Stärkung des Glaubens in San Marino

Bischof Luigi Negri: Papst ist ein bewundernswerter Zeuge

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von Antonio Gaspari

ROM, Montag, 20. Juni 2011 (ZENIT.org). - Es ist eine sehr alte Gemeinde, bereits seit dem Jahr 301 n.Chr. frei und unabhängig und mit einer Einwohnerzahl von ein wenig mehr als 32.000, die Papst Benedikt XVI. durch Vorbereitung im Gebet am 19. Juni erwartet. Sie trägt den Namen eines Heiligen, der den Grundstein des Glaubens gelegt hat, der über Jahrhunderte gefestigt worden ist.

Es handelt sich um ein außergewöhnliches Ereignis, das nicht nur die Gläubigen, sondern auch die zivile Administration mobilisiert hat.

Um die Bedeutung des Besuchs von Papst Benedikt XVI. hervorzuheben, hat ZENIT Msgr. Luigi Negri, seit 17. März 2005 Bischof der Diözese San Marino und Montefeltro, interviewt.

Was werden Sie dem Heiligen Vater sagen?

Monsignore Negri: Mit dem Papst werde ich über das Motto des Pastoralbesuchs „ Hilfen zum Wachstum im Glauben“ sprechen, und ich bin sicher, dass der Papst darauf eingehen wird, da er den Glauben der Christen äußerst fördert. Es ist ein starker Glaube, es ist der Glaube eines Volkes, das isst, trinkt, schläft, lebt und stirbt für den Herrn. Es hat den Glauben zum Fundament ihres Lebens, ihres Verstandes und ihres Herzens gemacht. Dies ist besonders wichtig für die Kirche von heute, ich möchte sagen, es hat eine große Bedeutung für die heutige Gesellschaft, weil eine lebendige Kirche einen positiven Einfluss auf sie hat. Und ich glaube, dass dies die Gnade der Begegnung mit dem Papst sein wird. Es ist ein absolut geschenktes Treffen dank der Liebe und der Wahl des Heiligen Vaters, das die Möglichkeit eines außergewöhnlichen Glaubenswachstums schenken wird.

Was erwarten Sie von dem Besuch des Papstes?

Monsignore Negri: Ich weiß, dass er bedeutungsvolle Worte zur Stärkung des Glaubens finden wird. Ich denke, dass es starke Worte zu einem Lebensnerv der Weltkirche sein werden, zum Thema der Beziehung zwischen Glaube und Kultur.

Ich liebe es hervorzuheben, dass mein Volk im guten Sinne eine tiefe Sehnsucht nach dem Glauben hat, aber nach dem argumentiert, was im Fernsehen gezeigt wird.

Das ist ein Dualismus, der die Personalität des Christen fast wie eine Schizophrenie durchdringt.

Es ist notwendig, solch einer Personalität den Glauben als einziges Fundament zu geben, als den Grund für Verstand und Herz, sagte mein Lehrer Giussani. Ich glaube, dass dies ein Punkt ist, der einen außergewöhnlichen Einfluss auf das Leben unseres Volkes haben wird, weil der Papst auf bewundernswerte Weise über den Glauben spricht und ihn bezeugt.

Dieses Zeugnis ist fähig, ein gutes und schönes Leben zu begründen. Wie der Heilige Vater bereits einige Male ausgedrückt hat, ist ein gutes und schönes Leben der große Wunsch von vielen Menschen guten Willens. In diesem Sinn spricht der Papst gleichzeitig zu den Gläubigen und zu allen Menschen guten Willens. Aus diesem Grund verspreche ich mir viel auf sozialer und politischer Ebene, weil allein durch den Dialog zwischen Christen, die nicht Kleriker sind, und Menschen guten Willens die Gesellschaft einen Ausweg aus der aktuellen Krise finden kann.

Wie soll der Säkularisierung und einer utilitaristischen und relativistischen Kultur begegnet werden?

Monsignore Negri: Ich würde vor allem sagen, dass die säkularisierte Kultur offensichtlich längst antichristlich ist, weil die Kampagnen der Stimmungsmache gegen das Christentum sehr wohl bekannt sind.

Das Anti-Christentum durchdringt die Mentalität auch der Personen des alltäglichen Lebens, der täglichen familiären Beziehungen, der Beziehung zu den Kindern, der Beziehungen in kleinen Gemeinschaften, wo sich Phänomene eines Zusammenbruchs finden lassen können.

Diese antichristliche Kraft wächst durch unsere Schwäche. Ihre Widerlegung ist für mich von großer Bedeutung. Der Kampf gegen die Ideologie des Anti-Christentums wird nicht allein mit den Waffen der Ideologie der religiösen Werte geführt. So wird nicht gegen die relativistische und unmoralische Sexualethik gekämpft, die die ganze Gesellschaft zu beherrschen scheint. Viele Menschen erkennen den Wert der geordneten Sexualität oder der ehelichen Treue, nachdem sie über Jahrzehnte das „es ist verboten zu verbieten“ gepredigt haben.

Das Gute siegt nicht, wenn sich dem Bösen nur ideologisch widersetzt wird.

Es bedarf eines Volkes, das auf konkrete Weise, täglich, mühevoll aber friedlich, die Erfahrung des neuen Lebens lebt. Das ist der große Protest gegen die „herrschende Kultur“. Aber damit dieser Protest wirksam sein kann, bedarf es eines Volkes, das überzeugend und charaktervoll ihre eigene christliche Identität und ihre Mission in der Welt lebt.

Welches sind die wirksamsten kulturellen und religiösen Initiativen, die Sie in diesen Jahren Ihrer Leitung der Diözese organisiert haben?

Monsignore Negri: An der Tradition der Katholischen Aktion habe ich sehr gearbeitet, zudem konnte ich die Realität und den Wert neuer  Gruppen, Bewegungen, Vereine, der neuen Gemeinschaften und vor allem Gebetsgruppen hervorheben.

Die Gebetsgruppen, die im Augenblick sehr lebendige Erfahrungen im Glauben sind, schenken eine lebendige Hoffnung auf neue Berufungen für Priester und Ordensleute.

Auf jeden Fall muss der Bischof unterscheiden und etwas auf den Weg bringen, und, wenn es etwas zu korrigieren gibt, muss er es tun, aber er darf nicht nur am Fenster stehen um zu schauen, was geschieht. Der Bischof ist kein Notar, der Bischof ist ein Vater, und wie ein Vater korrigiert er, erkennt er Dinge, bewertet sie, begleitet diese sehr lebendige Realität der Laien, rüstet sie zum eigenen Beitrag der Führung aus, aber auch zu großen Zeugnissen des Aufbaus.

Auf welche Weise wird die Diözese Papst Benedikt XVI. aufnehmen?

Monsignore Negri: Wir haben eine lange spirituelle Vorbereitungszeit gehabt, welche in einer großen marianischen Prozession durch alle Pfarrgemeinden gipfelte. Wir haben ein Bild der Jungfrau der Grazie aufgestellt und vor ihr gebetet. Es handelt sich um ein Fresko in einem ihr gestifteten Heiligtums, das im März 1489 gemalt worden ist.

Dieser gemeinsame Weg hat schöne, marianische Charakterzüge gehabt, ich glaube, dass mindestens 15.000 Personen in den verschiedenen Pfarreien teilgenommen haben.

Viele Anbetungstunden, Gebete und eucharistische Wachen haben stattgefunden, und in verschiedenen Vikariaten der Diözese gipfelten sie in Momenten der Versöhnung. Es war eine Erfahrung auf höchstem Niveau der Teilnahme.

Unter kulturellem Gesichtspunkt haben verschiedene Initiativen und Treffen stattgefunden, die das Lehramt des Papstes und die Person Benedikt XVI. beleuchteten. Sie endeten am 31. Mai mit einer außergewöhnlichen Präsentation des zweiten Bandes von Joseph Ratzinger „Jesus von Nazareth“ durch Carlo Kardinal Caffarra, Erzbischof von Bologna und Präsident der Bischofkonferenz von Emilia Romagna. Es war ein Ereignis auf hohem kulturellem Niveau, an dem mehr als 700 Personen teilgenommen haben. Allein unter diesem Gesichtspunkt war es ein großes, positives Ereignis nicht nur für die Diözese, sondern auch für ganz San Marino und Montefeltro.

[Übersetzung aus dem Italienischen von Mag. Maria Raphaela Hölscher]