Strukturreform des internationalen Finanzwesens

Vorschlag des Päpstlichen Rats für Gerechtigkeit und Frieden

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VATIKANSTADT, 25. Oktober 2011 (ZENIT.org). – In seinem Vortrag bei der Konferenz zur Vorstellung der Verlautbarung des Päpstlichen Rats für Gerechtigkeit und Frieden mit dem Titel: „Für eine Reform des internationalen Finanz- und Währungssystems unter dem Gesichtspunkt einer öffentlichen Autorität mit universalen Kompetenzen“ erklärte Prof. Leonardo Becchetti, Dozent für politische Wirtschaft an der römischen Universität Tor Vergata: „Die globale Finanzkrise ist eine Möglichkeit, den Aufbau des weltweiten Finanzwesens zu reformieren und die Europäische Union im Hinblick auf eine Harmonisierung des politischen Steuerwesens zu stärken, indem sie zu dem Ziel einer vereinten Politik gelangt und die Disziplin bei den nationalen steuerpolitischen Entscheidungen wachsen lässt.“

Prof. Becchetti nannte zwei Vorgehensweisen: einen Rahmen von Regeln für die globale Verwaltung zu erstellen, die es ermöglichen, den Handlungsrahmen für die globalen Institutionen zu bilden und das internationale Finanzsystem durch eine Reihe von spezifischen Vorschlägen zu reformieren.

Bezüglich des ersten Punktes hob er hervor, dass „die globale Verwaltung dringend die Asymmetrie der Globalisierung der weltweiten Märkte und der Vorschriften, die hauptsächlich auf nationalem Niveau zur Anwendung kommen, überwinden muss.“

„Die Globalisierung“, erklärte er, „macht uns immer mehr voneinander abhängig und macht das Desinteresse an Problemen anderer Ländern  zu einer Sache der Vergangenheit.“

Der Dozent zeigte so die Konsequenzen eines „Dominoeffektes“ auf, den die Krise zunächst in den Vereinigten Staaten und dann in der Europäischen Union ausgelöst hatte, und von Faktoren wie Chinas großen Besitzanteil am amerikanischen Vermögen oder den Griechenlands von Seiten der deutschen und französischen Banken.

Bezüglich der Regeln der Finanzmärkte präzisierte Professor Becchetti: „Das Dokument macht sich einige  Vorschläge zu Eigen, die bereits von dem  Dodd-Frank-Gesetz in den USA und der Kommission Vickers in England gemacht wurden, aber aus verschiedenen Gründen noch nicht in Kraft getreten sind.“

Laut dem Dozenten für politische Wirtschaft ist der grundlegende Punkt trotzdem „das Finanzwesen in den Dienst der realen Ökonomie zurückzubringen.“

Um dies zu erreichen, sei es notwendig, den zu hohen Verfügungsrahmen der Banken zu reduzieren, und die sogenannte „Volckerrule“ anzuwenden, die den Banken verbietet, Spekulationen mit den Ersparnissen ihrer Kunden zu machen und auf strengere Weise den Markt der Zinsen zu regeln, die als Versicherungsinstrumente steigen.

Ein vierter Vorschlag beziehe sich auf die Einsetzung einer Finanztransaktionssteuer, eine Idee, die weitverbreitete Zustimmung findet.

Gegen eine solche Steuer sprächen vier Hauptargumente: „Man kann sie nicht auf globalem Niveau einführen; es gäbe keinen Ertrag wegen Kapitalflucht; die Steuer würde die Kosten des Kapitals erheblich erhöhen; die Steuer reduziere die Liquidität der Märkte“.

Laut Prof. Becchetti sind diese Argumente „falsch oder trügerisch, entweder durch fehlende Fakten (die beiden ersten), oder durch fehlende Beweise (die beiden letzten).“

Eine Steuer auf finanzielle Transaktionen, schloss der Universitätsdozent, „würde einen wichtigen Schritt in der Ausbalancierung der Beziehungen zwischen Institutionen und Finanzwelt wiederherstellen und das Vertrauen von Seiten der Zivilgesellschaft gegenüber den Finanzinstituten wieder stärken, was dringend nötig ist.“

[ZENIT-Übersetzung aus dem Italienischen]