Star Wars und die Päpstlichen Garden

Neues Buch von Ulrich Nersinger in Planung

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Von Jan Bentz

ROM, 8. Juni 2012 (ZENIT.org). – Wer an der Geschichte des kleinsten Staates der Welt, des Vatikanstaates und dessen Herrschern, den Päpsten, interessiert ist, für den ist Ulrich Nersinger ein Begriff. Als Vatikanexperte verbreitet er in Vorträgen, Beiträgen für Zeitschriften und mit seinen Büchern interessante geschichtliche Forschungsergebnisse und auch bisher wenig beachtete Details  über die Geschichte des päpstlichen Hofs und des Vatikans. Gerade hielt er sich zu Forschungszwecken für ein neues Buch in Rom auf und verriet in einem Gespräch mit  ZENIT, wovon es handeln wird.

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ZENIT: Sie sind nach Rom gekommen, um Forschungen für ein neues Buch anzustellen. Könnten Sie uns schon einmal einen kleinen Einblick geben?

Ulrich Nersinger: Ja, natürlich. Das Buch wird die vier ehemaligen bzw. noch existierenden Palastgarden des Papstes, also die Nobelgarde, die Palatingarde, die päpstliche Gendarmerie und die Schweizergarde vorstellen. Die Schweizergarde hat 1870 die Auflösung der Kirchengewalt über Rom überlebt, und die päpstliche Gendarmerie hat heute wieder eine Art der Wiederbelebung erfahren. Es geht vor allem darum, diese vier Palastwachen vorzustellen, ihre geschichtliche Entstehung, ihre Leistungen und so weiter.  Es geht hier nicht nur um militärische Errungenschaften die Palatingarde hat beispielsweise in der Zeit der Besetzung 1943 Großartiges geleistet. Diese Garden waren ja schließlich keine Nationalarmeen, sondern hatten jeweils einen eigenen Hintergrund. Gerade im Vergleich könnte das ziemlich interessant werden.

ZENIT: Entspringt dieses Buch Ihrer eigenen Idee, oder hat der Vatikan, beziehungsweise die Schweizergarde selber Interesse an einer solchen Forschung geäußert?

Ulrich Nersinger: Aus dem Vatikan gab es schon die eine oder andere Stimme, die Freude darüber geäußert hat, wenn ein solches Thema einmal in einer Gesamtschau dargestellt würde. Wir haben eigentlich das Wirken dieser Garden noch nie umfassend schriftlich dokumentiert, es gab immer nur sehr spärliches Material.

ZENIT: Spielen diese Garden heute überhaupt noch eine Rolle? Die Schweizergarde dient dem Papst immer noch und genießt große Beliebtheit bei den Touristen. Aber wie steht es mit den anderen Garden?

Ulrich Nersinger: Ja, es gibt da tatsächlich eine ganz kuriose Sache: Ich bin ein großer Science-Fiction-Fan und ein großer Freund von Star Wars („Krieg der Sterne“) und Star Trek… Bei Star Wars haben wir eine sehr interessante Sache: In den ersten Filmen kann der Zuschauer die imperiale Garde kennenlernen, die Leibgarde des Imperators sehen. Wenn man nun genau hinschaut, kann man erkennen, dass sie eine dunkle und eine rote Uniform tragen. Wie man mir versicherte, haben die damaligen Buchautoren tatsächlich Bilder von der päpstlichen Ehrengarde gesehen und es als Vorlage gewollt. Das klingt zwar sehr lustig, aber Parallelen gibt es offensichtlich.

ZENIT: Wann wird das Buch veröffentlicht?

Ulrich Nersinger: Ich hoffe, dass es noch in diesem Jahr möglich ist. Ich werde mich bemühen, das so schnell wie möglich fertig zu stellen. Es gibt da noch eine ganze Reihe von geschichtlichen Traditionen, von denen wir gar nicht wissen, dass wir sie den Garden verdanken. Wir haben zwei berühmte Märsche, die heute wieder gespielt werden: beim Einzug des Papstes wird von Trompetern heute ein sehr feierlicher Marsch gespielt, der von einem Nobelgardisten komponiert wurde. Wenn man genau hinschaut, findet man überall noch Spuren. Die Palatingarde, die aufgelöst wurde, ist heute trotzdem noch in Rom präsent und hilft bei den Papstaudienzen und -messen mit. Die Gendarmerie hatte famose historische Einsätze und ist heute sogar Mitarbeiter von Interpol. Sie arbeiten mit einer Art „Special Forces“ und vollbringen sehr eindrucksvolle Leistungen. Natürlich immer im Zusammenspiel mit der traditionsreichen Schweizergarde. Das alles sind schon Überlegungen, warum man sich mit einem solchen Thema beschäftigen kann.

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*Ulrich Nersinger ist Historiker und Spezialist für Geschichte der Päpste und des Vatikanstaates. Er studierte Philosophie und Theologie in Bonn, Wien und Rom und am Päpstlichen Institut für Christliche Archäologie. Er ist Mitglied der „Pontificia Accademia Cultorum Martyrum“. Unter seinen zahlreichen Veröffentlichungen sind ein zweibändiges Werk „Liturgien und Zeremonien am Päpstlichen Hof" und sein neuestes Werk „Tiara und Schwert - Die Päpste als Kriegsherren“.