"Stets die Liebe zu Gott und zu seinem Nächsten vereinen"

Am 15. Juni wird Odoardo Focherini (gestorben im Dezember 1944) selig gesprochen

Rom, (ZENIT.org) Jill Carnà, Luca Marcolivio | 569 klicks

Während einer Pressekonferenz, die vergangenen Dienstag in der Sala Marconi in Rom stattfand, wurde die Person des ehrwürdigen Odoardo Focherini (1907-1944), dessen Seligsprechung unmittelbar bevorsteht, näher vorgestellt.

Anwesend waren Monsignor Francesco Cavino, Bischof von Carpi, Pater Giovangiuseppe Califano, Antragsteller der Seligsprechung, Franco Miano, Vorsitzender der Azione Cattolica Italiana, Antonello Cattani, Direktor der Cattolica Assicurazioni, und Francesco Manicardi, Journalist und Enkel des zukünftigen Seligen.

Im Jahre 1996 begann der Seligsprechungsprozess Focherinis und wird nun kommenden Samstag, den 15. Juni, in Carpi auf der Piazza dei Martiri seinen Abschluss finden. Der Feier wird Kardinal Angelo Amato, dem Präfekten der Kongregation für die Selig-und Heiligsprechung, vorstehen. Auch Familienangehörige und Nachkommen Focherinis werden an der Feier teilnehmen, wie sein Enkel bestätigte: Erwartet werden fünf Kinder, fünfzehn Enkel, 21 Urenkel und weitere Verwandte.

Odoardo Focherini wurde am 6. Juni 1907 in Carpi geboren. Bereits in jungen Jahren engagierte er sich für die Azione Cattolica Italiana. Er arbeitete für die Cattolica Assicurazioni, eine Versicherungsagentur, in Verona und wurde Geschäftsführer bei L’Avvenire d’Italia.

Focherini lebte und arbeitete immer nach dem Prinzip der Nächstenliebe. Als das faschistische Regime mit der Verfolgung der Juden begann, gelang es ihm, etwa 100 Menschenleben zu retten. Auch wenn sein heldenhafter Einsatz sein eigenes und auch das Leben seiner sieben Kinder in Gefahr brachte, unterstütze ihn seine Ehefrau Maria immer. Und auch nach seinem Tod im Konzentrationslager Hersbruck in Deutschland erzog Maria ihre gemeinsamen Kinder nach den Werten, die Focherini in seinem Leben befolgt hatte.

Der Vorsitzende von Azione Cattolica Italiana, Franco Miano, erläuterte in seinem Beitrag während der Pressekonferenz drei Aspekte, die man aus dem Leben Focherinis lernen könne. An erster Stelle stehe der Wille, Gott und den Nächsten gleichermaßen zu lieben. „In diesem Sinne kommen der Glaube und die Nächstenliebe zusammen. Es ist eine große Lehre für die Gegenwart: stets die Liebe zu Gott und zu seinem Nächsten vereinen und die beiden Elemente in ihrer engen Menschlichkeit wahrnehmen zu können.“

Eine weitere Erkenntnis bestehe darin, dass es keinen Widerspruch zwischen der Heiligkeit und dem Einsatz in der Welt gebe. Focherini zeige, dass es durchaus möglich sei, im eigenen Leben wie ein Heiliger zu handeln. Es sei nicht das Leben fern von derWirklichkeit, das einen selig werden lasse. Selig sei die Person, die sich auf die Wirklichkeit im Leben einlasse, wie es auch Focherini getan habe, sagte Miano.

Der dritte Aspekt schließlich beziehe sich auf das Verhältnis von Normalität und Außergewöhnlichkeit im Leben. Focherini habe ein normales Leben geführt, jedoch, sagte Miano, der Begriff „normal“ sei nicht abschätzig gemeint. Ein normales Leben beinhalte unter anderem Familie und Arbeit. Folglich sei Focherini die Erfahrung einer normalen Person widerfahren. Ein normales Leben könne demnach die Möglichkeit bieten, in einer außergewöhnlichen Weise zu leben, was auch der zukünftig Selige beweise.

Die Person Focherinis erzähle vor allem die Geschichte eines „freien Mannes“, so Monsignor Francesco Cavina. Sein Festhalten an der Freiheit innerhalb der Wahrheit machte ihn „dazu fähig, sich selbst zu beherrschen und sich ganz zu schenken.“ Seine Öffnung zur Freiheit bedeute eine „Zugehörigkeit zu Christus“, fügte der Bischof von Capri hinzu.

Focherini habe gewusst, wie man „jeden Aspekt des Lebens wie ein Mittel zur Heilung“ lebe, ohne jene „Trennung von christlichem und alltäglichem Leben.“

Er „zog die Kraft aus Christus, vor allem aus der Eucharistie Christi“, um auch die „Berufung eines jeden Menschen, das Nachbild Christi zu sein“, zu erfüllen. „Er ließ sich von Christus verwandeln, um letzten Endes so wie er zu sterben“, schloss Cavina ab.

Der Leiter von der Tageszeitung Avvenire, Marco Tarquino, zeichnete die Person Focherinis aus journalistischer Sicht nach. Er betonte, dass auch Focherini als Journalist sich einer „Zeit großer Unmenschlichkeit“ habe stellen müssen. Um dem Regime nicht unangenehm aufzufallen, habe Focherini die Veröffentlichungen des Avvenire d'Italia eingestellt.

Focherini, so Antonello Cattani weiter, habe sein Leben und seinen Glauben miteinander vereint und setzte „den Menschen in den Mittelpunkt.“ Sein Beispiel zeige, dass „auch ein Versicherungsangestellter selig werden kann, und dies beruhigt mich sehr“, fügte der Direktor der Cattolica Assicurazioni scherzhaft hinzu.

Am Ende berichtete Francesco Manicardi von seinem Großvater: Focherini sei alles andere als ein „Salonchrist“ gewesen, gegen den sich auch Papst Franziskus neulich ausgesprochen habe. Er sei ein Mann gewesen, der es verstanden habe, „aus der Alltäglichkeit ein Geschenk zu machen“ und das Prinzip „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ wörtlich genommen habe.

Er sei nicht nur eine bewundernswerter, sondern auch ein nachzuahmender Mensch. Focherini sei „ein Mann, der auch zu den Menschen von heute sprechen kann.“

„Wir sind das Wunder von Odoardo Focherini“, zitierte Manicardi abschließend Giacomo Lampronti, der zu den Juden gehörte, die von dem Journalisten gerettet worden waren.