"Stell mich an, nicht ab!"

Caritas-Projekt zur Langzeitarbeitslosigkeit in Deutschland

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 379 klicks

Die Caritas-Kampagne „Stell mich an, nicht ab!“ ist am 1. Oktober 2013 mit einer Abschlusskundgebung in Berlin zu Ende gegangen. 1.700 Aufsteller in den Brennpunkten (siehe Karte), 100 begleitende Aktionen im gesamten Bundesgebiet sowie 500 handschriftliche Aktions-Postkarten an Lokal- und Bundespolitiker hatten seit Mai 2013 auf das Problem der Langzeitarbeitslosigkeit und die menschlichen Schicksale aufmerksam gemacht. Die Aktion wurde von kirchlicher Seite zum Beispiel von Kardinal Lehmann in Mainz, Kardinal Woelki in Berlin und Bischof Bode in Osnabrück unterstützt.

Diözesan-Caritasdirektor Hans-Jürgen Marcus, Vorsitzender der Katholische Bundesarbeitsgemeinschaft „Integration durch Arbeit“ (BAG IDA), erklärte: „Mit der Aktion „Stell mich an, nicht ab!“ machen wir deutlich, dass diese Menschen am Leben in der Gemeinschaft teilhaben und arbeiten wollen.“ http://www.caritas.de/fuerprofis/presse/pressemeldungen/fuereinenausbauderoeffentlichgefoerderte?dossier=9e8363e852944425848772f2dcb4b72c

Während der Kundgebung am 1. Oktober führte Diözesan-Caritasdirektor und Vorsitzender der BAG IDAHans-Jürgen Marcus aus: „Wir haben mit unserer Aktion gezeigt, wie sehr öffentlich geförderte Beschäftigung Menschen eine Perspektive eröffnen kann, denen der erste Arbeitsmarkt keine Chance gibt. Die Biographien von zehn Menschen haben wir exemplarisch mit unseren 1.700 Pappaufstellern, die bundesweit unterwegs gewesen sind, ins Bild gesetzt und ins Wort gebracht.

Wir meinen Menschen wie Maria F. Sie ist alleinerziehende Mutter eines hyperaktiven Kindes, das Rundum-Betreuung braucht.

Wir meinen Menschen wie Bernd K., der aufgrund seines Arbeitsplatzverlustes depressiv geworden ist.

Wir meinen Menschen wie Tony S., der als Dachdecker abgestürzt ist.

Der Erfolg von öffentlich geförderter Beschäftigung kann eben nicht nur an Eingliederungs-oder Vermittlungsquoten festgemacht werden. Es geht auch zentral um soziale Einbindung und Anerkennung, um Tagesstruktur, um die Erfahrung von Sinn, um körperliche und psychische Gesundheit, um die Wiederherstellung von Beschäftigungsfähigkeit, um Teilhabe.“

Menschen, die jahrelang keine neue Anstellung finden, leben nicht nur in einer wirtschaftlich äußerst schwierigen Situation, sondern leiden häufig auch unter gesundheitlichen und psychischen Problemen. Die Hoffnung, wieder in den Arbeitsmarkt zurückzufinden, verlieren die Menschen verständlicherweise nach jahrelanger und vergeblicher Suche und finden sich häufig in einer desaströsen Situation wieder. „Wenn dann noch weitere Schwierigkeiten wie Verschuldung oder Sucht hinzukommen, ist die Chance auf einen regulären Arbeitsplatz nahezu aussichtslos“, so Caritas-Generalsekretär Georg Cremer. Er fordert deshalb: „Gerade bei Menschen, die über Jahre arbeitslos sind, ist eine schrittweise Förderung in praxisnaher Beschäftigung nötig, die langsam wieder an die Erwerbsfähigkeit für den ersten Arbeitsmarkt heranführt.“ 

Rund 500.000 Menschen beziehen seit Jahren Hartz IV; für sie ist eine Integration in den Arbeitsmarkt kaum noch möglich. „Auch sind die Mittel, die für eine aktive Arbeitsmarktförderung für langzeitarbeitslose Menschen zur Verfügung stehen, von der Bundesregierung innerhalb der letzten fünf Jahre um fast 40 Prozent gekürzt worden. Wir schließen Menschen dauerhaft von Arbeit aus – mehr noch: Wir schließen sie auch von gesellschaftlicher Teilhabe aus“, wie Caritas-Generalsekretär Georg Cremer während der Kundgebung in Berlin ausführte. Besonders tragisch ist, dass von dem Problem in gleicher Weise auch die nächste Generation, die Kinder, betroffen sind, die aufgrund der sozialen Probleme häufig keinen oder einen deutlich schlechteren Zugang zu Schul- und Ausbildungsmöglichkeiten haben.

Einen konkreten Beitrag zur Lösung des Problems bieten der Deutsche Caritasverband (DCV) und die BAG IDA mit ihrem gemeinsam erarbeiteten, umfassenden Positionspapier, in dem zentrale Punkte für eine Umgestaltung der öffentlich geförderten Beschäftigung zusammengestellt werden: „eine klare Begrenzung der Zielgruppe; Förderung über einen längeren Zeitraum; Unterstützung der Arbeitgeber und eine realitätsnahe Gestaltung öffentlich geförderter Beschäftigung.“

„Es ist mit dem christlichen Menschenbild unvereinbar, Menschen dauerhaft von Arbeit auszuschließen. Jede und Jeder muss die Möglichkeit erhalten, sich entsprechend seiner/ ihrer Fähigkeiten in die Gesellschaft einzubringen und eine sinnvolle Arbeit zu leisten. Darum fordern Caritas und BAG IDA einen Koalitionsvertrag, der Schluss macht mit einer Paternostergesellschaft in der die einen nach oben gelangen, während die anderen nach unten transportiert werden. Wir brauchen eine Perspektive auch für langzeitarbeitslose Menschen in unserem Land! Darum beenden wir hier heute unsere Kampagne ‚Stell mich an, nicht ab!‘ Wir beenden aber nicht unser Engagement an der Seite von langzeitarbeitslosen Menschen“, wie abschließend Diözesan-Caritasdirektor Hans-Jürgen Marcus, Vorsitzender der BAG IDA, in Berlin forderte.