„Straßenmissionen“ in ganz Deutschland

In Vorbereitung des Weltjugendtages in Madrid im August 2011 Einladungen auf der Straße

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MADRID, Freitag, 27. Mai 2011 (ZENIT.org). - Im Rahmen der Vorbereitung auf den Weltjugendtag, der im nächsten August in Madrid stattfinden wird, werden Kiko Argüello und Carmen Hernandez, die Initiatoren des Neokatechumenalen Weges, sowie Pater Mario Pezzi mit 40000 Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus ganz Europa zusammenkommen. Das Treffen wird am 29. Mai 2011, um 15 Uhr in der Esprit-Arena in Düsseldorf unter dem Vorsitz von Kardinal Joachim Meisner, Erzbischof von Köln, stattfinden.

Auf dem Weg nach Düsseldorf werden diese jungen Menschen „Straßenmissionen“ in ganz Deutschland durchführen, indem sie Jesus Christus ausgehend von ihrer Erfahrung verkündigen und die Jugendlichen zur Teilnahme am Weltjugendtag mit dem Heiligen Vater Benedikt XVI. in Madrid einladen werden. Während dieses Treffens, vor dem Aufruf zur Befolgung einer geistlichen Berufung, wird das von Kiko Argüello komponierte Symphoniewerk „Das Leiden der Unschuldigen“ aufgeführt (ZENIT berichtete).

ZENIT hat Kiko um Erklärung des Grundes für dieses Treffen als Vorbereitung auf Madrid gebeten.

Kiko: Das Treffen in Madrid wird ein sehr wichtiges Ereignis für die Zukunft Europas sein, und wir wollen die Jugendlichen darauf vorbereiten. Nach Madrid werden ungefähr 200.000 junge Menschen von neokatechumenalen Gemeinschaften aus der ganzen Welt kommen, und jede Gruppe wird während ihrer Reise für ein paar Tage anhalten, um in einem Dorf oder einer Stadt zu evangelisieren.

Frage: Warum wird man diese Symphonie vor den jungen Menschen als Vorbereitung auf Madrid aufführen?

Kiko: In diesem kleinen Werk erscheint unter dem Kreuz die Jungfrau Maria, die die Qual ihres Sohnes betrachtet und in ihrem Fleisch, im Fleisch ihres Sohnes dem Skandal des Leidens der Unschuldigen ausgeliefert ist: „Ah, was für ein Schmerz!“ – singt sie, während ein Schwert ihre Seele durchbohrt.

Das Leiden der Unschuldigen: die Menschen, die auf die Straße hinausgeworfen sind und dort erfrieren; Kinder, die verlassen und in Schrecken erregenden Waisenhäusern wieder eingesammelt werden, wo sie vergewaltigt und missbraucht werden, eine an Parkinson erkrankte Frau, die ich kennen gelernt habe, die von ihrem Mann verlassen war und die von ihrem psychisch kranken Sohn mit einem Stock geschlagen wurde und die vor meinem Haus bettelte, Reihen von nackten Frauen und Kindern, die zu den Gaskammern gehen... Was für ein Geheimnis des Leidens der Unschuldigen, die die Sünde der anderen tragen!

Frage: Dieses Konzert wurde auch in Israel vor einer großen Gruppe von Juden, die sehr beeindruckt waren, aufgeführt. Rabbi Rosen sagte: „Wir haben etwas wirklich Wunderbares erfahren (…). Dieses wunderbare Werk hat einen tiefen Gleichklang mit der jüdischen Identität, mit dem jüdischen Leiden und mit der jüdischen Hoffnung.“

Auch Rabbi Levkovitz war beeindruckt: „Nach einer solchen Musik, die so viel Leid zum Ausdruck bringt, ist es wirklich schwierig, zu sprechen. Meiner Meinung nach hat diese Musik die Unmenge an Leiden, das es in der Welt gibt, ausgedrückt. Ich habe viel von dieser Musik gelernt, weil die Musik etwas ist, das von der Seele, von einem inneren Ort herkommt. Ich bin hierhergekommen, um zu sagen, dass ich mich wie in den Tagen des Messias fühle.“ Und die Direktorin des Jerusalemer Konservatoriums sagte: „Ich hatte keine Ahnung, wie sehr ich beeindruckt sein würde und wie sehr ich mich für den Rest meines Lebens verwandeln würde… Ich habe die Größe und die Reinheit des Glaubens, der Liebe und der Solidarität erfahren, die mich sprachlos gemacht haben… Diese Musik hat etwas in mir verändert und nun fühle ich mich mit einer anderen universalen Wirklichkeit verbunden.“

Frage: Warum haben Sie dieses Konzert bei dieser Gelegenheit den Opfern des Holocaust gewidmet?

Kiko: Einige sagen, dass man nach dem Schrecken von Auschwitz nicht mehr an Gott glauben könne.

Nietzsche schrieb: „Wenn Gott existiert und denen nicht hilft, die leiden, ist er ein Monster. Und wenn er ihnen nicht helfen kann, ist er nicht Gott und existiert nicht.”

Nein! Das ist nicht wahr! Gott ist Mensch geworden, um sich mit dem Leiden aller Unschuldigen zu beladen. Ein Aufseher in Ausschwitz erzählt, dass er, als er die Reihe der zum Tode Verurteilten sah, einen tiefen Schmerz im Herzen erfuhr und eine Stimme hörte, von der er nicht wusste woher sie kam, die ihm sagte: „Reihe dich nackt mit ihnen ein und geh zum Tode!“

Das ist, was Jesus getan hat: Er ist der Unschuldige, vollkommen unschuldig, das Lamm, das zum Schlachten geführt wird, ohne den Mund aufzutun; er belädt sich mit der Sünde aller. Wir wollen die Jungfrau betrachten und unterstützen, die das Schwert annimmt, das nach dem Propheten Ezechiel Gott für die Sünden seines Volkes vorbereitet hat, das nun die Seele dieser armen Frau durchdringt; und auch Jesus, dem im Garten Gethsemani ein Engel half, den Kelch zu trinken, der für die Sünder vorbereitet wurde.

Der Prophet Ezechiel spricht von diesem Schwert und diesem Kelch.

Frage: Was bedeutet diese Prophezeiung Ezechiels über das Schwert und den Kelch?

Kiko: Gott hat sein Volk gesehen, das er auserwählt hat, Zeuge seiner Liebe zu allen Menschen zu sein, das ihn aber stattdessen verlässt und schlimmer als die anderen wird; so zählt der Prophet die Anzahl der begangenen Sünden auf: sexuelle Sünden, Inzest zwischen Bruder und Schwester, Eltern, die die Tochter vergewaltigen oder ins Bett mit der Schwiegertochter gehen; Männer, die Ehebruch mit der Ehefrau des Nachbarn begehen; der Sabbat wird aus Liebe zum Geld nicht mehr respektiert; die Leute vergießen Blut und sind voll von Gewalt und Verleumdungen; für den Götzendienst opfern sie ihre Kinder in Moloch…Gott hatte seinem Volk auch gesagt, sich nicht mit Ägypten zu verbünden, das zu dieser Zeit die höchste Macht war, die höchste menschliche Sicherheit, sondern auf ihn zu vertrauen; das Volk interessiert das aber keineswegs, und es fährt auf diesem Weg des Abgrundes der Gewalt und Perversion fort. Der Prophet listet eindrucksvoll all den begangenen Abscheu auf und schreit darauf: „Schwert, Schwert geschliffen, um zu töten“. Also kam Nebukadnezzar, das Schwert betrat Jerusalem, das Blut rann die Straßen entlang, sie setzten den Tempel in Brand und verschleppten das ganze Volk nach Babylon ins Exil: Die ganze Prophezeiung Ezechiels erfüllte sich.

Frage: Manche verstehen diese Prophezeiung des Schwertes als eine Strafe…

Kiko: Nein, dieses Schwert ist keine Strafe Gottes. In Wirklichkeit hat Gott Geduld und hält die Katastrophe zurück, weil er nicht den Tod des Sünders will, sondern das er umkehrt und lebt; aber es kommt ein Moment, an dem die Menschen mit ihren Sünden, indem sie sich von Gott entfernen, sich von selbst in einen Abgrund stürzen.

Ein physischer Abgrund, der aber ein moralischer Abgrund ist, ist die Hölle, die völlige Trennung von Gott. Tatsache ist, dass sie treulos geworden sind und in einen Abgrund der Selbstzerstörung fallen.

Es ist nicht nur keine Strafe, sondern Gott schickt seinen Sohn, der Vater schickt seinen Sohn, damit er die Menschen aus dieser Hölle rette und seine Mutter an diesem Werk teilhaben lasse, die Sünden auf sich zu nehmen.

Christus wird den Kelch der Bitterkeit trinken, und er wird ihn bis zum Ende trinken müssen, damit wir die Vergebung der Sünden empfangen können, aber vor allem damit wir von der tieferen Hölle geheilt werden können; und seine Mutter hilft ihm, indem sie sich das Herz durch das Schwert durchbohren lässt.

Frage: Auch der Heilige Vater spricht, als er die Jugendlichen nach Madrid einlädt, von der Hölle, vor allem in Bezug auf die aktuelle Situation in Europa und im Westen: „Unser kulturelles Umfeld ... vor allem im Westen, neigt dazu, Gott auszuschließen,…es zeigt sich eine ‚Verdunkelung Gottes‘, … eine wahre Ablehnung des Christentums … es gibt eine starke laizistische Denkströmung, die Gott aus dem Leben der Menschen und der Gesellschaft ausgrenzen will, indem sie ein ‚Paradies‘ ohne ihn in Aussicht stellt und herzustellen versucht. Aber die Erfahrung lehrt, dass die Welt ohne Gott zu einer ‚Hölle‘ wird, in der Egoismen, Spaltungen innerhalb der Familien, Hass zwischen Menschen und Völkern, Mangel an Liebe, an Freude und an Hoffnung vorherrschen.“

Kiko: Ja, die Situation Europas und des Westens ist sehr ernst.

Diese Prophezeiung Ezechiels ist immer gültig, auch für uns heute: Man kann nicht Inzest auf der Welt begehen, Kinder mit der Abtreibung töten, stehlen, morden…

Es ist eine mächtige Prophezeiung, die die Jungfrau angenommen hat, indem sie ihren Sohn ans Kreuz begleitet hat, vor allem um die Menschen aus der Hölle zu befreien: Weil das größte Leiden nicht der physische Tod, oder der Tsunami oder eine andere Katastrophe ist: das schrecklichste ist der geistige Tod, wenn man heute die enorme Anzahl der Selbstmorde sieht, die es gibt, der Abgrund in den der Mensch und die Gesellschaft versinken, indem sie sich von Gott trennen.

Frage: Warum diese Prophezeiung bei diesem Treffen?

Kiko: Bei diesem Treffen werde ich die Jugendlichen ermutigen, damit sie Kraft bekommen: Christus hat den Kelch getrunken, und die Jungfrau hat sich vom Schwert durchbohren lassen. Jetzt können wir schon die Welt evangelisieren und die Früchte des Kelches Jesu Christi und des Schwertes der Jungfrau geben: die Auferstehung und den Sieg über den Tod.

Also, das alles ist mit der Neuevangelisierung verbunden: den Jugendlichen diese Freude und diese Kraft zu geben. Die Musik spricht noch tiefer von unserem Sein und bringt uns dazu, die Jungfrau Maria zu lieben, die das alles macht, damit wir evangelisieren und die Menschen retten können.

In Deutschland ist der „Weg“ in 16 Diözesen mit 80 Gemeinschaften vertreten, ebenso wie durch zwei Seminare „Redemptoris Mater“ für die Neuevangelisierung, in den Diözesen Berlin und Köln. Es gibt fünf vom Heiligen Vater gesandte Missio ad Gentes, zwei in Chemnitz und drei in der Diözese von Köln: Sie sind Gruppen aus kinderreichen Familien, jeweils von einem Priester begleitet, die in Gegenden ziehen, wo die Kirche bereits abwesend ist: zum Beispiel nach Chemnitz, die alte Karl-Marx-Stadt, die die Vorzeigestadt des kommunistischen „Paradieses“ sein sollte, in der 98 Prozent der Bevölkerung nicht getauft ist und wo man Jesus nicht einmal kennt.

Der Kommunismus hat eine Leere hinterlassen, die nicht politisch, sondern nur durch Jesus Christus gefüllt werden kann. Selbst in Russland hat Putin, genau in diesen Tagen, anerkannt, dass die Krise der Familie und die Kinderlosigkeit die größte Gefahr für die Zukunft darstellen, und hat vorgeschlagen, die Abtreibung nicht mehr als medizinische Dienstleistung anzubieten. Joachim Kardinal Meisner hat am 25. März 2011 das Errichtungsdekret der „Missio ad Gentes“ in seiner Diözese unterzeichnet. Diese macht die Kirche nicht mehr durch die traditionelle Pfarrei, sondern durch Gemeinschaften von Personen anwesend, die inmitten der Leute leben, wie es in der Urkirche war.

Der neokatechumenale Weg ist ein Weg der christlichen Initiation, der offiziell von der katholischen Kirche für Getaufte und Nichtgetaufte anerkannt ist, damit diese einen Weg des Glaubens beginnen können, durch den sie die Taufe wiederentdecken und eine persönliche Erfahrung Christi und der Rettung machen können.

Das Treffen in der ESPRIT-Arena wird in italienischer Sprache stattfinden und in acht Sprachen übersetzt werden. Vor dem Treffen in der ESPRIT-Arena wird es eine Pressekonferenz um 14.30 Uhr geben, bei dem sich Kiko Argüello und Carmen Hernandez, die Initiatoren des neokatechumenalen Weges, sowie Padre Mario Pezzi, mit Journalisten treffen werden. Am Haupteingang des Hotels Tulip Inn, innerhalb der ESPRIT-Arena,  werden die Journalisten um 14.15 Uhr erwartet und von dort her zur Pressekonferenz geführt.