Staub bist du, zum Staub musst du zurück

Bedeutung des stofflichen Symbols der Asche

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ROM, 23. Februar 2012 (ZENIT.org). - Die Asche, das stoffliche Symbol und Element der Natur-bereits in der jüdischen Kultur Zeichen der Buße, werde in der Liturgie am Aschermittwoch zu einem nicht-sakramentalen, heiligen Zeichen  mit einer hohen Bedeutung an dem Tag des Beginns der österlichen Bußzeit. Es trage den Kosmos in die Liturgie.

So Papst Benedikt XVI. in seiner Predigt bei der Eucharistiefeier am Aschermittwoch in der römischen Basilika Santa Sabina, zu der er in der traditionellen Bußprozession, den so genannten Stationen, von der Benediktinerabtei Sant' Anselmo gezogen war. Er selber erhielt das Aschekreuz vom slowakischen Kardinal Jozef Tomko, dessen Titelkirche Santa Sabina ist.

An der Prozession, die von Papst Benedikt XVI. angeführt wurde, nahmen neben den Kardinälen, Erzbischöfen, Bischöfen und den Benediktinermönchen von St. Anselm auch die Brüder des Dominikanerordens von Santa Sabina und viele Gläubige teil.

Das Symbol der Asche führe zurück auf den Schöpfungsbericht, in dem Gott den Menschen aus Erde vom Ackerboden formte, „ führt also zurück zu jenem großen Fresko der Schöpfung, von der gesagt wird, dass in ihr der Mensch eine einzigartige Einheit von Materie und göttlichem Hauch ist, und zwar im Bild des Staubes der Erde, der von Gott geformt und belebt wird durch seinen Atem, den er dem neuen Geschöpf durch die Nasenflügel einhaucht.“

Im Buch Genesis erfahre das Symbol des Staubes eine negative Wandlung durch die Sünde: Während vor dem Sündenfall der Ackerboden eine vollkommen gute Kraft ist, die getränkt wird durch eine Wasserquelle und in der Lage,  Bäume mit köstlichen Früchten wachsen zu lassen, werde er nach der Verfluchung Dornen und Disteln hervorbringen und nur unter Schmerzen und im Schweiße des Angesichts dem Menschen die Früchte gewähren. Somit erinnere der Staub der Erde nicht mehr an das Schöpfungshandeln Gottes, sondern werde zum Zeichen des unausweichlichen Todes. Diese Verfluchung des Ackerbodens habe die Funktion einer Arznei für den Mensch, dem durch den „Widerstand“ der Erde dabei geholfen werden solle, innerhalb seiner Grenzen zu bleiben und die eigene Natur anzuerkennen, so der Papst, Johannes Chrysostomos zitierend.

Die Verfluchung des Ackerbodens als „medizinische Funktion“ zeige auch, dass Gottes Absichten immer gut seien. Gott müsse den Menschen strafen, weil er die Freiheit des Menschen und ihre Konsequenzen respektiere, auch wenn sie negativ seien. Aber er zeige zusammen mit der gerechten Strafe auch den Weg des Heils auf, der eben durch die Erde führe, jenen Staub, jenes Fleisch, das das Wort annehmen werde. Die Einladung zur Buße und zum Bewusstwerden der eigenen Sterblichkeit solle den Menschen nicht in Verzweiflung enden lassen, sondern zur Annahme der unvorstellbaren Nähe Gottes, „der jenseits des Todes den Weg zur Auferstehung und zum endlich wiedergefundenen Paradies eröffnet.“

Ein Text von Origines besage, dass der fleischliche Mensch durch den Tod vernichtet und wieder zu Staub und Asche werde, danach aber die Person auf dem Weg zur Herrlichkeit eines geistlichen Körpers gelange, je nach den Verdiensten der Seele, die den Leib bewohne. Nach heutigem Verständnis seien zwar die Verdienste der Seele notwendig, aber entscheidend seien die Verdienste Christi und die Wirksamkeit seines österlichen Mysteriums.

Der Heilige Vater zitierte den hl. Paulus mit den Worten:„Er hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden“ (2 Kor 5,21).

Die Möglichkeit der göttlichen Vergebung für den Menschen sei im Wesentlichen davon abhängig, dass Gott unser menschliches Dasein teilen wollte, nicht aber unsere Sünde. Der Vater habe ihn auferweckt kraft des Heiligen Geistes und so werde Jesus, der neue Adam, zum „Leben spendenden Geist“ (1 Kor 15,45).

„Jener Gott, der die Ureltern aus Eden vertrieben hat, hat seinen eigenen Sohn in die von der Sünde zerstörte Welt gesandt und hat ihn nicht geschont, auf dass wir verlorenen Söhne geläutert und erlöst durch seine Barmherzigkeit heimkehren können in unsere wahre Heimat“, schloss der Papst und wünschte dies allen Gläubigen und allen Menschen, die sich demütig als des Heils bedürftig erkennen. [jb]