Starbesetzter Film Noir

Filmrezension: Broken City

Berlin, (ZENIT.orgtextezumfilm) Dr. José García | 455 klicks

Bei einem nächtlichen Einsatz in einer Sozialbausiedlung tötet der New Yorker Polizist Billy Taggart (Mark Wahlberg) einen jungen Drogendealer. Trotz der Zeitlupe ist die Szene so verfilmt, dass es offen bleibt, ob es sich um Notwehr oder um Mord handelt. Bei der Gerichtsverhandlung wird Taggart zwar freigesprochen, aber den Job darf er nicht behalten. Denn neues, den Polizisten offenbar stark belastendes Beweismaterial ist kurz vor Prozessende in die Hände des Polizeichefs Colin Faribanks (Jeffrey Wright) gelangt. Obwohl er sich Taggarts Entlassung nicht widersetzt, möchte New Yorks Bürgermeister Nicholas Hostetler (Russell Crowe) dieses Material jedoch lieber geheim halten.

Sieben Jahre später arbeitet der ehemalige Polizist als Privatdetektiv in einem schäbigen Büro, wobei er und seine Assistentin Katy (Alona Tal) vor allem mit dem Eintreiben von offenstehenden Forderungen beschäftigt sind. Eines Tages meldet sich Bürgermeister Hostetler überraschend wieder bei Billy Taggart: Dieser soll seine Frau Cathleen (Catherine Zeta-Jones) beschatten, weil der Ehemann sie der Untreue verdächtigt. Der Bürgermeister befindet sich mitten im Wahlkampf, weshalb er negative Schlagzeilen nicht gebrauchen kann. Hostetler verspricht dem ehemaligen Polizisten eine überaus großzügige Bezahlung, die Taggert in seiner finanziellen Lage nicht ausschlagen kann. Nach ein paar Tagen hat zwar der Privatdetektiv Fotos von Cathleens heimlichen Treffen mit einem Mann geschossen, der sich ausgerechnet als Paul Andrews (Kyle Chandler), der Wahlkampfmanager des Gegenkandidaten für das Bürgermeisteramt Jack Valliant (Barry Pepper), herausstellt. Aber kaum hat Taggert dem Bürgermeister das belastende Material ausgehändigt, stirbt Paul Andrews unter mysteriösen Umständen. Obwohl sein ehemaliger Chef ihm nicht zu trauen scheint, wird Taggert vom Polizeichef in die Ermittlungen einbezogen. Cathleen hat auch herausgefunden, dass Taggert sie observiert hat und versichert ihm, dass es ihrem Mann gar nicht um Untreue gehe, sondern um ganz schön viel Geld. Dem Privatdetektiv kommt langsam der Verdacht, dass er als kleines Rädchen in einem Skandal größten Ausmaßes ausgenutzt wurde.

Ein Privatdetektiv, der unter der Vorwand einer Untreueobservierung in einen Wirtschaftsskandal hineingezogen wird, erinnert insbesondere an den von Jack Nicholson gespielten Jake Gittes in Roman Polanskis „Chinatown“ (1974), der als gelungene Neuauflage des „Film noir“ gilt. Dieses Genre amerikanischer Kriminalfilme der vierziger und fünfziger Jahre, die in einem Umfeld politischer beziehungsweise finanzieller Korruption spielen, ist das offensichtliche Vorbild für Regisseur Allen Hughes in „Broken City“. Die Cinemascope-Bilder von Kameramann Ben Seresin atmen zwar den Geist dieses klassischen Genres etwa in der Wiedergabe der dämmrigen Skyline New Yorks. Dies bleibt jedoch die Ausnahme in „Broken City“. Denn die „gebrochene“ Stadt als Schauplatz moralischer Desorientierung, wie der Filmtitel suggeriert, steht kaum in Hughes Film im Vordergrund, wie es sich für einen echten „Film noir“ gehört.

Nicht auf die Atmosphäre, sondern auf die Handlung konzentriert sich „Broken City“. Das Drehbuch von Brian Tucker beginnt solide: Die Figuren werden von den überaus prominenten Schauspielern mit den nötigen Ambivalenzen ausgestattet. Die ersten Drehbuchwendungen im Stile eines „Chinatown“ gelingen darüber hinaus in der Inszenierung von Allen Hughes. Problematisch wird es ab der Filmmitte, als sich Cathleens Observierung als Finte erweist. Das Drehbuch zaubert immer wieder neue, fragwürdige Wendungen aus dem Hut – vom Logikfehler der entscheidenden Auflösung ganz zu schweigen. Als nicht minder unglaubwürdig erweist sich etwa auch, dass ebenfalls der von Jeffrey Wright verkörperte Polizeichef Fairbanks etwas zu verbergen hat. Darüber hinaus ist die Handlung mit Nebensträngen überfrachtet, so etwa die Nebenhandlung mit Taggarts Freundin Natalie, die lediglich eine Funktion im Drehbuch übernimmt, und sich dann irgendwann einmal aus dem Film verabschiedet.

Demgegenüber machen die Schauspieler das Beste aus dem teilweise verworrenen Drehbuch. Russell Crowe gestaltet den Bürgermeister New Yorks als undurchsichtigen Politiker mit einer Mischung aus Charme und Bedrohlichkeit, der seine Macht auszuspielen und mit einem Trumpf im Ärmel seine eigenen Interessen durchzusetzen weiß. Mark Wahlberg muss gleich mehrere Wandlungen in „Broken City“ durchmachen. Denn Billy Taggart trägt an einer ihn belastenden Vergangenheit, die es auch zu läutern gilt, weswegen er sich immer wieder den Verlockungen des Alkohols erwehren muss. „Schuld will beglichen werden“, heißt es zwar in „Broken City“. Dass die politische Verschwörung, der er zunächst einmal aufgesessen ist, zu seiner Läuterung führt, wirkt jedoch aufgesetzt. Das ist insofern Schade, als Drehbuchautor Brian Tucker und Regisseur Allen Hughes zunächst einmal mit den gut eingeführten Figuren und Konflikten das Zuschauerinteresse geweckt hatten. Dieses verschwindet allerdings zusehends im Laufe einer sich überstürzenden und willkürlich anmutenden Handlung.