bei der jüngsten Wissenschaftstagung des katholischen Studentenverbandes UNITAS wurden die Chancen, Grenzen und Konsequenzen der umstrittenen Stammzell-Forschung erörtert. Das Podium über die ethischen, rechtlichen und politischen Aspekte der Stammzell- Forschung setzte sich mit dem Beitrag von Prof. Dr. Ulrich Eibach, Professor für Systematische Theologie und Ethik an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn auseinander, der die Stammzellforschung aus christlich-ethischer Sicht präsentierte.

Der Biologe, Theologe und Ethiker erörterte Begriff und Inhalt der Menschenwürde im Kontext einer „verbrauchsorientierten“ Embryonenforschung, an die sich hohe medizinische Erwartungen knüpften. Über Fragen zum Beginn menschlichen Lebens aus biologischer und anthropologischer Sicht spannte er den Bogen bis zum Rechtsverständnis des Grundgesetzes.

Prof. Eibach zeigte ethische Konfliktsituationen auf und verwahrte sich gegen das Ausspielen von Prinzipienethik gegen Verantwortungsethik. Nachdrücklich unterstrich er, die Humanität einer Gesellschaft erweise sich nicht in einer verbesserten Behandlung von Krankheiten, sondern im Umgang mit unheilbar Kranken.

Er warnte ausdrücklich vor einer Aufweichung des Tötungsverbots: Das christliche Verständnis von der Gottesebenbildlichkeit des Menschen und die Rechtsordnung des Grundgesetzes ließen kein abgestuftes Lebensrecht zu, so der Ethiker. Dem Menschen wird seine Würde nicht zugesprochen, sondern sie komme ihm bereits vom Zeitpunkt seiner Entstehung an zu. Damit müsse ihm uneingeschränkter Schutz in allen Phasen des Lebens gelten, unterstrich Eibach.

Dass ganz im Gegensatz zur Gewinnung von Stammzellen aus Embryonen die Entwicklung von Therapien aus adulten Stammzellen längst erheblich größere Fortschritte macht, zeigte Dr. Christiana Mira Schannwell, Privatdozentin an der Uni-Klinik in Düsseldorf. Gerade erst mit einem begehrten US-amerikanischen „Research Award“ ausgezeichnet, verzeichneten die von ihr vorgestellten und in Deutschland entwickelten neuen Verfahren zur Behandlung von Herzinfarktpatienten eine sprunghafte Anwendung weltweit. Alle Daten zur Therapie mit Stammzellen nach einem akuten Herzinfarkt zeigten Spitzenergebnisse zu Verträglichkeit, Wohlbefinden des Patienten, Krankheitsverlauf und -dauer. Nebeneffekte seien nicht zu beobachten. Vor allem: Für den Einsatz von adulten Zellen aus dem Knochenmark des Menschen gebe es – im Gegensatz zu den embryonalen Stammzellen – keine ethischen Probleme.

Die FDP-Bundestagsabgeordnete Ulrike Flach, technologiepolitische Sprecherin ihrer Partei und Mitglied des Parlamentarischen Ethikbeirats, plädierte dagegen im Sinne einer 'Ethik des Heilens' und einer 'menschenfreundlichen Medizin' für breite Forschungsmöglichkeiten mit embryonalen Stammzellen auch in Deutschland, wo die geltende gesetzlichen Kompromisslösung dieser Forschung enge Grenzen setze.

Nicht ohne heftigen Widerspruch von Christian Poplutz, Mitglied im Bundesvorstand der Christdemokraten für das Leben (CDL). Er argumentierte aus rechtlicher und christlicher Sicht gegen diese Forschung und den Import von aus menschlichen Embryonen gewonnenen Stammzellen aus dem Ausland. Embryonale Stammforschung sei im Wesentlichen subventionierte Grundlagenforschung, der Lebensrecht und Menschenwürde geopfert würden – ohne dass bislang ein Nutzen deutlich werde. Damit sei auch eine Rückverlegung des Stichtages nur konsequent, so der Vorsitzende des Beirats für Gesellschaftspolitik des Unitas-Verbandes.

Die allgemeine Debatte berühre unter anderem auch die sehr unterschiedliche Gesetzeslage weltweit: Trotz seiner einzigartigen rechtlichen „Insel“-Situation sei Deutschland in der adulten Stammzellforschung inzwischen führend, stellte Dr. Schannwell heraus und plädierte für EU-weit geltende, eindeutige gesetzliche Vorgaben für die Forschung. Mit zahlreichen Unterschriften unterstützten die Teilnehmer der Tagung eine Europäische Petition „Für das Leben und die Würde des Menschen“. Sie fordert das Recht auf Leben eines jeden Menschen von der Zeugung bis zum natürlichen Tod und das sofortige Ende der finanziellen Förderung der verbrauchenden Forschung an menschlichen Embryonen.

Von Christof Beckmann